Haabergbach wird gezähmt. Hochwasserschutz-Projekt trotz Coronakrise im Zeitplan. 2021 soll Waidhofner Straße vor Fluten geschützt sein.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 22. Juli 2020 (04:11)
Dieter Stadlbauer vom städtischen Bauamt, Bürgermeister Christian Haberhauer und Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder mit Bauarbeitern im Bett des Mühlbaches, das verbreitert und zu den Liegenschaften hin auch mit einer Mauer ertüchtigt wird. In diesem Bereich soll durch Schleusen künftig die Fließrichtung des Baches geändert werden können, damit sollen Überflutungen wie sie die Fotos zeigen, künftig verhindert werden.
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Die starken Regenfälle Ende Juni haben deutlich gezeigt, wie wichtig Hochwasserschutz ist. Ein Großprojekt ist derzeit ja im Bereich Haabergbach-Mühlbach-Ybbs in Bau und trotz Coronakrise im Zeitplan. Die Situation ist dort speziell, weil es einerseits darum geht, den Haabergbach zu entschärfen (HQ 10), der bei Starkregenereignissen zu viel Wasser in den Mühlbach pumpt, sodass dieser dann die Liegenschaften an der Waidhofner Straße unter Wasser setzt (zuletzt 2009).

Andererseits gilt es aber auch zu verhindern, dass bei einem Hochwasser in der Ybbs vom Fluss zu viel Wasser in den Mühlbach fließt (HQ 100), was in der Vergangenheit nämlich ebenfalls zu Überschwemmungen im Bereich der Waidhofner Straße führte (zum Beispiel im Jahr 1991).

Der Haabergbach erhält eine Schleuse, durch die künftig die Wasserzufuhr in den Mühlbach gedrosselt werden kann.
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Abhilfe schaffen sollen ein neues Überleitungsgerinne und ein raffiniertes Schleusensystem, mit dessen Hilfe sogar die Fließrichtung des Mühlbaches umgekehrt werden kann (Projektdetails – siehe Infobox).

Im Frühjahr 2021 soll das Schutzprojekt fertiggestellt werden. Das wird der Schlusspunkt unter einer sehr langen Vorgeschichte sein. Denn zur wasserrechtlichen Genehmigung bei der Behörde eingereicht wurde das Projekt schon im Jahr 2012. Dem gingen damals bereits längere Verhandlungen mit Grundbesitzern voraus, die äußerst zäh verliefen.

Projekt kostet rund 2,1 Millionen Euro

Erst im Jahr 2016 war das Projekt wirklich auf Schiene und lagen die nötigen Genehmigungen dafür vor. Doch es dauerte weitere drei Jahre, bis auch die Finanzierung sichergestellt war. Immerhin fließen rund 2,1 Millionen Euro in das Projekt. Bund und Land steuern je 758.100 Euro bei, die Stadt 583.800. Spatenstich war im Oktober 2019.

Für Bürgermeister Christian Haberhauer ist nicht so sehr die Vorgeschichte, sondern das Resultat wichtig: „Wir errichten hier einen Hochwasserschutz der viele Bürger und auch kommende Generationen vor Leid und hohem Schaden an ihren Liegenschaften bewahrt. Ich möchte mich bei allen Grundbesitzern bedanken, die das möglich gemacht haben“, sagt der Stadtchef. Konkret sollen 33 Hektar Grund, 84 Objekte und 191 Bewohner künftig vor Hochwasser geschützt werden. Das Entlastungsgerinne wird übrigens auch einen beleuchteten Begleitweg erhalten, der natürlich auch Spaziergängern offen stehen wird.

Im Jahr 2017 hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der Eröffnung des Rückhaltebeckens am Lewingbach der Stadt versprochen, dass das Land sie auch bei künftigen Hochwasserschutzprojekten unterstützen werde, damit Amstetten im Jahr 2024 hochwassersicher sei. Das Projekt Haabergbach/Mühlbach ist ein wesentlicher Schritt dazu.

Ein Vorhaben ist dann aber noch immer offen: ein großes Rückhaltebecken zum Schutz von Preinsbach.