Kropfreiter hat „eine Menge an Plänen“ für Ruhestand. Hannes Kropfreiter geht als AVB-Geschäftsführer in den Ruhestand. Im Gespräch blickt er auf Rückschläge und Höhepunkte zurück und verrät, was er im Ruhestand vorhat.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 26. Dezember 2019 (04:51)
Sengstschmid

NÖN: Herr Kropfreiter, Sie treten nach 33 Jahren als Geschäftsführer der Amstettner Veranstaltungsbetriebe in Pension. Freuen Sie sich darauf?

Hannes Kropfreiter: Ja, und das kommt von ganzem Herzen! Ab dem Neujahrstag kann ich nun meinen Terminkalender nach Lust und Laune selber gestalten, worauf ich mich sehr freue. Die Vorstellung der „Fledermaus“ zu Silvester wird meine 118. Kulturveranstaltung in diesem Jahr sein. Viele davon haben in der Pölz-Halle stattgefunden, eine beträchtliche Anzahl jedoch auch in Theatern und Konzertsälen zwischen Wien und Salzburg. Dazu kommen 39 Abende, die mit Proben und Konzerten mit dem Amstettner Symphonieorchester belegt waren.

Das Hobby, als Geiger in diesem Klangkörper mitzuwirken, hab ich mir aber trotz zusätzlichem Zeitaufwand gerne gegönnt. Für mich als Programmverantwortlichen war die Anwesenheit bei so vielen Veranstaltungen eine Selbstverständlichkeit, da ich die Publikumsreaktionen miterleben wollte. Die Rolle des Geschäftsführers war jedoch nicht nur auf das kulturelle Geschehen beschränkt. In meiner Ära kam es zu umfangreichen Baumaßnahmen wie der Erneuerung des Heidebades und Naturbades, der Bau der Eishalle, der Revitalisierung der Pölz-Halle, um nur die wesentlichsten zu nennen. Die Betriebsanlagen bringt Risiken mit sich, für die ein Geschäftsführer haftet. Annähernd 60 Mitarbeiter bedeuten zudem eine große Verantwortung. Auch diese Last fällt von meinen Schultern.

Haben Sie sich auf Ihre Pension vorbereitet?

Kropfreiter: Es gibt eine Menge an Plänen, die ich umsetzen möchte. Reisen ist zum Beispiel für meine Frau und mich in den letzten drei Jahrzehnten zu kurz gekommen. Jeder Hausbesitzer weiß auch, was in einem Gebäude ständig zu warten, reparieren oder erneuern ist. Auch hier werde ich als Praktiker Hand anlegen. Und auch in der Küche möchte ich mich nützlich machen. Zwischenzeitlich interessieren mich bereits Kochrezepte, der nächste Schritt, nämlich „ran an den Herd“, sollte bald folgen. Intensiveres Lesen steht auch am Plan und natürlich der Besuch von Kulturveranstaltungen, selbstverständlich auch in der Pölz-Halle. Hoffentlich geht sich das zeitlich alles aus!

Wäre es für Sie eine Option gewesen, als Intendant des Musicalsommers Amstetten weiterzumachen?

Kropfreiter: Nein, das habe ich nie in Erwägung gezogen. Mir war wichtig, beide Funktionen, die der Geschäftsführung und jene der Intendanz, zeitgleich in jüngere Hände zu legen. Es wäre sonst sicher zur „Verwässerungen“ zwischen beiden Positionen gekommen. Da kenne ich mich ganz einfach zu gut, dass für einen halben Rücktritt mein Temperament nicht dienlich gewesen wäre.

Ihre berufliche Karriere hatte viele Höhepunkte, gewiss aber auch einige Tiefpunkte. Beginnen wir mit den Höhepunkten: Was war für Sie ein herausragendes Erlebnis. Was enttäuschte Sie?

Kropfreiter: Herausragende Erlebnisse gab es für mich viele. Dabei denke ich an die vielen Film- und Fernsehstars, die in der Pölz-Halle am Beginn meiner Ära aufgetreten sind und die unser Publikum begeistert haben. Viele von denen sind leider nicht mehr unter uns. Ein intensives Jahr war sicher 1987, mein erstes bei der AVB. Freddy Quinn war für die Sommeroperette verpflichtet.

Er war ein sehr unternehmungslustiger Mensch, meine Frau und ich haben ihn an vielen Abenden gesellschaftlich betreut. Das war ein zeitintensiver, aber auch interessanter Einstieg ins Kulturbusiness! Eines der Highlights für mich als bekennender Deep Purple Fan war das Jon Lord Konzert im Juli 2011. Unvergesslich geblieben sind mir auch die Konzerte mit Charlie Watts von den Rolling Stones oder jenes des Supergitarristen Al Di Meola im Vorjahr. Das sind aber nur wenige Acts, stellvertretend für hunderte begeisternde Theater-, Konzert- und Kabarettabende in unserem Haus.

Und was war die größte Enttäuschung?

Kropfreiter: Die größte Enttäuschung war, dass wir 2011 eine Pause beim Musical Sommer einlegen mussten. Die Besuchererfolge in den Jahren 2009 und 2010 gerieten, durch eine zu mutige Programmgestaltung und durch Gastspiele in München, in Schieflage, was zu finanziellen Problemen und dem Stopp führte. Dass es gelungen ist, unser kulturelles Aushängeschild wieder zu einem absoluten Vorzeigeprojekt in der Musicalszene zu führen, lässt die Enttäuschung jedoch vergessen.

War Ihr vielfältiger Aufgabenbereich Job, Beruf oder Berufung, oder sogar Leidenschaft?

Kropfreiter: Ich würde meinen, mein Job war ein ganz spezieller Beruf, der mir zur Berufung wurde und die ich mit Leidenschaft gepflegt habe.

Was möchten sie ihrem Nachfolger mitgeben?

Kropfreiter: Als Dienstleister, und das sind die AVB, ist für mich immer eine große Kunden- und Publikumszufriedenheit im Zentrum meines Handelns gestanden. Das betraf nicht nur das kulturelle Angebot, sondern unser Gesamtangebot, einschließlich jenes in den Bädern, der Eishalle und der Sporthalle. Zufriedene Kunden sind das wertvollste Kapital einer Firma, einer Institution. Dessen sollte man sich in Zukunft bei der AVB bewusst sein.