Pensionist verzweifelt: „100.000 Euro sind weg“. Pensionist hatte Goldmünzen in Sparbuchschließfach, das ein Dieb aufbrach.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. April 2020 (05:12)
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„Als ich in den 90er-Jahren zu rauchen aufgehört habe, habe ich mir jeden Monat eine kleine Goldmünze gekauft. Und als meine Mutter starb, habe ich die 10.000 Euro, die sie mir vermacht hat, ebenfalls in Goldmünzen investiert. Inzwischen waren sie, durch den steigendend Goldpreis zusammen schon 100.000 Euro wert. Und jetzt sind alle weg.“ Ein Amstettner Pensionist kann sein Unglück kaum fassen. Er hatte seinen „Notgroschen“ in einem jener Sparburchschließfächer der Sparkasse deponiert, die vor etwa vier Wochen von einem unbekannten Dieb aufgebrochen wurden. Weil sich der Amstettner im Ausland aufhielt, bekam er erst am Dienstag der Vorwoche die Information und fiel natürlich aus allen Wolken.

Chance, den Schaden ersetzt zu bekommen, hat der 64-Jährige so gut wie keine. Denn im Vertrag mit der Bank, den er unterschrieben hat, steht ausdrücklich, dass in diesen Schließfächern ausschließlich Sparbücher der Sparkasse der Stadt Amstetten AG verwahrt werden dürfen. Der Inhalt ist daher auch nicht versichert. „Ich weiß, dass ich selber schuld bin, aber es trifft mich sehr hart. Ich habe mir das Geld auch deswegen zur Seite gelegt, falls ich im Alter einmal Pflege brauche“, berichtet der Pensionist.

Sein Verlust ist zwar sicher der höchste, er ist aber nicht der Einzige, der Wertgegenstände im Schließfach gelagert hatte. Auch andere Kunden haben sich bei der Sparkasse gemeldet. Dort kann man ihnen aber auch nicht helfen. „Wir haben mit all diesen Personen Gespräche geführt. Sie sind natürlich sehr betroffen von ihrem Schaden, aber sie verstehen auch durchwegs, dass wir diesen nicht ersetzen können“, sagt Sparkassen-Vorstandsdirektor Adolf Hammerl. Weder könne man ja in letzter Konsequenz sicher sein, ob und welche Wertgegenstände sich tatsächlich in den Sparbuchschließfächern befunden hätten, noch seien diese versichert gewesen.

„Wir würden uns als Geschäftsführer selbst der Untreue gegenüber der Bank schuldig machen, wenn wir den Schaden einfach übernehmen.“ Natürlich habe man aber die Polizei informiert. Man versuche zudem, in laufenden Gesprächen mit allen betroffenen Kunden, eine Lösung durch ein symbolisches Entgegenkommen zu finden. „Auch wenn dieses natürlich im Vergleich zum erlittenen Schaden nur geringfügig ist.“

Fächer entsprachen den Sicherheitsstandards

Hammerl betont, dass die Sparbuchschließfächer, den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards entsprochen hätten. Sie seien aber keine Wertbereiche, daher auch die geringe Miete von sieben Euro im Jahr.

Für die Aufbewahrung von Wertgegenständen bietet die Sparkasse Schließfächer auf höchstem technischen Standard im mehrfach alarmgesicherten Bereich und mit Versicherung an. Kosten dafür: 100 Euro im Jahr.

Der betroffene Pensionist hadert natürlich mit sich selbst. „Ich kann derzeit an nichts anderes denken und die Coronakrise macht es auch nicht leichter, weil ich kaum Ablenkung habe. Ich möchte aber allen jenen, die vielleicht auch noch auf anderen Banken solche Sparbuchschließfächer haben, dringend raten, dort auf keinen Fall Wertgegenstände zu verwahren. Wenn ich schon den Schaden habe, sollen wenigstens andere daraus klug werden.“

Ganz hat der Amstettner die Hoffnung, seine Goldmünzen wiederzusehen, aber noch nicht aufgegeben, auch wenn die Polizei keine konkrete Spur zum Täter hat. „Wenn jemand einen Hinweis geben kann – vielleicht werden ja wo auffällig viele Münzen verkauft – und ich dadurch die 100.000 Euro wieder bekomme, dann wäre ich bereit, sobald ich das Geld in den Händen halte, dem Hinweisgeber 10.000 Euro zu zahlen.“

Weil der Pensionist anonym bleiben möchte, können Hinweise an redaktion.amstetten@noen.at gemailt werden.