Miss NÖ: „Nur fesch sein ist zu wenig!“. Die Aschbacherin Noemi Hartig wurde zur Miss Niederösterreich gewählt. Sie will wichtige Botschaften vermitteln.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 17. Mai 2019 (05:00)
Schleifer-Höderl

Auf die Frage, wie man sich als fescheste Niederösterreicherin fühlt, entgegnet Noemi Hartig, Neo-Miss Niederösterreich, lachend: „Freilich habe ich mich gefreut! Aber fesch allein ist zu wenig. Zudem gilt der Titel ja nur für ein Jahr!“ Um ihr gewinnendes Äußeres braucht sich die sympathische 24-Jährige in der Zukunft garantiert genauso wenig Gedanken zu machen, wie über ihr kritisches Weltbild.

„Ich finde es echt krass, dass wir Frauen im 21. Jahrhundert überwiegend noch immer zuerst an unserem Aussehen gemessen werden. Genau deshalb habe ich auch bei der Miss- Niederösterreich-Wahl mitgemacht, weil ich endlich aufzeigen will, dass Frauen viel mehr können als schön zu sein und zu gefallen“, berichtet Noemi.

Die gebürtige Mostviertlerin mit afrikanischen Wurzeln – Noemis Mama stammt aus Kamerun und lebt seit ihrem siebenten Lebensjahr in Österreich – überlegte lange hin und her, bevor sie ihre Bewerbung für die Miss-Wahl abgab. „Eben, weil es etwas so Klischeehaftes ist und ich alles andere als ein schönes Pupperl sein möchte, das man zwölf Monate lang überall hinstellt und posieren lässt. Denn das bin ich garantiert nicht und genau das war dann der Grund, warum ich mich angemeldet habe. Ich will zeigen, dass es auch anders geht.“

„Person zählt, egal woher man kommt“

Noemi will sich vor allem auch für gesellschaftspolitische Themen einsetzen. Und da hat die Architekturstudentin, die demnächst ihren Bachelor an der TU Wien machen wird, eine ganz klare Meinung dazu, was falsch und was richtig ist. „Schau mich an, die typische Mostviertlerin bin i in den Augen vieler sicher net, oder? Ich hab ein wengerl mehr g’sunde Farbe abbekommen, als die meisten hier und i trau‘ mich auch, was zu sagen“, sagt sie im besten Mostviertler Dialekt. Sie will aufzeigen, dass es völlig gleich sein muss, wie man aussieht, woher man kommt und was man denkt. Letztendlich zähle nur der Mensch, die Person. „Da merke ich aber, dass es gerade in letzter Zeit wieder so in Richtung Steinzeit geht. Alles, was man nicht kennt, wird abgelehnt. Dabei wäre es doch so einfach, aufeinander zuzugehen und sich kennenzulernen.“

Noemi stört auch, dass Frauen noch immer für die gleiche Tätigkeit viel weniger als Männer verdienen und dass Umweltschutz für manche nicht mehr als ein Wort ist. „Alle warten darauf, dass der andere was tut, nur selbst nimmt man sich von der Verantwortung gerne aus. Da muss sich endlich was ändern!“

Große Reden zu schwingen, liegt Noemi aber fern, das überlässt sie gerne anderen, wie sie sagt. Sie möchte viel mehr erreichen, dass die Menschen im Alltag besser hinhören und hinschauen. „Vor allem wie wir miteinander umgehen und welche Worte wir da verwenden. Da gäbe es genug Verbesserungspotenzial“, gibt sich die Neo-Miss kämpferisch.

Im Familienbetrieb voll engagiert

Noemi war schon als kleines Mädchen besonders und begleitete bereits als Vierjährige ihren Vater, der in der fünften Generation eine Bodenleger- und Raumausstatter-Firma führt, zu den Baustellen. „Da habe ich ihm immer das Werkzeug gereicht und alles haargenau beobachtet.“

Mittlerweile ist die junge Frau, die an der HTL 1 in Linz maturierte, im Familienbetrieb in Aschbach für die Grafik und Kommunikation zuständig. „Da mein Opa vor Kurzem eine Herzoperation hatte und sich erholen muss und mein Papa nun auch seine Agenden übernommen hat, stehe ich ihm mehr zur Seite. Ich habe schon meine erste Baustelle zum Koordinieren übertragen bekommen, baue unsere Niederlassung in Wien auf und habe die Führerscheine B, C, E und F gemacht. Gerade bin ich dabei noch den A-Schein zu absolvieren. Ach ja, und Miss bin ich ja jetzt auch noch“, sagt Noemi augenzwinkernd und gesteht, dass sie auch mit dem Miss Austria-Titel gut leben könnte. „Die Wahl wird voraussichtlich am 6. Juni in Wels über die Bühne gehen. Natürlich möchte ich gewinnen, logisch“, meint sie lachend. „Dann könnte ich vielleicht ganz Österreich wach rütteln.“

Und wie hält sich die Vielbeschäftigte eigentlich fit für die Schönheitsbewerbe und auch für den Alltag? „Mit Taekwondo und Snowboarden sowie mit unserer Großfamilie, Omas deutscher Kurzhaarhündin Chili und meinem persönlichen Haustier, dem einjährigen Königspython namens Jürgen. Der kann dreißig Jahre alt werden und ist derzeit sozusagen der Mann in meinem Leben!“