Alte Kfz-Kennzeichen: Rarität sorgt für Aufsehen. Nur noch ungefähr drei Prozent der Fahrzeuge im Bezirk haben ein schwarzes Taferl, wenige davon sind Pkws.

Von Stephanie Turner und Daniela Führer. Erstellt am 06. August 2019 (03:49)
Hudler

Oft sieht man sie heutzutage nicht mehr und wenn doch, ziehen sie garantiert die Aufmerksamkeit auf sich – die Rede ist von den schwarzen Kennzeichentaferln. Als Vorgänger der aktuellen Kennzeichen wurden sie vor etwa 30 Jahren von den weißen Taferln ersetzt. Fahrzeuge, die vor 1990 angemeldet wurden und noch immer zugelassen sind, dürfen damit weiterhin auf den Straßen unterwegs sein.

Einer davon ist Franz Öhlinger aus Neuhofen/Ybbs. Vor 34 Jahren hat der 64-Jährige seinen Chevy El Camino angemeldet, heute fährt er nur noch im Sommer mit ihm spazieren: „An und für sich hat das schwarze Taferl für mich keine Bedeutung. Ich würde es aber trotzdem nie ummelden lassen, weil es einfach gemeinsam mit dem Auto eine Rarität darstellt.“ Er bemerkt, dass vor allem die jüngeren Generationen nichts von den Vorgänger-Kennzeichen wissen.

„Einmal wurde ich gefragt, ob ich aus Liechtenstein komme.“ In Norddeutschland wurde der Hundefrisör-Inhaber wegen seines Nummerntaferls sogar von der Polizei aufgehalten. „Bei der Überprüfung haben die Polizisten etwas nervös auf mich gewirkt und ich wusste nicht recht, warum. Bis sich dann herausgestellt hat, dass sie mein Taferl anfangs fälschlicherweise für ein altes, polnisches Kennzeichen aus der Kriegszeit gehalten haben“, erinnert sich Öhlinger zurück.

Stolz auf das „alte“ Nummerntaferl an seiner knallroten Vespa D 125 X ist auch der Amstettner Josef Eiginger. Die Maschine und das schwarze Kennzeichen besitzt er seit 1988 – erstmals zugelassen wurde die Vespa 1981. „Ich fahre damit immer noch gerne eine Runde, wenn das Wetter schön ist. Da taugt es mir schon, dass ich für den Roller auch noch ein altes Taferl habe“, erzählt der 79-Jährige. Und dieses will er zeit seines Lebens nicht mehr hergeben. „Meine Erben werden dann einmal ein neues Nummernschild brauchen“, sagt er, denn für ihn steht fest: „Die Vespa soll in der Familie bleiben.“

Besonderen Gefallen an den erstaunten Blicken der Leute hat Franz Schoiswohl aus Stadt Haag, wenn er im Sommer mit seinem weißen Oldtimer-Mercedes und dem schwarzen Kennzeichen über die Straßen flitzt. Vor allem der farbliche Kontrast erfüllt den 59-Jährigen mit Stolz. „Damals, im 87er-Jahr, habe ich das Auto vom Fleischhacker gekauft, heute werde ich oft gefragt, wie es sein kann, dass an meinem Auto noch ein altes Kennzeichen drauf sein darf“, schmunzelt Schoiswohl.

Kleiner Blickfang mit Verwechslungsgefahr

Tagtäglich fährt der Amstettner Schuhgeschäftbesitzer Ewald Hanser mit seinem Volvo durch die Gegend. Vor 30 Jahren kaufte er den Pkw und holte sich sein Kennzeichentaferl. Das Besondere: Er hat eine besonders niedrige Zahlenkombination, was den Seltenheitswert noch zusätzlich erhöht. „Damals wurden noch Autos produziert, die etwas aushalten und so leistet mir das meine auch heute noch gute Dienste“, erklärt Hanser, der sich der Generation 60plus zuordnet. Er ist stolz auf das Auto und wird nach eigenen Angaben auch immer wieder von den Leuten erkannt. Einige sollen schon Kaufinteresse an dem Pkw gezeigt haben, ans Verkaufen denkt Ewald Hanser aber bei Weitem nicht.

Die Stadtgemeinde St. Valentin hat noch immer einen Leichtanhänger mit schwarzer Nummerntafel im Einsatz. Dieses wird vor allem im Schwimmbad eingesetzt. Angemeldet wurde er im Oktober 1989 und hat damals noch 11.400 Schilling gekostet. Amtsleiter Rudolf Steinke auf die Frage, warum man ihn noch im Einsatz hat: „Er leistet noch immer gute Dienste und die Gemeinde ist dabei sparsam.“

Für den Bezirk Amstetten waren die Nummernserien 1.000 bis 1.999 zugewiesen. Die Ziffernkombinationen wurden chronologisch zugeteilt. Anfangs waren nur Ziffern erlaubt, später wurden diese durch das Zuzählen von 30.000, 60.000, 90.000 bzw. 100.000 erweitert Dadurch ergeben sich Beispielkombinationen wie N 1.312, N 31.312, N61.312, N91.312. Ab dem Jahr 1972 wurden an Stelle der ersten Ziffer des Vormerkzeichens auch Buchstaben, die in der bisherigen Systematik noch nicht vorkamen, vergeben.