„Goldene Zeit in Wirtshausküche hört auf“. Lage ist im Bezirk Amstetten dank des Tourismus noch nicht dramatisch. Gewisse Herausforderungen gibt es dennoch.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 04. Juni 2019 (04:00)
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Betrachtet man aktuelle Zahlen der Wirtschaftskammer in Hinblick auf den aktuellen Gasthäuserbestand in Niederösterreich, müsste man sich fast fürchten, dass der Ofen in der Wirtshausküche künftig kalt bleiben könnte.

Mit Betonung auf fast, denn Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Andreas Geierlehner sieht in Amstetten noch kein konkretes Wirtesterben: „Ein gewisser Wandel ist spürbar. Die goldenen Zeiten hören auf bzw. verändern sich. Ein Wirtesterben ist im Bezirk aber nicht gegegeben.“
Dabei spricht Geierlehner von veränderten Rahmenbedingungen für Betriebstypen, wie den klassischen Kirchenwirt und von den immer seltener werdenden Betriebsübergaben an die nächste Generation.

Beruf verliert an Attraktivität

Grund dafür ist unter anderem, dass der Beruf des Wirtes zunehmend an Attraktivität verliert. Warum das so ist, weiß Wolfgang Pillgrab. Der 32-Jährige ist Koch und spielt mit der Idee, den Gasthof Pillgrab zur Linde in St. Valentin in naher Zukunft von seinem Vater Hans zu übernehmen. „Ich koche wahnsinnig gerne. Was eine Betriebsübernahme betrifft, muss man sich die Frage stellen, ob man in die Selbstständigkeit gehen will oder nicht. Ich glaube, dass hier gesellschaftliche Entwicklungen entscheidend sind. Die Menschen machen sich heute mehr Gedanken über ihr Privatleben“, erklärt Pillgrab. Er betont weiter, dass die Gastronomie als Branche moderner werden und sich an aktuelle Entwicklungen anpassen muss. Genauso seien auch hohe Lohnnebenkosten eine große Belastung für Wirte.

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Als wichtiger positiver Faktor für die Gastronomie im Bezirk muss die Lage im Herzen des Mostviertels genannt werden. Der damit einhergehende Tourismus kurbelt die Wirtschaft in der Region an.

Das bestätigt auch Bezirks-Wirtevertreterin Melitta Ott. Auch sie sieht Anpassungsbedarf bei den Wirten: „Der Gast verändert sich. Früher sind die Leute wegen der Geselligkeit ins Wirtshaus gegangen oder um sich über das aktuelle Geschehen zu informieren. Die Jugend hat jetzt andere Interessen und einen regelrechten Freizeitstress. Daran müssen wir uns anpassen“ und schlägt außerdem vor: „Zumindest einmal im Monat könnte man doch ins Wirtshaus essen gehen. So kann jeder einen kleinen Beitrag leisten.“

In einem sind sich alle drei einig: Die öffentliche Hand sowie die Politik müssen sich aktiver dafür einsetzen, dass der Wirteberuf attraktiv bleibt und die Wirtshauskultur in der Region bestehen bleibt.

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