Grippeimpfung 2020: „Das Interesse ist höher“. Heuer macht die Grippeimpfung laut Ärzten und Apothekern besonders viel Sinn. Die Anfragen sind gestiegen, offen ist jedoch, ob ausreichend Impfstoff vorhanden sein wird.

Von Peter Führer. Erstellt am 23. September 2020 (05:36)
Dr. Jörg Mitterdorfer berichtet von einer erhöhten Nachfrage nach dem Grippeimpfstoff.
privat

Heuer dürften sich aufgrund der Coronaviruspandemie mehr Menschen für eine Grippeimpfung entscheiden. Laut Ärzten und Apothekern sollten sich insbesondere ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen, sprich Risikogruppen, für eine Impfung entscheiden.

Gabler: „Logistische Herausforderung“

„Heuer ist es ganz besonders wichtig, dass man sich vor jenen Krankheiten schützt, vor denen man sich schützen kann. Bei Covid19 haben wir nur die Hygienemaßnahmen, die Maske und den Abstand. Bei der Grippe hilft aber der Impfschutz“, betont der praktische Arzt Dr. Martin Gabler aus Euratsfeld.

Er spricht aber auch von einer logistischen Herausforderung, da der Impfstoff vermutlich nicht überall in vollem Ausmaß verfügbar sein wird. Die Verteilung sei noch ungeklärt. Gabler habe von seinem Großhändler die Information bekommen, dass eine erste Lieferung Ende September eintreffen sollte.

„Üblicherweise ist dann ab Mitte Oktober bis Ende November ein guter Zeitpunkt. Heuer wäre es aber womöglich wegen Covid19 sinnvoll, dass man früher impft, damit man den Schutz hat, bevor sich die Situation verschärft“, rät Gabler.

Jenen Menschen, die aufgrund der Pandemie Angst haben, in eine Arztpraxis zu gehen, empfiehlt der Mediziner, telefonisch Kontakt mit der Ordination aufzunehmen. „Es werden sich sicher Lösungen finden lassen, wie eine Impfung dennoch möglich ist.“ Er selbst habe bereits jetzt viele Anfragen erhalten. Die Anzahl der Vorreservierungen liegt bereits bei der Anzahl der Gesamtimpfungen des Vorjahres. „Das Interesse ist sicher höher“, bringt es Gabler auf den Punkt.

„Heuer ist es ganz besonders wichtig, dass man sich vor jenen Krankheiten schützt, vor denen man sich schützen kann.“Dr. Franz Gabler, Praktischer Arzt in Euratsfeld

Mit einer erhöhten Nachfrage rechnet man auch bei den Apotheken. „Dies dürfte einer gesteigerten Sensibilisierung für das Thema durch massive Kommunikation von Seiten der Medien und der Politik geschuldet sein“, ist Dr. Jörg Mitterdorfer von der Amstettner Stadtapotheke „Zum Guten Hirten“ überzeugt. Er empfiehlt allen Menschen, unabhängig von Alter und Konstitution, eine Impfung.

„Das Problem ist jedoch die österreichweite, niedrige Impfbereitschaft von unter 10 Prozent. Für den Bezirk wird sich diese Zahl ähnlich abbilden, wobei häufig wissenschaftlich nicht zu begründende Vorbehalte und Wahrnehmungen eine wesentliche Rolle spielen“, erläutert er. Mitterdorfer verweist zugleich darauf, dass auch den Mitarbeitern das Serum alljährlich aufkosten des Betriebes zur Verfügung gestellt wird. Er selbst lasse sich auch impfen.

Aufwendige Produktion und Verteilungsfragen

Doch warum droht eigentlich im heurigen Jahr ein Versorgungsengpass. Mitterdorfer klärt auf: „Die konventionelle Herstellung von Impfstoff ist äußerst aufwendig und muss entsprechend geplant werden. Dabei wird neben der Gesamtmenge an produziertem Impfstoff auch die Länderzuteilung aufgrund von Daten der vergangenen Saisonen kalkuliert. Bei einem sprunghaften Anstieg an Bedarf reicht die produzierte Gesamtmenge – und somit auch die zugeteilten Länderkontingente –

nicht aus.“ Eine Nachproduktion sei mit den gegenwärtigen Produktionsverfahren technisch unmöglich. Ob es zu Kürzungen der zugesagten Liefermengen kommt, könne man erst Anfang Oktober, dem geplanten Termin der Auslieferung, feststellen.

„Eines ist aber sicher: Selbst wenn die Impfstoffe in vollem Umfang des Kontingents zur Verfügung stehen, wird die Anzahl der Geimpften zu gering sein, um zur Abschirmung von nicht Geimpften auszureichen. Somit wird zur Eindämmung sowohl der Grippe als auch des Coronavirus die strikte Umsetzung der empfohlenen Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen weiterhin unverzichtbar bleiben“, unterstreicht Mitterdorfer.

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