Von Corona genesen: "Ich hab's Gott sei Dank geschafft". Mit Stand 31.3., 10 Uhr, gibt es im Bezirk Amstetten 178 Coronavirus-Infektionen plus 19 in Waidhofen an der Ybbs. In Haag gibt es insgesamt zwei Fälle, eine der beiden Personen ist leider gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer im Bezirk auf vier (zwei in Waidhofen an der Ybbs, eines in Amstetten, eines in Haag). Die gute Nachricht kommt aus Ardagger: Dort gab es keine neuen Infektionen. 35 Menschen sind insgesamt erkrankt, acht aber bereits wieder genesen. Und sie machen den Betroffenen Mut: Nachfolgend ein Interview mit einer Frau (im Interview F.), die wieder gesund ist.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 31. März 2020 (10:51)
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NÖN: Herzlichen Glückwunsch, dass Sie wieder gesund sind. Wie fühlt sich das für Sie an – körperlich und vor allem seelisch?

F: Danke. Ich bin wirklich froh und dankbar wieder gesund zu sein. Körperlich geht es mir gut, nur ab und zu bin ich noch etwas schlapp. Aber der Körper muss ja wieder das aufbauen, was er durch zwei Wochen Bettruhe verloren hat. Psychisch ist es eine ziemliche Erleichterung zu wissen: Ich hab´s Gott sei Dank geschafft. Es wird einem dadurch  bewusst, dass Gesundheit das Wichtigste ist und sie für kein Geld der Welt zu kaufen ist.

Waren Sie schon aus dem Haus? Und was würden Sie jetzt draußen am liebsten tun? 

Ich war schon bei unserem Kaufmann einkaufen. Das ist für mich schon ein Stück normaler Alltag und das beruhigt ein bisschen. Was ich am liebsten tun würde? Meine Familie besuchen, aber das geht leider noch nicht.

Gibt es jetzt auch noch Auflagen vonseiten der Behörde? Und wissen Sie, ob Sie jetzt gegen das Virus immun sind?

Nur die, trotzdem Abstand halten. Ob ich gegen das Virus immun bin, weiß ich leider nicht, aber ich hoffe es. Da gehen ja die Meinungen auseinander.

"Ich sehe dieses Virus auch als Zeichen für Veränderung - nicht alles so ernst zu nehmen und sich nicht immer über jede Kleinigkeit zu ärgern. Man hat nur dieses eine Leben."

Können Sie uns noch einmal einen Rückblick auf die letzten 14 Tage geben. Welche Stimmungslagen macht man da durch? Greift die Absonderung auch die Psyche an? Ab wann ging es für Sie bergauf? 

Man hört von dem Virus in den Medien und denkt sich, das ist alles noch weit weg. Und dann von einem Tag auf den anderen, ist alles anders. Da kommt dann die Angst, Angst ob man daran stirbt, Angst jemanden angesteckt zu haben, Angst um die Kinder. Man liest dann alles über das Virus, sieht nur noch das Negative und bekommt noch mehr Angst. Die ersten beiden Tage waren bestimmt von Fieber, Schüttelfrost und extremen Gliederschmerzen. Die nächsten Tage waren dann etwas leichter. Dann glaubt man, es überstanden zu haben, bis der nächste Fieberschub samt Schüttelfrost und Husten einen in die Knie zwingt.  Am 6. Tag hat sich dann der Geruchs. und Geschmackssinn  verabschiedet. Kein Appetit, kein Hunger, nicht einmal der Kaffee schmeckt in irgendeiner Weise. Hinzu kommt dieses unangenehme Gefühl in der Nase, als ob man eiskalte Luft einatmet. Es ist ein ständiges Auf und Ab.  Am 11. Tag dann endlich wieder etwas zu schmecken, war wie eine Erlösung. Von da an ging es aufwärts.

Was können, wollen Sie Menschen sagen, die gerade erst mit der Diagnose konfrontiert wurden?

Bitte macht auch nicht verrückt. Meidet alle negativen Berichte. Legt die Tageszeitungen weg und lest, sofern es möglich ist, ein gutes Buch. Lenkt euch ab und gebt nicht auf. Ich hab mir immer wieder gesagt, und das täglich ein paar Mal, ich schaffe das und ich werde wieder gesund. 

Gibt es etwas (vielleicht einen Spruch, vielleicht ein Gebet oder auch nur ein Bild, oder Gespräche mit anderen Menschen) das Ihnen durch diese letzten 14 Tage geholfen hat?

Beten half mir ungemein. Die Krankheit hat für mich eine Entschleunigung gebracht, von all dem Stress. Dafür bin ich auch dankbar. Man sieht viel klarer, wofür man eigentlich im Leben dankbar sein sollte. Ich sehe dieses Virus auch als Zeichen für Veränderung - nicht alles so ernst zu nehmen und sich nicht immer über jede Kleinigkeit zu ärgern. Man hat nur dieses eine Leben und man sollte das Beste daraus machen.