Wirtschaftsbundobfrau: „Ich rate zur Kurzarbeit“. Viele Betriebe in prekärer Lage. Maßnahmen des Staates helfen aber.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. April 2020 (04:34)
Gemma Mostviertel nennt sich eine Initiative, die Online-Auftritte von heimischen Betrieben stärken und regionale Unternehmen digital fit machen will. Auch Wirtschaftsbund- und Moststraßenobfrau Michael Hinterholzer appelliert: „Kauft in der Region!“
NÖN

„Die Krise ist für die Unternehmer vor allem auch in psychologischer Hinsicht furchtbar, weil sie Aufträge hätten, ihnen aber jetzt nicht nachkommen können“, sagt Wirtschaftsbundobfrau Michaela Hinterholzer. Zugleich hätten die Wirtschaftstreibenden auch finanzielle Verpflichtungen – natürlich ihren Mitarbeitern gegenüber, aber oftmals auch Kreditrückzahlungen für Investitionen. „Ich verstehe daher sehr gut, dass viele Unternehmer große Ängste haben. Andererseits muss man sagen, dass in kurzer Zeit bemerkenswerte Hilfsmaßnahmen aus dem Boden gestampft wurden, wie etwa das Kurzarbeitszeitmodell.“ Die VP-Politikerin rät den Firmen, dieses auch zu nutzen. Es mache nämlich auch für die Arbeitnehmer einen großen Unterschied, ob sie gekündigt oder in Kurzarbeit geschickt würden. „Denn so bleiben sie dem Unternehmen verbunden. Und wenn die Wirtschaft anspringt, dann werden wir auch wieder in eine Phase kommen, wo wir vor allem Fachkräfte dringend brauchen.“

Hinterholzer begrüßt, dass es inzwischen auch für das Baugewerbe klare Regeln gibt, die das Arbeiten auf Baustellen wieder ermöglichen – natürlich mit Schutzausrüstung und unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände. Ein Problem sei allerdings, dass es für verschiedene Gewerke in Österreich kaum mehr Anbieter gebe. Eisenbieger, Estrichverleger und Innenausbauer kämen fast ausschließlich aus Polen, Rumänien oder Ungarn. „Sie sind entweder unselbstständig oder als Subunternehmer tätig. Die meisten sind jetzt aber natürlich heimgefahren und können erst wiederkommen, wenn die Grenzen geöffnet werden“, erklärt Hinterholzer. Dasselbe Problem hätten im Übrigen auch viele Landwirte, mit ihren Erntehelfern.

Hinterholzer begrüßt natürlich die Hilfspakete, die der Staat für Unternehmer geschürt hat. Der Härtefallfonds im Ausmaß von zwei Milliarden Euro soll zum Beispiel Einzelpersonenunternehmen, die derzeit überhaupt kein Einkommen haben, über die nächsten drei Monate helfen. Sie bekommen den Verdienstausfall bis zu einer Höhe von maximal 6.000 Euro ersetzt. Hilfe beantragen können bei diesem Fonds aber auch Jungunternehmer, die heuer erst ihre Firma gegründet haben sowie Mehrfachversicherte.

„Hilfe suchen, bevor es wirklich eng wird“

Für größere Unternehmen übernimmt der Staat bei Liqiditätsproblemen Haftungen für Zwischenfinanzierungen in der Höhe von bis zu 100 Prozent und es soll einen Zuschuss für Unternehmen mit 40 Prozent Umsatzeinbruch geben. Voraussetzung dafür sind acht Prozent Eigenkapital und maximal 15 Jahre Schuldentilgungsdauer. „Eine dieser Kennzahlen muss man erreichen, sonst wird es schwierig. Klar ist auch, dass das Geld wieder zurückgezahlt werden muss“, sagt Hinterholzer. Froh ist sie auch über den Beschluss des Nationalrats, dass Verbraucherkreditverträge und Kredite an Kleinstunternehmen, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen wurden, von den Banken auf Antrag auf drei Monate gestundet werden müssen. „Das nimmt viel Druck, weil es die Liquidität der Betriebe sichert und es ist natürlich auch eine große Erleichterung für Private, die Einkommensausfälle haben“, erklärt die VP-Politikerin. Wichtig sei, sich Hilfe zu suchen, bevor es eng werde. Hinterholzer verweist da auf entsprechende Hotlines von Wirtschaftskammer und Ecoplus.

Besonders stark von der Krise betroffen ist der Tourismus und da auch viele Betriebe in der Region. „Man kann nur hoffen, dass im Sommer der Inlandstourismus wieder in Schwung kommt“, sagt Hinterholzer.

Die VP-Politikerin ist davon überzeugt, dass in der Krise letztlich auch aber eine Chance liegt – vor allem in Sachen Regionalität. „Denn den Menschen wird jetzt bewusst, wie wichtig die Nahversorgung im eigenen Ort ist und auch, dass es Produkte aus der Region in hoher Qualität gibt. „Die Betriebe bieten ja vielfach einen Lieferservice an. Man kann daher nur appellieren: Kauft in der Region und sichert ihr Überleben – aber nicht nur jetzt, sondern auch wenn die Krise vorbei ist.“