Eierfabrik: Kontrollbehörde seit Dezember in Kenntnis. Am zweiten Tag nach dem Bekanntwerden von Betrugsermittlungen gegen das eierverarbeitende Unternehmen Pro Ovo in Biberbach (Bezirk Amstetten) hat sich die zuständige Fachabteilung des Landes NÖ umfangreich zu der Causa geäußert. Festgehalten wurde am Freitag, dass vergangene Proben unauffällig waren. Kenntnis von dem Fall erlangte die Kontrollbehörde im Dezember des Vorjahres.

Von APA, Redaktion. Update am 21. Februar 2020 (17:15)
Medienberichte über "ekelerregende Zustände" bei Pro Ovo
APA (fotokerschi.at)

Amtliche Proben und Revisionen bei Pro Ovo hätten in den vergangen beiden Jahren keinen Zweifel an der Lebensmittelsicherheit aufkommen lassen, teilte die Abteilung für Veterinärangelegenheiten und Lebensmittelkontrolle des Landes NÖ am Freitag mit. Gemäß nationalem Kontrollplan seien Eiproduktehersteller einmal jährlich zu überprüfen. Diese Vorgabe sei "selbstverständlich eingehalten" und im konkreten Fall "sogar übererfüllt" worden, wurde in einer ergänzenden Stellungnahme betont.

Die Fachabteilung schrieb weiters, dass die Kontrollbehörde am 16. Dezember 2019 von den mutmaßlichen Missständen bei Pro Ovo erfahren habe. Danach sei seitens der Staatsanwaltschaft und Polizei angeordnet worden, Tätigkeiten zu unterlassen, um die Ermittlungen nicht zu behindern oder zu erschweren.

Ein endgültiges Ergebnis der am Donnerstag durchgeführten Betriebskontrolle lag am Freitag vorerst nicht vor. Dies sei der "natürlichen Dauer der Analyse von Produkten" geschuldet, teilte die Fachabteilung des Landes NÖ mit.

Sofortige Untersuchungen

Im Zusammenhang mit den Betrugsvorwürfen gegen das eierverarbeitende Mostviertler Unternehmen hatte die Lebensmittelaufsicht NÖ am Donnerstag in Abstimmung mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sofortige Untersuchungen angeordnet und durchgeführt. 

Die Ergebnisse werden "in den nächsten Tagen" erwartet. Danach sollen die entsprechenden Konsequenzen überlegt und auch gezogen werden. Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte, dass es seit Jahren eine hervorragende Kennzeichnung von im Handel zu beziehenden frischen Eiern aus Österreich gebe.

"Fehlende Kennzeichnung"

Das Problem sei jedoch die "fehlende Kennzeichnung von verarbeiteten Ei-Produkten". In diesem Bereich sei dringend mehr Transparenz bei der Kennzeichnung und damit mehr Kontrollmöglichkeit durch die Konsumenten erforderlich, wurde Anschober zitiert. Eine solche Kennzeichnung wurde am Donnerstagnachmittag auch seitens der österreichischen Geflügelwirtschaft eingefordert.

Keine Stellung von Pro Ovo

Seitens Pro Ovo wurde auch am Freitag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben. Auf der Unternehmenshomepage hieß es indes weiterhin: "Unsere Eier haben keine Geheimnisse - sie kommen aus ganz Europa, werden unter Berücksichtigung höchster Qualitätsstandards verarbeitet und perfekt für Sie vorbereitet."

Im Firmenbuch wird als alleiniger Gesellschafter der Pro Ovo Eiprodukte GmbH die Pro Ovo Beteiligung GmbH ausgewiesen. "Der berechnete wirtschaftliche Eigentümer kann nicht oder nur teilweise ermittelt werden", heißt es im Firmenbuch außerdem. Das Unternehmen stehe direkt oder indirekt im Eigentum "des ausländischen Unternehmens Interovo Egg Products B.V., Niederlande".

Kontrollen auch in Bayern

Die Causa rief am Freitag auch die Kontrollbehörden in Bayern auf den Plan. Die zuständige "Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen" (KBLV) habe inzwischen einen Betrieb in Oberbayern "unangekündigt" kontrolliert, sagte ein Sprecher der Behörde. Überprüft worden sei insbesondere der Eingang von pasteurisierter Ware aus Österreich. "Es konnten keine lebensmittelrechtlichen Auffälligkeiten festgestellt werden", war die Conclusio. Der bayerische Betrieb habe die noch vorhandene Ware aus Österreich aber vorsorglich gesperrt.

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