Historischer Fund im Gemeindearchiv. Archivarin entdeckte slowakische Chroniken aus den Zwischenkriegs- und Kriegsjahren im Biberbacher Gemeindearchiv.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 21. September 2019 (05:49)
Gemeinde
Der Bürgermeister von Spišská Belá Josef Kuna freute sich, die historischen Chroniken von Archivarin Heidi Ramskogler, Bürgermeister Fritz Hinterleitner und Vizebürgermeister Max Soxberger (von links) übernehmen zu können.

Im Zuge von Katalogisierungsarbeiten im Biberbacher Gemeindearchiv stieß Archivarin Heidi Ramskogler im April auf rund 15 Schulchroniken einer staatlichen Volksschule der Slowakei, die aus den Jahren 1929 bis 1939 sowie 1943/1944 stammten. Gepackt von Neugier stellte sie Recherchen zum Ursprung der Chroniken an und konnte schließlich Kontakt mit dem Bürgermeister von Spišská Belá, jener Stadt, aus der die alten Klassenbücher ursprünglich stammten, herstellen.

Vergangenen Donnerstag war es schließlich soweit: Eine kleine Abordnung rund um Bürgermeister Jozef Kuna machte sich auf die knapp 600 Kilometer lange Reise von Spišská Belá nach Biberbach, um ein Stück Geschichte der rund 7.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Nordosten der Slowakei zurückzuholen.

Bürgermeister Fritz Hinterleitner, Vizebürgermeister Maximilian Soxberger und Heidi Ramskogler hießen die Gäste in Biberbach willkommen und übergaben die rund 80 Jahre alten Schulchroniken. Bei einem Rundgang durch den Ort schilderte Bürgermeister Kuna die Hintergründe und erklärte, wie die Chroniken vermutlich nach Biberbach gekommen waren.

Die Stadt Spišská Belá wurde im 13. Jahrhundert von deutschen Kolonisten gegründet und bis zur Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 gab es in der staatlichen Volksschule Deutschunterricht. 1940 wurde erneut eine staatliche Bürgerschule mit Deutsch als Unterrichtssprache gegründet. Als die Sowjetarmee im Jänner 1945 immer näher heranrückte, wurde die Bevölkerung mit deutscher Nationalität evakuiert.

Zuflucht fanden die Flüchtlinge dabei auch in Biberbach und waren im damaligen Gasthaus Höller (heute Gasthaus Kappl) einquartiert. Vermutlich haben damals geflüchtete Lehrer oder Schüler die Chroniken mit nach Biberbach gebracht, wo sie dann zurückblieben.

Die Gäste sprachen übrigens auch eine Gegeneinladung nach Spišská Belá aus.