St. Peter: Befragung brachte Einigung auf Großgemeinde. Zeitzeuge Arthur Schneider erinnert sich an die Entstehung der Großgemeinde St. Peter/Au.

Von Leopold Kogler und Peter Führer. Erstellt am 21. April 2021 (05:21)
Arthur Schneider war beim ersten Schritt zur Großgemeinde 1967 als Akteur mit dabei.
Kogler, Kogler

„Es liegt zwar schon einige Jahre zurück, doch ich kann mich noch sehr gut an die Schwierigkeiten erinnern, die der Zusammenschluss von Markt und Dorf mit sich brachte“, erzählt Dr. Arthur Schneider, der 1946 nach St. Peter in der Au gekommen war, und in einer Kleinstwohnung neben der familieneigenen Molkerei, in der Nähe des Bahnhofs, aufwuchs.

Schon früh wurde ihm bewusst, dass es hier zwei eigene Gemeinden mit eigenem Bürgermeister und eigener Verwaltung gibt. Der Markt zählte etwas mehr als tausend Einwohner, das Dorf 950. „Ich lernte meine Mitschüler kennen, die sowohl aus dem Markt als auch aus dem Dorf kamen. Hier gibt es also den Markt, da stehen die Schule, die Kirche, das Schloss, Bürgerhäuser und Gasthäuser, und da gibt es ein Umland, bäuerliches Land mit Wiesen und Äckern und stolzen Bauernhöfen“, so seine Erinnerung an den Unterschied der Gemeinden.

Seine politische Laufbahn begann 1965, als er von seinem Vater Alois Schneider, der nicht mehr für die Gemeinderatswahl kandidierte, in den Gemeinderat des Dorfes berufen wurde und mit der Betreuung der Finanzen betraut wurde. Obwohl die Dorfgemeinde schuldenfrei dastand, konnten keine großen Sprünge gemacht werden.

„Mit der Unterstützung der Landesregierung konnte gerade ein Kilometer Schotterstraße staubfrei gemacht werden. So habe ich mich auf den Weg nach Wien gemacht, um bei Hofräten zu antichambrieren, was damals der Regelfall war, um in den Genuss einer Beihilfe zu kommen“, so Schneider. „Im Falle eines Zusammenschlusses von Markt und Dorf St. Peter würde das Land die Ertragsteile verdoppeln. Ein Hoffnungsschimmer. So ging es darum, die Gunst der Stunde zu nützen, zeigte doch die Marktgemeinde großes Interesse an einem Zusammenschluss. Doch so einfach war die Sache dann doch nicht“, resümiert Schneider.

Erst Pattstellung, dann zunächst Ablehnung

Folgender Beschluss wurde ausgearbeitet: Die zu erwartenden Mehreinnahmen werden ausschließlich im Dorf investiert, die Besetzung der Mandatare seitens der ÖVP sollen im Verhältnis 1:1 zwischen Markt und Dorf erfolgen. Mit diesem Angebot gingen Bürgermeister Schörghuber, Vizebürgermeister Kogler und Arthur Schneider als Parteiobmann in den Vorstand mit insgesamt 30 Mitgliedern.

Die Abstimmung lieferte eine Pattstellung. Drei Wochen später wurde wieder abgestimmt. Ergebnis 14 Befürwortungen, und 16 Neinstimmen. „Als glühender Befürworter der Gemeindevereinigung war dies ein Zeichen, meine Funktion in der Gemeinde zurückzulegen“, so Schneider, dem hier klar geworden war, dass noch immer ein tiefer Riss zwischen Markt und Dorf bestand. „Die Unterdrückung der bäuerlichen Bevölkerung durch Markt und Schloss war noch immer lebendig“.

Mit einer salomonischen Lösung wollte man den Rücktritt Schneiders verhindern. Man kam auf die Idee, die Gemeindebürger zu befragen, also eine „Volksabstimmung“ zu veranstalten. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent gab es eine Zustimmung für die Zusammenlegung von 62 Prozent. Also ein klares Votum.

„Mit 1. Jänner 1967 existiert nur mehr eine Gemeinde St. Peter in der Au. Der erste Schritt zur heutigen Großgemeinde war getan“, so Schneider, dem heute noch bei diesen Sätzen ein Leuchten in die Augen kommt. 1971 erfolgte die Gemeindefusion mit St. Michael, St. Johann/Engstetten und Kürnberg. Damals war Arthur Schneider nicht mehr im Gemeinderat.

„Peter/Au feiert ja heuer auch seine ‚Goldene Hochzeit‘. Aus Erzählungen weiß ich, dass es damals durchaus eine turbulente Zeit und die Zusammenlegung ein großes Thema war. Insbesondere die finanzielle Situation war aber schlussendlich ausschlaggebend, dass alle Beteiligten in der Zusammenlegung Vorteile erachtet haben“, betont St. Peters Bürgermeister Johannes Heuras.

Es gebe durchaus viele Geschichten und Erzählungen zu den unterschiedlichen Diskussionen und Abstimmungen. Diese würden, erklärt Heuras, belegen, dass es nicht von vornherein klar war, wie die zukünftige Großgemeinde geografisch aussehen wird. „Durch die Landesausstellung 2007 und auch durch das Schloss als gemeinsames gesellschaftliches Zentrum, über dessen Eingangstür schon ‚Einst Herrschaftssitz nun Haus für alle‘ steht, sind die Menschen und Ortschaften näher zusammengerückt“, ist der Ortschef überzeugt.

Er spreche 50 Jahre nach der Zusammenlegung immer wieder gerne von der Großgemeindefamilie St. Peter/Au. „Als Familienvater finde ich dieses Bild sehr passend, denn man hat natürlich alle seine Kinder gleich gerne und alle Kinder haben klarerweise ihre eigenen Wünsche, Begabungen und Vorstellungen von der eigenen Zukunft.“

Auf der anderen Seite bringen mehrere Ortsgemeinschaften, mehrere Musikvereine und mehrere Feuerwehren auch die eine oder andere Herausforderung mit sich. Es gäbe allerdings ein sehr gutes Miteinander. „Wir freuen uns schon darauf, wenn wir gemeinsam dieses Jubiläumsjahr nachfeiern dürfen. Wir haben viele die ganze Großgemeindefamilie übergreifende Aktivitäten und Veranstaltungen geplant“, unterstreicht Heuras.

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