Doka Amstetten: Ringen um einen Sozialplan. Firmenleitung kündigte Ende der Kurzarbeit und Streichung von 300 Jobs an. Einvernehmliche Lösung wird gesucht.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 23. September 2020 (06:12)
Die Doka Gmbh in Amstetten will aufgrund der Coronakrise 300 Arbeitsplätze abbauen.
Knapp

Für Aufregung sorgte am Mittwoch der Vorwoche der NÖN-Online-Bericht, dass die Umdasch Doka-Gmbh mit Ende September die Kurzarbeit beenden wird und plant, 300 Mitarbeiter freizusetzen:

Umgehend kam von Landespolitikern und Gewerkschaft die Forderung, einen Sozialplan auszuarbeiten. Angestellten-Betriebsratsvorsitzender Andreas Schauer begrüßt zwar Solidaritätsbekundungen der Arbeitnehmervertretung und auch Appelle der Politik an das Unternehmen, sich seiner sozialen Verantwortung bewusst zu sein, betont aber, dass der Betriebsrat ohnehin in ständigen Verhandlungen mit der Chef-Etage stehe.

„Uns wäre es natürlich lieber gewesen, wenn die Firmenleitung die Kurzarbeit nochmals verlängert hätte. Dafür haben wir auch in den letzten Wochen gekämpft. Aber nun ist die Entscheidung gefallen und daher ist der Personalabbau für uns Betriebsräte nicht zu verhindern“, hält er fest.

Das von Arbeiterbetriebsrat und Gewerkschaft beschworene Schreckgespenst, dass ausgerechnet vor Weihnachten viele Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten, will Schauer auf jeden Fall abwenden: „Wir wollen es über Behalte- und Kündigungsfristen schaffen, dass niemand zur Weihnachtszeit ohne Dienstverhältnis und somit ohne Einkommen dasteht“, betont er.

Ungewissheit soll nicht zu lange dauern

Dem Angestellten-Betriebsrats-vorsitzenden ist klar, dass der angekündigte Personalabbau die Mitarbeiter stark verunsichert und er will sie daher nicht lange im Ungewissen lassen. „Unternehmensleitung, Führungskräfte und wir sind uns dieser Situation vollkommen bewusst und wir werden zeitnahe Information an die Betroffenen und auch die nicht Betroffenen geben“, verspricht Schauer.

Arbeiterbetriebsratsvorsitzender Josef Steinböck.
privat

Der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrats, Josef Steinböck, hofft, dass man schon Anfang Oktober weiß, wer gekündigt werden soll. „Denn wir brauchen ja auch noch Zeit, um reagieren und mögliche Härtefälle abwenden zu können.“

Auch Steinböck bedauert die Entscheidung der Firmenleitung zum Personalabbau. „Denn die Kurzarbeit wäre die Chance gewesen, Arbeitsplätze zu erhalten. Jetzt setzen wir aber alles daran, einen vernünftigen Sozialplan auszuhandeln, und da gibt es von der Firmenleitung auch positive Signale.“

Es sei wichtig, den von der Kündigung Betroffenen in den ersten Monaten danach finanziell unter die Arme zu greifen, fordert der Arbeiter-Betriebsratsvorsitzende. „Zudem möchten wir eine Arbeitsstiftung einrichten, damit sich Leute auch umschulen lassen können. Wichtig ist bei allen Maßnahmen, die getroffen werden, dass wir mit den Kündigungen über den Weihnachtszeitraum hinauskommen.“

Angestelltenbetriebsratsvorsitzender Andreas Schauer.
privat

Auch Schauer ist es natürlich ein großes Anliegen, „den Jobverlust für die Betroffenen abzufedern. Dienstzugehörigkeit, Lebensalter und Familiensituation, also ob jemand zum Beispiel Kinder zu versorgen hat, sind für uns daher Fixpunkte im Sozialplan“, sagt er.

Kündigungen kann das Unternehmen ohnehin erst Ende Oktober aussprechen, denn dann endet die Behaltefrist nach dem Auslaufen der Kurzarbeit.

Das Management der Umdasch-Doka will sich inhaltlich noch nicht zu einem möglichen Sozialplan äußern. Man habe aber in der Vergangenheit stets gemeinsam Vereinbarungen im Sinne der Mitarbeiter gefunden. Davon sei auch aktuell auszugehen.

„Wir werden ausgleichende Lösungen finden. Wir sind ein erwiesen soziales Unternehmen“, betont Doka-CEO Harald Ziebula. „Ein Einvernehmen ist unser gemeinsames Interesse. Dazu braucht es auch keine Aufforderung von außen.“