Bezirk Amstetten: Wachstum für Aktion „20.000“. Amstetten vereinigte sich 1972 mit drei Gemeinden, auch Oed-Öhling feiert das 50. Jubiläum.

Von Peter Führer. Erstellt am 21. April 2021 (05:34)
1972 trat die Zusammenlegung Amstettens mit Umlandgemeinden in Kraft. Im Jahr 1976 gab es ein Treffen mit einer Ehrung für die Altbürgermeister. Mit dabei: Stadtrat Leo Maderthaner, Altbürgermeister Alois Deibler (Mauer 1952-1970), Altbürgermeister Sepp Schmid (Amstetten 1955-1965), Bürgermeister Johann Pölz (Amstetten), Altbürgermeister Johann Eblinger (Preinsbach 1945-1970) und Altbürgermeister Gerhard Smekal (Ulmerfeld-Hausmening 1955-1965) und Stadtamtsdirektor Franz Achleitner
Stadtarchiv Amstetten, Stadtarchiv Amstetten

Vor rund 50 Jahren fand die bislang letzte große Gemeindezusammenlegungswelle statt. Im Bezirk kam es innerhalb kurzer Zeit zu mehreren Zusammenlegungen (siehe ganz unten).

Zusammengelegt wurden mit 1. Jänner 1972 etwa die Gemeinden Amstetten, Ulmerfeld-Hausmening, Preinsbach und Mauer. „In Amstetten hatten Gebietserweiterungen und Gemeindezusammenlegungen bereits vor 1972 Tradition. Insbesondere auf Kosten Preinsbachs hatte sich das Gemeindegebiet immer wieder vergrößert: 1883 war das Gebiet um den Bahnhof nach Amstetten eingemeindet worden. Bis dahin war der Amstettner Bahnhof auf dem Gemeindegebiet von Preinsbach gestanden“, erklärt Stadtarchivar Thomas Buchner.

Die Zusammenlegung sorgte vor 50 Jahren auch für witzige Aktionen, wie diese überklebte Ortstafel von Ulmerfeld-Hausmening in Anspielung auf Amstettens Ortschef Johann Pölz zeigt.
NOEN

Die Zusammenlegungen stießen nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. In Amstetten gab es Skepsis, während man in den eingemeindeten Gebieten hoffte, von der besseren Infrastruktur zu profitieren. Die Initiative zur Gemeindezusammenlegung 1972 ging aber von Amstetten aus. „Erklärtes Ziel von Bürgermeisters Johann Pölz war es, dass die neue Großgemeinde eine Einwohnerzahl von 20.000 erreichte, was deutlich höhere Bundeszuwendungen bedeutete“, erklärt Buchner.

Der Plan wäre übrigens gewesen, auch Winklarn mit einzubeziehen. Diese Pläne zerschlugen sich jedoch am dortigen Widerstand. Auf der anderen Seite gab es in Preinsbach zuvor Diskussionen über einen Zusammenschluss mit Viehdorf, doch finanzielle Überlegungen und eine vorangegangene Volksbefragung, die 87 Prozent Zustimmung pro Amstetten brachte, gaben den Ausschlag für die Bezirkshauptstadt.

„Den größten Widerstand gegen eine Zusammenlegung gab es in Ulmerfeld-Hausmening. Diese Gemeinde war erst 1965 durch Zusammenlegung von Ulmerfeld und Hausmening entstanden. Für eine Zusammenlegung sahen breite Teile der Bevölkerung daher keine Notwendigkeit“, sagt Buchner. Es bildete sich sogar ein „Komitee zur Erhaltung der Selbständigkeit von Ulmerfeld-Hausmening“. Außerdem wandte man sich mit Flugblättern und einer Unterschriftenaktion, die 800 Unterschriften brachte, gegen die Vereinigung. „Die ÖVP forderte eine Volksbefragung mit dem Argument: ‚Das Selbstbestimmungsrecht der Völker kann man einer Gemeindebevölkerung nicht vorenthalten!‘. Bei einer Versammlung im voll besetzten Arbeiterheim Hausmening im Mai 1971, bei der der Amstettner Bürgermeister Pölz für die Zusammenlegung warb, wurde er von einem Diskutanten als ‚Reichsstatthalter von Amstetten‘ beschimpft“, berichtet Buchner. Letztlich setzte die SPÖ-Gemeinderatsmehrheit in Ulmerfeld-Hausmening die Vereinigung durch.

In Mauer deutete vieles zunächst auf eine Vereinigung mit Öhling hin. Dafür sprachen die gemeinsamen Kirchen-, Schul- und Gendarmeriesprengel. Die Pläne zur Vereinigung ließen die Wogen hochgehen. „Die ÖVP war zunächst strikt dagegen und beantragte eine Volksbefragung, die aber von der SPÖ-Mehrheit abgelehnt wurde. Letztlich beschloss auch Mauer 1971 die Zusammenlegung mit Amstetten“, erklärt Buchner.

„Verschmelzung hat es nicht gegeben“

Schließlich vereinigte sich Öhling 1972 mit Oed, wobei eine gewisse Eigenständigkeit auch 50 Jahre später nicht verschwunden ist. „Eine endgültige Verschmelzung hat es bei so starken Ortsteilen nicht gegeben. Oed blickt als alter Markt auf eine 700-jährige Tradition zurück. Öhling wird vielfach, etwa bei Vereinen, als Einheit „Mauer-Öhling“ gelebt. Gegen die Eingliederung nach Amstetten haben sich die Öhlinger damals übrigens justament gewehrt“, berichtet Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer. Spannend am Rande: Für Oed war auch eine Vereinigung mit Zeillern im Gespräch, das lehnte allerdings damals der Zeillerner Gemeinderat ab. Die Variante mit Öhling wählte man dann deshalb, da sich das Gebiet der Pfarre überschnitt. Weiteres spannendes Detail: Um die Verbindung auch infrastrukturell zu unterstützen, wurde damals übrigens extra die Landesstraße neu gebaut.

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