"Jetzt habe ich dich besiegt". Die NÖN lässt Menschen zu Wort kommen, die am Coronavirus erkrankt waren, aber inzwischen wieder gesund sind. Ihre Berichte sollen vor allem jenen Personen Kraft geben, die gerade an der Infektion leiden. Eine Dame aus Ardagger (im Interview als D. bezeichnet) erzählt, über Vermittlung von Bürgermeister Hannes Pressl, von ihren Erfahrungen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 31. März 2020 (11:36)
Symbolbild
Andrew Angelov/shutterstock.com

NÖN: Wie fühlt es sich für Sie an wieder gesund zu sein – körperlich und vor allem seelisch? 

D: Es fühlt sich sehr befreiend an. Endlich ist die Zeit des Zitterns und Bangens vorbei. Körperlich bin ich fast wieder fit, aber seelisch habe ich noch einiges zum Aufarbeiten. Dieses ständige Auf und Ab und die Ungewissheit hat einige Spuren hinterlassen.

Darf man da auch ein wenig feiern – zumindest mit einem Glaser Wein? Oder wie haben Sie die „Befreiung“ erlebt?

D: Es war so ein gutes Gefühl, als ich die E-mail gelesen habe: „Sie sind gesund!“. Mein erster Gedanke war: „So jetzt habe ich Dich besiegt!“ Meine Familie freute sich auch sehr und unsere Kinder machten gleich einen Spaziergang, denn sie waren mit mir in Quarantäne obwohl sie keine Anzeichen der Krankheit hatten. Mein Mann und ich vergönnten uns ein Glaserl Wein. Erstens auf unsere Gesundheit und zweitens: Wir hatten unseren Hochzeitstag.

Waren Sie schon aus dem Haus? 

D: Der erste Weg war hinaus ins Freie, die Sonnenstrahlen genießen und ein paar ganz intensive, kräftige Atemzüge an der frischen Luft. Man fühlt sich ganz anders und viel selbstsicherer als während der Krankheit.

Gibt es jetzt auch noch Auflagen vonseiten der Behörde? Und wissen Sie, ob Sie jetzt gegen das Virus immun sind?

D: Von der Behörde habe ich das Schreiben, dass ich wieder gesund bin. Was man aus den Medien hört, so glaube ich, bin ich jetzt immun gegen das Virus.

Können Sie uns noch einmal einen Rückblick auf die letzten 14 Tage geben.

D: Sie waren ein ständiges Auf und Ab. Da ich während meiner Erkrankung oft in den Fernseher schaute, hörte ich immer wieder, dass  Leute mit einer Vorerkrankung besonders gefährdet sind. Ich hatte eine Vorerkrankung und obwohl mein Krankheitsverlauf leicht war, hatte ich daher ständig Angst. Jeden Tag sagte ich vor dem Schlafen gehen: „Bitte wenn ihr mich hört da oben, lasst mich bald wieder ganz gesund werden und beschützt meine Familie.“ Und jeden Tag in der Früh: „Danke, dass es mir so einigermaßen gut geht." Auf meine Kinder bin ich auch sehr stolz, weil sie sich in Quarantäne so gut verhalten haben, was für sie nicht so leicht war. Sie machten oft Videoanrufe - zeitgleich mit einigen Freunden -  oder sie spielten Stadt und Land.

Welche Stimmungslagen macht man durch? Greift die Absonderung auch die Psyche an? Ab wann ging es für Sie bergauf?

D: Die Absonderung greift ein wenig die Psyche an. Man wird ängstlicher, oder wenn man  aus dem Fenster schaut und es geht jemand vorbei und sieht dich an, schaut man sofort weg, man benimmt sich einfach ganz anders. Ab dem 10. Tag wurden die Kopf- und Gliederschmerzen weniger, da wusste ich – es geht bergauf. Da setzte ich mich auf den Balkon und genoss auch schon mal kurze Zeit die Sonnenstrahlen. Ich atmete ganz bewusst ein und aus. Bei dieser Krankheit tut man sich gerade damit ganz schwer, man fängt nämlich immer zu husten an. Das war ein Glücksgefühl, als es ohne husten ging. Ich schaute in den Himmel und sagte einfach immer: "Danke!"

Was können, was wollen Sie Menschen sagen, die gerade erst mit der Diagnose konfrontiert wurden?

D: Bitte haltet Abstand zu anderen Familienmitgliedern, auch wenn es  schwer ist. Immer wieder Händewaschen, viel Tee mit Zitrone und Ingwer trinken und viel Ruhe. Bitte schaut nicht zu viel in den Fernseher, denn da hat man dann sehr viele negative Gedanken dabei. Hört Musik und lest ein Buch, da kommt man auf ganz andere Gedanken, das tut der Seele gut.

Was hat Ihnen Kraft gegeben in diesen 14 Tagen?

D: Mich haben sehr viele Freunde  angerufen. Einerseits war ich ein bisschen erschöpft, andrerseits war ich glücklich, so viele wahre Freunde zu haben, die auch da sind, wenn es dir einmal nicht so gut geht. Jeden Tag bat ich abends meine Schutzengel um Heilung und dass er meine Familie und mich beschützt.

Würden Sie auch für sich oder für die Gesellschaft aus der Coronakrise Veränderungen ableiten?

D: Auch wenn die Krise sehr sehr ernst ist, gibt es doch einige positive Seiten: Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ist einfach wunderbar. Man sieht aber auch, dass an erster Stelle die Gesundheit steht und nicht  Arbeit, Geld oder der viele Stress, den wir uns oft selber machen.