Maria Kogler im Interview: „Ort mit Leben füllen“. Am 14. Jänner wurde Maria Kogler (62) zu Neuhofens Bürgermeisterin gewählt. Im NÖN-Gespräch blickt sie auf ihre ersten 100 Tage als Ortschefin zurück.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. April 2019 (04:40)
Heribert Hudler
Bürgermeisterin Maria Kogler unterstreicht die große Bedeutung der Bautätigkeiten in Neuhofen

NÖN: Wie sind die ersten 100 Tage verlaufen?

Maria Kogler: „Die Zeit ist rasend schnell vergangen. Es hat sehr viele Arbeitsaufträge gegeben, die zu erledigen waren – mehr als ich erwartet habe, etwa die Position der Chefin eines Non-Profitunternehmens mit derzeit 38 Mitarbeitern. Bei einem Seminar für gesundes Führen wurde berichtet, dass ein Drittel der Arbeitszeit des Bürgermeisters aus Mitarbeitergesprächen besteht. Daran möchte ich noch arbeiten. Ich bekomme sehr viel positives Feedback und wurde gut aufgenommen. Auch von der Bevölkerung.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien?

Kogler: „Das Miteinander ist mir persönlich besonders wichtig. Ich wurde auch von den anderen Fraktionen sehr positiv aufgenommen. Ich denke, es geht nur gemeinsam und jeder, der sich im Gemeinderat engagiert, will Positives bewegen und hat eigentlich die gleichen Ziele. Parteipolitik ist in der Lokalpolitik nicht entscheidend. Das war auch der Grund, warum ich den Ortsparteiobmann nicht übernommen habe.“

Welche Projekte standen bis jetzt im Mittelpunkt?

Kogler: „Momentan dreht sich alles um die umfangreichen Bautätigkeiten. Etwa beim Kindergarten, dem Haus Ostarrichi oder im Wohnbau in Haagberg, Johannesstraße oder Glockengasse. Da gibt und gab es sehr viel zu tun.“

Woran arbeitet man derzeit am Kindergarten?

Kogler: „Derzeit sind wir unter anderem mit dem Auswählen der Möblierung und der Farbgestaltung der Außenfassade beschäftigt. Der Bau liegt exakt im Zeitplan, im Sommer werden der Kindergarten und die Tagesbetreuungseinrichtung fertig eingeräumt. Anfang September startet der Betrieb zeitgerecht mit acht Kindergartengruppen und einer TBE-Gruppe.“

Eine Großbaustelle mitten im Ort ist das Haus Ostarrichi. Dort entstehen ja auch Wohnungen für Betreubares Wohnen. In welchem Stadium befindet sich dieses Projekt?

Kogler: „Das Haus Ostarrichi beschäftigt uns natürlich intensiv. Wir sind weiterhin auf der Suche nach einem Cafébetreiber und Fachärzten – zum Beispiel Zahnarzt oder andere Fachbereiche. Immer beliebter werden Gruppenpraxen – und so eine gemeinsam genutzte Praxis von jemanden aus dem medizinischen Bereich, z B Facharzt, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder Masseur würde ideal zum Betreubaren Wohnen in dieses Haus passen. Das Ziel des Hauses Ostarrichi, welches direkt im Zentrum liegt, ist eindeutig, den Ortskern mit Leben zu füllen. Ende Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Es gibt aber bereits jetzt die Möglichkeit, sich über Einzugsmöglichkeiten bei der Gemeinde oder direkt bei der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Waldviertel – WAV – zu informieren.“

Welche Bautätigkeiten stehen noch auf dem Programm?

Kogler: „Am Haagberg sind die Reihenhäuser fertiggestellt und Wohnhäuser sind in Bau. In dieser Woche soll die Straße asphaltiert werden. Auch im Schulring steht die Asphaltierung nach der Kanal- und Wasserleitungssanierung unmittelbar bevor. Für die Straßengestaltung beim Haus Ostarrichi ist die Planung abgeschlossen. Dort sind auf der Seite des Hauses Ostarrichi eine Begrünung und Bäume vorgesehen. Weiters ist der Bau von 16 Reihenhäusern auf den ehemaligen Schmidgründen gegenüber der Schule und von 12 Reihenhäusern in der Johannes- straße geplant. Dort sind derzeit auch mehrere Einfamilienhäuser in Bau.“

Bei all diesen Bautätigkeiten: Wie ist die Infrastruktur auf den Zuzug vorbereitet und warum braucht es so viel Zuzug?

Kogler: „Wenn junge Familien zuziehen, dann lebt der Ort weiter. Durch die hohe Bautätigkeit erwarten wir in den nächsten zwei Jahren einen Zuzug von 100 Personen. Die In-frastruktur ist auf diesen Zuzug vorbereitet. Daher haben wir ja auch den Kindergarten-Neubau in Angriff genommen. Durch den momentanen Schwerpunkt im großvolumigen Wohnbau schaffen wir es auch, weniger Grünland zu verbauen und den Ortskern zu stärken.“

Was macht Neuhofen für Zuzügler reizvoll?

Kogler: „Neuhofen ist eine lebenswerte Gemeinde mit vielen Angeboten im Freizeitbereich. Etwa durch das Freibad, das florierende Vereinsleben oder die vielen Bewegungsangebote, die ich als Leiterin der Gesunden Gemeinde mit meinen Mitarbeitern mitaufbauen konnte. Eine Besonderheit ist auch der Besuchsdienst. Hier besuchen 25 freiwillige Helfer insgesamt 40 Personen. Nicht zu vergessen unser umfangreiches und auch für Kinder interessantes Kulturangebot und der gute Ruf der Schule. Mit 26. April wird ja die neue Ausstellung im Museum eröffnet. Für Neuhofen spricht außerdem die ruhige Lage. Das alles zieht viele Menschen an“

Welche Herausforderungen warten in den nächsten Jahren auf Neuhofen?

Kogler: „Eine große Herausforderung wird der soziale Bereich sein. Wir müssen alles daran setzen, alle ins Boot zu holen und zu verhindern, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Ein weiteres Thema ist Glasfaser, bei Straßensanierungen wird eine Leerverrohrung gleich hinzugefügt. Auch der Klimaschutz beschäftigt uns massiv. Hier ist die Frage, was man als kleine Gemeinde für den Klimaschutz tun kann. Wir haben etwa an fast allen öffentlichen Gebäuden eine Photovoltaik-Anlage angebracht und auch mit dem „EMIL“-Carsharing eine Maßnahme für die Umwelt gesetzt.“