Aufregung im Landesklinikum Mauer. Groß ist die Empörung beim Betriebsrat des Landesklinikums Mauer. Gestern Vormittag erfuhr man per Videokonferenz, dass die Neurologie ins Landesklinikum Amstetten und ins Landesklinikum Melk übersiedeln soll und das schon 2022 oder noch früher. In Melk spricht man nämlich sogar vom Frühjahr 2021. Im Landesklinikum Mauer sind von diesen Plänen 159 Beschäftigte betroffen, die die Nachricht gestern wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf.

Von Hermann Knapp. Update am 07. Juli 2020 (13:20)
Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schoder vor der Neurologie I. Die Abteilungen sollen nach Amstetten und Melk verlegt werden. Die betroffenen Mitarbeiter des Landesklinikums traf diese Nachricht gestern wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Hermann Knapp

"Im Leitbild der Landesgesundheitsagentur steht, dass der Mensch im Mittelpunkt ist. Wenn ich mir anschaue, wie da intern kommuniziert wird, dann hat die Führung das Leitbild wohl nicht gelesen", macht Betriebsrat Gerhard Litschl seinem Ärger Luft. Und auch Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schoder ist fassungslos über die Vorgangsweise: "Weder die kollegiale Führung des Landesklinikums noch wir Betriebsräte hatten bis gestern irgendwelche Informationen über die geplanten Änderungen. Wir werden da vor vollendete Tatsachen gestellt und die betroffenen Mitarbeiter werden massiv verunsichert."

Die Neurologie Kategorie C, ist die Abteilung zur Rehabilitation von Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Sie soll nach Melk übersiedeln. In der Neurologie Kategorie A , wird die Frührehabilitation von Patienten nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma mit einem umfassenden phsyiotherapeutischen, ergotherapeutischen, logopädischen und neuropsycholgischem Trainingsprogramm durchgeführt. Aber auch Schmerztherapie für Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen, Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, chronischen Kopfschmerzen etc. wird angeboten. Das alles soll nach Amstetten wandern.
Insgesamt umfasst die Neurologie in Mauer derzeit knapp 90 Betten.

"Wir haben hier in Mauer die Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gut und groß aufgebaut. Sie braucht räumlich auch viel Platz. Es stellt sich die Frage, ob das andere Kliniken in diesem Umfang bieten können, oder ob es auch zu einer Qualitätseinbuße in der Patientenbehandlung kommt", sagt Litschl. Und auch Betriebsrat David Kalteis meldet Zweifel an, "ob man eine gewachsene Struktur ohne Qualitätsverlust von A nach B beamten kann." 

Die Betriebsräte verweisen auf die vielen Auszeichnungen, die die Neurologie in Mauer, auch nach europaweiten Standards, schon bekommen hat. "Das Hauptaugenmerk sollte doch auf dem Patienten liegen und wenn man diesem Anspruch gerecht werden will, dann ist es schwer nachvollziehbar, wie das in kleinerem Rahmen in den anderen Kliniken gelingen soll. Da sind im Endeffekt tausende Niederösterreicher betroffen, die hier erfolgreich an ihrer Gesundung gearbeitet haben."

Beteuerungen vonseiten der Gesundheitsagentur, dass kein Mitarbeiter um seinen Job bangen muss, klingen für die Betriebsräte schal. "Die Vorgehensweise ist ganz schlimm. Da werden Leute entmutigt und verunsichert. Denn  von den 159 Betroffenen haben 21 ein befristetes Dienstverhältnis. Wenn dieses nicht verlängert wird, ist es natürlich keine Kündigung, aber das macht für die Betroffenen keinen Unterschied. Außerdem haben wir viele junge Frauen und auch Teilzeitbeschäftigte, die nicht einfach nach Melk pendeln können", sagt Schoder.

Er betont, dass der Betriebsrat und die Beschäftigten sich nicht partout gegen Strukturmaßnahmen stemmten. "Es hat in Mauer immer Wandel gegeben und wenn man sinnvolle Maßnahmen trifft und Synergien schöpfen kann haben wir das auch mitgetragen. Aber was uns da gestern präsentiert wurde, damit werden leichtfertig Gesundheitsstandards aufs Spiel gesetzt."

Die geplante Schaffung eines Bildungscampus für Gesundheits- und Pflegeberufe am Standort Mauer (230 Schüler sollen dort schon ab 2022 unterrichtet werden) mit einer Investition von 16,8 Millionen Euro, ist für die Betriebsräte kein Ausgleich zur Absiedlung der Neurologie. "Denn davon haben ja die betroffenen Mitarbeiter nichts", sagt Schoder.

Für Dienstag ist nun ein Gespräch mit der Landesgesundheitsagentur anberaumt, für Mittwoch hat der Betriebsrat eine Betriebsversammlung im Landesklinikum angekündigt.