Landtagsabgeordnete Hinterholzer: „Stehe voll im Leben“. Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer (VP ) über den 60er, ihre Zukunftspläne und aktuelle Herausforderungen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 08. Juni 2019 (04:30)
Knapp

NÖN: Ist der 60. Geburtstag für Sie ein Einschnitt in Ihrem Leben?

Hinterholzer: Ich bin mir dessen bewusst, dass ich die Lebensmitte längst überschritten habe, aber ich bin Gott sei dank gesund, stehe voll im Leben und habe noch viel vor. Die Erfahrung macht manche Dinge auch leichter, man wird gelassener und muss nicht mehr alles im Sturm erobern.

Wird diese Landtagsperiode Ihre letzte sein?

Hinterholzer: Ich bin bis 2023 gewählt und es gibt noch Ziele, die ich erreichen möchte. Eine Landesausstellung in der Region im Jahr 2026 wäre natürlich ein Höhepunkt. Ich lege mich daher noch nicht fest.

Bei der Gemeinderatswahl 2020 werden Sie sich auch der Wiederwahl stellen?

Hinterholzer: Ja, denn es gibt in der Gemeinde noch Projekte, die ich umsetzen möchte. Wir haben ja schon viel verwirklicht, das wir nun ausfinanzieren müssen, aber mit der Eröffnung des Betriebs der Firma Meiller wird sich unser Kommunalsteueraufkommen auch wesentlich erhöhen. In Oed haben wir noch ein 2,5 Hektar großes Betriebsareal beim Lagerhaus, das ich verwerten möchte. Natürlich werden wir auch die Siedlungstätigkeit fortsetzen. In Öhling hat beim Obstgarten die Aufschließung des zweiten Teils schon begonnen und in Oed haben wir noch Parzellen am Ortsrand gekauft.

Sie sind ja auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der „ecoplus“. Wie beurteilen Sie derzeit die wirtschaftliche Lage?

Hinterholzer: Prognostiziert wird ja eine Abschwächung, in der Baubranche spürt man das aber nicht. Fachkräfte sind im Bezirk überall Mangelware. Da müssen wir uns bei der Ausbildung etwas einfallen lassen, wir brauchen mehr Techniker. Es gibt ja Fachhochschullehrgänge, die praxisnah in der Region entwickelt wurden, nur ist das noch zu wenig bekannt. Man kann über die Zukunftsakademie sogar den Master machen.

Im Rahmen der „ecoplus“ laufen wichtige Projekte wie etwa die Digitalisierungsstrategie des Landes, die wir mit der nöGiG abwickeln. Wir müssen den Breitbandausbau vorantreiben und den Firmen helfen, die Veränderung der Wirtschaft zu bewältigen.

Teilen Sie die Befürchtungen, dass die Digitalisierung viele Arbeitsplätze kosten wird?

Hinterholzer: Sie wird Jobs wegrationalisieren, wir werden aber sicher auch mehr Techniker brauchen. Allerdings kann man nicht aus jedem Hilfsarbeiter einen IT-Spezialisten machen. Es muss auch Beschäftigungen für jene geben, die dafür die Voraussetzungen nicht mitbringen.

Als Präsidentin des NÖ Hilfswerks haben Sie Einblick in den Pflegesektor. Wie ist die Personalsituation?

Hinterholzer: Wir haben allein im Hilfswerk 200 Plätze, die wir sofort besetzen könnten. Vor allem fehlt uns diplomiertes Personal. Wir bekommen im Landesklinikum Mauer ja den neuen Bildungscampus, den brauchen wir auch ganz dringend. Zudem werden wir verstärkt Leute mittleren Alters umschulen müssen. In Niederösterreich läuft ja schon das Programm AQUA mit 400 Plätzen. Wir werden aber auch berufsbildende höhere Schulen so umgestalten müssen, dass man schon dort mit einer Pflegeausbildung beginnen kann. Denn ohne Pflegepersonal gibt es keine Hauskrankenpflege und es nutzen uns auch die schönsten Heime nichts, wenn niemand darin arbeitet.

Wie ist derzeit die Situation in den Heimen im Bezirk?

Hinterholzer: Die Aufhebung des Pflegeregresses ist endgültig angekommen. Die Heime sind voll und es gibt Wartelisten. Bei intensivem Bedarf bekommt man zwar einen Platz, aber oft nicht in unmittelbarer Nähe. Das Land hat inzwischen ja den Altersalmanach fertiggestellt, aufgrund dessen auch das Ausbauprogramm der Pflegeheime entwickelt wird. Im Bezirk kann sicher das Heim in Haag noch erweitert werden.

Noch zum Thema Tourismus, der ja auch in Ihre Agenda als Moststraßenobfrau fällt. Wie ist da die Situation?

Hinterholzer: Da es der Wirtschaft gut geht, haben wir auch viel Geschäftstourismus und tolle Nächtigungszahlen. Hinzu kommt ein florierender Ausflugstourismus. Ein wichtiges Projekt wird der Lückenschluss beim Ybbstalradweg zwischen Ybbs und Waidhofen sein. In Neumarkt verläuft er ja noch neben der Bahn, in Kematen haben wir eine Lücke und auch in Amstetten müssen wir da noch optimieren.

Es steht eine neue Leader-Periode an. Wie sind die Aussichten der Region auf Projektförderungen?

Hinterholzer: Das wird davon abhängen, wie viel Geld aus der Schiene ländliche Entwicklung in die Landwirtschaft fließt und was für das Leader-Programm übrig bleibt. Auf jeden Fall muss die Bürokratie eingeschränkt werden, denn der Aufwand, um sich die Mittel zu holen, ist viel zu hoch. Die Bundesstellen sagen, das seien Vorgaben aus Brüssel, dort heißt es, das ist hausgemacht. Ändern muss es sich auf alle Fälle.

Kommen wir noch zur aktuellen Politik. Werden wir jetzt bis September Wahlkampf pur erleben?

Hinterholzer: Drei Monate Wahlkampf hält niemand aus. Ich hoffe, dass eine Abkühlphase kommt. Das Ibiza-Video war widerlich. Es wirft ein Licht auf Politiker, vor dem mir graust. Das schadet der Politik insgesamt. Ich denke aber schon, dass die Leute vorher auch gemerkt haben, dass die Regierung etwas weitergebracht hat. Ich halte nichts davon, jetzt schon über Koalitionen nachzudenken. Jetzt ist erst einmal der Wähler am Wort.