Schloss wird wachgeküsst. Infoveranstaltung / Landschaftsplaner Benesch präsentierte Leitbild: Um das Schloss soll ein Hain entstehen. Durch neue Vorplatzgestaltung soll es mit dem Ort verbunden werden.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 16. April 2014 (00:00)
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ULMERFELD / „Wie ein verwunschenes Märchenschloss hinter den sieben Bergen“, präsentiert sich laut dem Melker Landschaftsplaner Alfred Benesch derzeit das Schloss Ulmerfeld dem Betrachter. Grund dafür: Der Wald, der es umgebe, verberge den Blick auf das Schloss beinahe völlig, was schade sei.

Das war nicht immer so. „Der Wald ist erst ab 1950 entstanden. In den Jahrhunderten zuvor war das Schloss immer von Obst- und Gemüsegärten umgeben. Aufkeimender Bewuchs wurde beseitigt. Nach dem Krieg war das dann offenbar zu aufwändig“, vermutet Benesch. Das Schloss selbst war damals schon in einem maroden Zustand und wäre wohl dem Verfall preisgegeben gewesen, hätte die Stadt es nicht in den 90er-Jahren erworben und um 100 Millionen Schilling (mehr als sieben Millionen Euro) renoviert.

Landschaftsplaner Benesch wurde bei der Bürger-Informationsveranstaltung am Freitag, 11. April, beim Kirchenwirt nicht müde zu betonen, dass der Wald um das Schloss weder forstwirtschaftlich noch erholungstechnisch von Wert sei. Tatsächlich habe man auf dem Gelände nur knapp 30 erhaltenswerte Bäume gefunden: alte Eschen, Eichen und Linden, die auf jeden Fall stehen bleiben sollen. Alle anderen, vor allem die vielen Fichten, hätten hingegen beim Schloss nichts verloren und seien ohnehin kaputt.

Dem Abholzen stellen sich allerdings Hindernisse entgegen. Der „Wald“ um das Schloss ist im Raumplan als Forstfläche ausgewiesen. Wird er gerodet, muss die Stadt daher Ersatzflächen aufforsten. Und natürlich wird auch der Denkmalschutz ein wichtiges Wörtchen mitreden. Denn eventuell im Erdreich verborgene historische „Kostbarkeiten“ (Mauerreste etc.) dürfen beim Abholzen nicht beschädigt werden.

Benesch will das „verwunschene Schloss“ wachküssen in und schlägt in seinem Leitbild folgende Maßnahmen vor:

Leitbild für das Schloss

Rund um das Schloss soll abgeholzt werden, damit dieses auf einer größeren Lichtung steht. Vor allem der Eingangsbereich soll lichter und schöner gestaltet werden und auch Sitzgelegenheiten bieten.

Das Schloss soll zum Ort hin geöffnet werden. Durch die Fichten gibt es derzeit nur eine enge Pforte. Benesch schwebt vor, den Bereich zwischen Schloss und Kirche besser zu verbinden und neu zu gestalten. Das schließt auch eine Verkehrsberuhigung ein. Fußgänger sollen dort künftig Vorrang haben.

Der äußere Ring (entlang der alten Befestigung) und der innere Ring sollen zu einem Hain werden. Erhaltenswerte Bäume sollen stehen bleiben, neue gepflanzt werden. Den freien Blick auf das Schloss wird das nicht beeinträchtigen.

Zeitrahmen für die Umsetzung der Maßnahmen: Fünf bis zehn Jahre. Bis Juni wird Benesch nun auch noch die Vorschläge der Bürger ins Konzept einarbeiten — und dann einen Maßnahmenkatalog präsentieren. „Alle Ideen werden wir nicht verwirklichen können, eine Hängebrücke zum Beispiel. Wir werden aber auch immer genau begründen, warum etwas nicht geht“, verspricht der Landschaftsplaner.

Beim Informationsabend entspann sich dann noch eine Diskussion um das Schloss selbst. „Es genügt nicht, nur das Umfeld neu zu gestalten. Wir brauchen eine Vision für das Schloss. Soll es ein Kulturzentrum werden? Wenn ja, müssen wir eine geeignete Infrastruktur schaffen. Darüber müssen wir jetzt schon nachdenken“, forderte etwa Anrainer Stefan Eder.

Ortsvorsteher Egon Brandl versprach, diese Anregung aufzugreifen. „Wir werden das überlegen und dabei sicher auch auf die Beteiligung der Bürger setzen.“

Landschaftsplaner Alfred Benesch diskutiert mit Ortsvorsteher Egon Brandl und Dieter Stadlbauer vom Stadtbauamt das Entwicklungskonzept für das Umfeld des Schlosses Ulmerfeld.