Plastik in der Jauche. In Winklarn wurde Jauche mit Plastikteilen, die von einer Biogasanlage bezogen wurde, auf Böden verteilt.

Von Peter Führer. Erstellt am 09. Oktober 2019 (14:25)
Karl Hrubicek

Großen Aufruhr gibt es derzeit in Winklarn. Der Grund: Plastikteile, die von Landwirten als Teil der Jauche auf ihren Böden ausgebracht wurden. So meldete sich Anrainer Karl Hrubicek bei der NÖN und berichtete von diesen Vorkommnissen.

„Abgesehen von der großen Geruchsbelästigung die die Anrainer in Kauf nehmen müssen, befindet sich in dieser Brühe, die von einer Biogasanlage aus Amstetten stammen, viel Plastik aus geschredderten Joghurtbechern. Hier wird großflächig unser Boden mit Plastik verseucht. Diese Problematik ist seit längerem amtsbekannt und wurde bereits von Frau Bürgermeisterin Dorner auf der Bezirkshauptmannschaft und beim Land Niederösterreich gemeldet“, betont er.

Besagte Firma könne ja nicht mit Plastik versetzte Jauche an die Bauern frei geben. „Wir sprechen andauernd von Klimawandel und Umweltschutz und hier versauen wir unsere Böden, die Lebensgrundlage für nächste Generationen. Wir reden über die Antarktis und wie dort das Eis schmilzt und daheim hauen wir das Plastik in die Äcker und damit irgendwann ins Grundwasser und auch in die Tiere“, ärgert sich Hrubicek weiter. Es hätten ihn bereits viele weitere Personen kontaktiert und auf die Situation aufmerksam gemacht.

"Wir zerstören da unsere Natur"

Bei Bürgermeisterin Sabine Dorner gingen bereits zahlreiche Beschwerden ein. Sie berichtet davon, dass es bereits Anfang Juli einen derartigen Vorfall gab. „Dass man Plastik auf die Felder bringt, ist für mich absolut unverständlich. Damals wurde ein Feld umgeackert, bevor sich der Sachverständige vor Ort ein Bild machen konnte. Bei einem weiteren Feld war das Plastik dann durch den Regen nicht mehr sichtbar. Das Ganze ging dann den amtlichen Weg“, erinnert sie sich zurück. Viele Personen, die jetzt am Acker vorbeigingen, haben mit ihr Kontakt aufgenommen. „Es hat ja ausgesehen, wie wenn es geschneit hätte. Das kann man nicht vertreten, wir zerstören da unsere Natur. Wo da die Ursache ist, müssen aber andere feststellen.“

Auch die Bezirkshauptmannschaft ist bereits involviert. So findet morgen Donnerstag ein Treffen beim Acker statt. Dort sollen weitere Maßnahmen beschlossen werden. „Wir haben am Dienstag die Info bekommen und morgen wird es mit allen Beteiligten eine Verhandlung geben. Auch das Land Niederösterreich ist involviert. Im Sommer hat es bereits einen ähnlichen Vorfall und eine damit verbundene Stellungnahme eines Sachverständigen gegeben. Der konnte damals aber keine Plastikteile mehr auf einem Acker sehen beziehungsweise feststellen“, äußert sich Bezirkshauptfrau Martina Gerersdorfer zur Causa. Es sei entscheidend, die Auflagen derart zu formulieren, dass es zu solchen Vorfällen nicht mehr kommen kann.

Über die Causa im Bilde ist auch Anton Kasser, Amstettens Hauptbezirksobmann des NÖ Bauernbundes. Er geht davon aus, dass die Bezirkshauptmannschaft einschreiten wird. „Am Ende des Tages hat der Bauer die Jauche aufgebracht. Aber die Biogasanlage muss das so steuern, dass kein Plastik reinkommen kann. Das hat auf einem Acker nichts verloren, so geht das nicht. Das Problem kann aber auch sein, dass man das Plastik beim Ausbringen zunächst vielleicht nicht gesehen hat.“

Sieb soll weitere Vorfälle verhindern


Die NÖN fragte auch bei der besagten Firma – der „Bio Fuel Systems GmbH“ in der Doislau – nach. Dort bestätigt man den Vorfall, man sei gerade dabei, mit einem Saugbagger alle Teile von dem Acker zu entfernen. „Wir hatten im Juli einen Störfall und da hat ein Bauer leider etwas Plastik in seiner Fuhre erwischt. Diese Fuhre hat er zu einer Senkgrube gebracht, von wo sie jetzt vor wenigen Tagen auf das Feld verteilt wurde“, klärt Geschäftsführerin Katharina Hader auf.

Das Problem sei gewesen, dass im Gärrest das Plastik oben schwimmt und wenn der Füllstand beim Absaugen durch den Landwirt zu niedrig ist, auch Plastik mit dabei sein kann. Man habe allerdings umfangreiche Maßnahmen gesetzt, um eine derartigen Zwischenfall künftig ausschließen zu können. „Wir haben unter anderem ein eigenes Sieb anfertigen lassen und dafür 100.000 Euro investiert. Dieses ist jetzt von der Landesregierung genehmigt worden. Jetzt kann nur mehr gesiebter Gärrest ausgebracht werden. Da ist weder Plastik noch Mikrokunststoff drinnen“, führt Hader weiter aus.

Ihr gehe es aber auch darum, eine Lanze für die Bauern zu brechen. „Die erscheinen dann immer in einem schlechten Licht, aber die Landwirtschaft soll nicht darunter leiden. Biogasanlagen liefern ein wertvolles, organisches und regionales Düngemittel. Dieses hat gegenüber Kunstdünger viele Vorteile. Wir betreiben einen immensen Aufwand und haben auch sofort investiert. Auch den Landwirten ist es nicht egal was auf die Felder kommt!“