Apotheker fühlen sich gefährdet. „Konkurrenzkampf“ zwischen öffentlichen Apotheken und Hausapotheken geht in nächste Runde.

Von Stephanie Pirkfellner und Andreas Fussi. Erstellt am 03. September 2019 (03:17)
Fussi
Heinz und Renate Haberfeld in ihrer Landschaftsapotheke in Baden. Sie sehen es kritisch, wenn Ärzte selbst Medikamente verkaufen können.

Ein Arzt darf eine Hausapotheke führen, wenn sich in der Gemeinde des Berufssitzes keine öffentliche Apotheke befindet und diese mehr als sechs Straßenkilometer entfernt ist. Trotz dieser Regelungen ist das Thema in Mediziner- und Apothekerkreisen sehr umstritten.

Aus Sicht der Apothekerkammer würden mehr Hausapotheken bedeuten, dass viele öffentliche Apotheken zusperren müssten. Politisch geht es aber derzeit in Richtung Erhöhung der Anzahl der Hausapotheken. Auch deshalb, weil vielerorts Landärzte fehlen. Das Führen einer Hausapotheke, gilt als wichtiger Aspekt für die Attraktivität des Landarztberufes, auch, was die finanzielle Attraktivität betrifft. Apotheken fangen laut

Medizinalrat Max Wudy, der Gemeindearzt von Weissenbach, meint zum Thema: „Als Arzt mit fast 40 Jahren Berufserfahrung, davon die größte Zeit als praktischer Arzt mit Hausapotheke tätig, halte ich die seit Jahrzehnten immer wieder aufflammende Diskussion für entbehrlich.“ Gehe es nach ihm, wäre „bei nur einem bisschen guten Willen aller Beteiligten ein konfliktfreies Nebeneinander durchaus denk- und lebbar.“

„Ich glaube, dass das Gesundheitssystem größere Probleme lösen muss"

Als Beispiel nennt er die Schweiz, „dort gibt es über viertausend Ärzte mit Patientenapotheke, wie die Hausapotheke dort heißt. Sogar in der Großstadt Zürich erhalten die Patienten ihre Medikamente direkt beim Arzt, so sie dies wünschen“ erklärt der Weissenbacher Arzt. Und er ergänzt: „Ich glaube, dass das Gesundheitssystem größere Probleme lösen muss. Daher sollten sich die beiden wichtigen Berufsgruppen endlich auf ein neues lebbares und konfliktmeidendes Apothekengesetz zum Wohle der Patienten einigen.“

Apotheker Heinz Haberfeld, Leiter der Landschaftsapotheke, Badens ältester Apotheke, sieht vor allem ein ethisches Problem in der Thematik. Es sei problematisch, wenn jemand, der verordnet gleichzeitig auch Arzneimittel verkaufe. Er nennt das Problem „Phänomen Übertherapie“. In Krankenhäusern sei es üblich, mehr zu verordnen als notwendig erscheint, um sich nicht den Vorwurf von Patienten aussetzen zu müssen, nicht alles getan zu haben.

Keine Zeit für Patienten als größeres Problem

Auf der anderen Seite sei gerade aufseiten der Ärzteschaft die Burn-out-Quote sehr groß. Mehr als drei Minuten hätten praktische Kassenärzte oft nicht Zeit für ihre Patienten, „warum sie sich dann noch den Arzneimittelverkauf antun, ist nicht einzusehen“, meint er. Die Wartezeit bei Vertragsärzten betrage oft bis vier Monate – „und dann wollen dies sich noch um Arzneimittel kümmern?“, fragt er sich.

Haberfeld sieht in der Zunahme von Hausapotheken so manche Apotheke im ländlichen Raum gefährdet. Denn im Durchschnitt seien Apotheken in Österreich zu 70 Prozent von den von Kassenärzten verordneten Arzneimitteln abhängig. Nur 30 Prozent würden von Privatärzten stammen. „Wenn 70 Prozent wegfallen, ist das existenzgefährdend“, konstatiert Haberfeld. Apotheken seien ein wichtiger Faktor in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Sie müssten täglich acht Stunden, im städtischen Bereich zehn Stunden geöffnet haben. „Wir haben in der Landschaftsapotheke in der Woche 54 Stunden offen, dazu kommen die Nachtdienste und die Bereitschaftszeiten am Wochenende“.

Bei Ärzten sei dies nur mehr freiwillig. Bei Apotheken gebe es weiter eine Betriebspflicht. Apotheken seien auch wichtige Arbeitgeber. In der Regel sind zehn Mitarbeiter beschäftigt, davon ein Drittel pharmazeutisches Fachpersonal.

Dazu komme die Lehrlingsausbildung – „ich wüsste keinen Arzt, der einen Lehrling ausbildet“, meint Haberfeld. Der Apotheker beruft sich zudem auf ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs, wonach Hausapotheken ein Notapparat sein sollten, in Gegenden, wo eine öffentliche Apotheke wirtschaftlich nicht geführt werden kann. „Aber es kann nicht sein, dass ein Arzt aufgrund schlechter Verträge mit der Sozialversicherung zu wenig verdient und dafür die Tätigkeit einer anderen Berufsgruppe macht“, klagt Haberfeld.

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