Gastro-Öffnung: Wirte zeigen sich motiviert. Ab dem 19. Mai dürfen Gäste wieder vor Ort bewirtet werden. Die Vorbereitungen im Bezirk Baden laufen auf Hochtouren.

Von Simon Weiß. Erstellt am 12. Mai 2021 (03:55)
Gastronom Dragan Grahovic öffnete bereits die Pforten zur „Gerüchteküche im Wasserschloss“ in Kottingbrunn – vorerst allerdings nur, um das Lokal wieder in Schuss zu bringen. Ab 19. Mai heißt er dann Gäste willkommen.
Steiner, Steiner

Nicht weniger als ein halbes Jahr lang blieben die Stammtische und Gastgärten sämtlicher Wirtshäuser und Restaurants leer. Lediglich mit Take-Away konnten Umsatzverluste etwas minimiert werden. Nun stehen für den 19. Mai langersehnte Öffnungsschritte an. Die Gastronominnen und Gastronomen des Bezirks Baden befinden sich mitten in intensiven Vorbereitungsarbeiten.

„Wir freuen uns, dass bald wieder Leben hereinkommt in die Gerüchteküche. Der jetzige Zustand ist ein Kampf ums Überleben und nicht befriedigend“, meint Dragan Grahovic, Pächter der „Gerüchteküche im Wasserschloss“ in Kottingbrunn. Seit einigen Tagen laufen die Vorbereitungen für die Wiederöffnung. Die Reservierungslage sei gut und lasse auf eine schnelle Rückkehr auf ein normales Niveau hoffen. Dennoch gebe es gewisse Unsicherheitsfaktoren; ein bedeutender sei beispielsweise, dass ein erneuter Lockdown nicht gänzlich ausgeschlossen werden könne, erklärt Grahovic. 

Ein weiteres Problem für Gastronomen könnte der Personalmangel werden; viele in der Gastronomie Beschäftigte hätten sich in der Krise wegen Gehaltseinbußen neu orientiert. „Meine beste Kellnerin hat aufgehört und macht jetzt die Pflegeschule“, erzählt der Gastronom. Er sei aktuell sowohl auf der Suche nach Küchen- als auch Servicepersonal. Trotz allem ist Grahovic überzeugt: „Wer gute Küche, Service und Qualität bietet, für den wird es schnell wieder bergauf gehen.“

„Wir lassen uns überraschen, was die Öffnung bringen wird!“ Gerhard Maschler 

Kulinarisch plane er für die Öffnung einen Schwerpunkt auf Spargel und Wild, um regionalen Gemüsebauern und Lebensmittelproduzenten zu helfen, für die durch die Corona-bedingten Schließungen der Gastronomie der oft größte Abnehmer wegbrach.

Ähnliches strebt auch Michael Grossauer an, der das im Herzen Badens ansässige Steak-Restaurant „el Gaucho“ leitet. Derzeit treffe man grundlegende Vorarbeiten wie die Reinigung des gesamten Lokals und das Auffüllen der Lagerbestände. Vor allem bezüglich zweiterem sei Grossauer bewusst geworden, dass man in dieser schwierigen Zeit auf Solidarität mit regionalen Lebensmittelproduzenten setzen müsse: „Einige Bauern beliefern fast ausschließlich die Gastronomie. Durch die Schließungen konnten sie aber viele ihrer Produkte nicht anbringen und sind daher mitunter am härtesten betroffen. Wir wollen sie auf der Speisekarte etwas hervorheben und das Angebot an regionalen und saisonalen Produkten weiter ausbauen.“

In puncto Personal gebe es glücklicherweise keine Probleme, die Badener „el Gaucho“-Mannschaft sei sehr loyal, manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bereits seit zehn Jahren tatkräftig dabei. Auch das Konzept der Kurzarbeit habe dazu beigetragen, erfahrene Leute im Betrieb halten zu können. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es dennoch nicht leicht, da sämtliches Trinkgeld natürlich ausgeblieben ist. Daher freuen wir uns umso mehr, wieder öffnen zu dürfen!“, konstatiert Grossauer.

Diverse Testergebnisse, Impfnachweise und Co. kontrollieren zu müssen, stelle für den Gastronomen kein Problem dar, die Hauptsache sei, wieder Gäste empfangen zu können. Und diese scheinen einen Besuch im „el Gaucho“ kaum abwarten zu können, wie Michael Grossauer erzählt: „Die Telefone klingeln ununterbrochen und das E-Mail-Postfach geht über. Unsere Stammgäste freuen sich schon sehr auf ein gutes Steak und unsere  saisonalen Angebote!“ 

Wirtssprecher Gerhard Maschler aus Wienersdorf.
Rieger, Rieger

Etwas skeptischer, aber dennoch euphorisch, zeigt sich der Inhaber des beliebten Traiskirchner „Gasthaus Maschler“, Gerhard Maschler. „Wir nehmen mehr oder weniger eine Komplettrenovierung nach diesem halben Jahr vor. Alles muss gereinigt werden, die Zapf- und Kühlanlagen werden gewartet und Lebensmittel gekauft“, erklärt Maschler.

Auch das Personal müsse teilweise erneut eingeschult werden, habe dieses schließlich seit November kaum gearbeitet. Probleme mit fehlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebe es in Maschlers Fall glücklicherweise keine. Der Gastwirt, der auch der Sprecher der Badener Wirte ist, ortet diesbezügliche jedoch in anderen Betrieben Schwierigkeiten:  „Jemand, der im vergangenen halben Jahr gar nichts gemacht hat und seine Leute kündigen musste, wird sich nun teilweise schon schwer tun, geeignetes Personal zu finden.“

Einige Gastronomen, teilweise auch Freunde Maschlers, mussten ihre Lokale im Zuge der Corona-Pandemie schließen, wieder andere Kollegen seien für Wochen ausgebucht. Für das „Gasthaus Maschler“ selbst sei die Reservierungslage überschaubar. Allgemein glaube der Gastronom, dass es Betriebe mit größeren Gastgärten einfacher hätten als jene, die nur über einen Innenbereich verfügen. Insgesamt werde die Zahl der Kundinnen und Kunden jedoch auch im „Gasthaus Maschler“ mit seinem großzügigen Garten abnehmen, da die zahlreichen Veranstaltungen ebendieses wie das Grillfest oder Sommerfest vermutlich ausbleiben müssten.

Weiters meint der Traiskirchner Wirt, dass einige Leute auf den Besuch seines Gasthauses verzichten werden würden, da der Eintritt schließlich nur jenen gewährt wird, die gegen Corona geimpft sind, einen gültigen negativen Covid-Test vorlegen können oder eine Bestätigung über eine überstandene Infektion bei sich haben. Trotz der Bedenken ist Gerhard Maschler aber motiviert, seinem Lokal bald wieder Leben einhauchen zu können: „Wir freuen uns natürlich sehr auf die Öffnung und lassen uns einfach überraschen, was diese bringen wird!“ 

Groisbachs Dorfwirtin Sandra Gold.
Pirkfellner, Pirkfellner

Für die Groisbacher Gastronomin Sandra Gold steht ebenso einiges an Arbeit an. Erst im Vorjahr übernahm sie das ehemalige Wirtshaus „Zu den Kernbuam“, welches einst der Familie Kern gehörte. Diese nutzte jedoch den Lockdown und begab sich in den wohlverdienten Ruhestand, während die ehemalige Mitarbeiterin Gold das Lokal übernahm und zum „Gasthaus zur Dorfwirtin“ umgestaltete. Derzeit sind wir vor allem dabei, den Außenbereich so zu gestalten, wie es durch die Abstandsregeln geboten ist“, erzählt die Wirtin. Im Gegensatz zu Michael Grossauer beispielsweise steht sie dem Kontrollieren diverser Eintrittsdokumente durchaus kritisch gegenüber: „Schließlich sind wir Gastronomen über ein halbes Jahr lang mehr oder weniger gestraft worden und haben es jetzt trotz der Öffnungsschritte nicht unbedingt leichter. Aber natürlich werden wir alle Maßnahmen einhalten, ansonsten würden wir ja verhungern.“ Gold befürchtet weiters, dass die nunmehrigen Eintrittsbestimmungen einige Menschen eventuell davon abhalten könnten, einen Besuch im Wirtshaus anzutreten.

Reservierungen gebe es für das „Gasthaus zur Dorfwirtin“ noch keine, wie das Geschäft ab dem 19. Mai wohl laufen werde, sei daher derzeit noch ungewiss. Dafür gab es bezüglich des Personals keinerlei Schwierigkeiten, wie Sandra Gold erzählt: „Ich habe nur einen Angestellten, nämlich meinen Bruder. Dieser ist während der gesamten Pandemie an meiner Seite gestanden und wir werden jetzt schauen, dass wir alles zu zweit schaffen werden.“

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