Die Bürgerliste feiert 30er. Die parteifreie Bewegung aus Ebreichsdorf feiert am 7. September beim „Spielwiesenfest“. Josef Pilz erinnert sich an die Gründungs- und Bürgermeisterjahre.

Von Thomas Lenger. Erstellt am 05. September 2019 (03:04)
Thomas Lenger
Josef Pilz erinnert sich an die Gründung der Ebreichsdorfer Bürgerliste.

Im November 1989 sorgte die Verunreinigung von 60 Hausbrunnen durch die sogenannte „Mitterndorfer-Senke“ für Proteste von Bürgern.

„Damals haben sich 30 Bürger zusammengefunden und eine Wasserleitung gefordert“, erinnert sich Gründungsmitglied Josef Pilz an den Beginn seiner Bewegung. „Der damalige Bürgermeister Valenta von der SPÖ wollte uns aber nicht anhören und so haben wir als Protest bei den Gemeinderatswahlen kandidiert“, erinnert sich Pilz.

Auf Anhieb schaffte die Bürgerliste fünf Mandate und es kam zu einer Koalition mit der SPÖ. Pilz übernahm die Funktion des Vizebürgermeisters und kümmerte sich um die Errichtung einer Wasserleitung in Ebreichsdorf.

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Bürgerliste anno 1989. Vorne: Elfi Westhoff, Josef Pilz und Otto Strauss. 2. Reihe: Johannes Vogel, Werner Weissinger, Silvia Hauptmann, Kurt Semin, und Hans Widhalm.

„Ich bin damals von Haus zu Haus gegangen und habe versucht, die Bürger davon zu überzeugen, sich an die öffentliche Wasserleitung anzuschließen. Am Anfang war das nicht einfach und teilweise wurden wir gar nicht reingelassen. Aber schließlich wendete sich das Blatt und der Großteil war froh, ihre Häuser an die Wasserleitung anschließen zu können.

Bei der Gemeinderatswahl 1995 erreichte die parteiunabhängige Liste bereits neun Mandate. „Es war dann einem Zufall zu verdanken, dass es mit einer Stimme Mehrheit zu einer Zusammenarbeit mit ÖVP, FPÖ und der Liste UWS kam und ich Bürgermeister wurde“, erzählt Pilz.

In den folgenden 15 Jahren wurde Ebreichsdorf unter dem damaligen Ortschef wesentlich weiterentwickelt. Dazu erklärt Pilz: „Wir haben Ebreichsdorf von einem unbekannten Straßendorf zu einem anerkannten regionalen Zentrum und zu einer beliebten Wohngemeinde gemacht.“

Wende mit umgekehrten Vorzeichen

Doch im Jahr 2010 gelang es mit den Stimmen von FPÖ, den Grünen und der Liste Ilse dem jetzigen Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ), eine Koalition gegen die Bürgerliste zu bilden. Das bedeutete für die Bürgerliste den Gang in die Opposition.

„Wir konnten uns bis heute nicht an diese Rolle gewöhnen, da wir keine Oppositionellen sind“, sagt Pilz und erklärt: „Das ist einfach nicht unser Stil.“ Die Zukunft der Bewegung, die derzeit neun der 33 Mandate hält, sieht Pilz aber durchaus positiv. „Ich glaube, wir müssen unsere persönlichen Vorteile verstärkt ausspielen. Wir sind nur lokal tätig, streben keine politische Karriere an und sind nur für unsere Gemeinde da. Das fehlt mir beim jetzigen Bürgermeister. Wir haben nicht das Zeitproblem, das er hat. Das bringt schon einigen Unmut und das trau ich mich auch zu sagen.“

Josef Pilz werde zwar nicht mehr Spitzenkandidat antreten, „aber für den Gemeinderat sehr wohl. Ob ich dann die ganze Legislaturperiode bleibe, wird sich zeigen.“.