Matador-Welt bleibt in DNA der Stadt. Rudof Korbuly erinnert sich bei einem Besuch Christian Judts im Museum Traiskirchen an die bewegte Familiengeschichte.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 18. August 2019 (04:28)
Jandrinitsch
Museums-Mitarbeiter und Geschichte-Spezialist Christian Judt mit Rudolf Korbuly aus der Matador-Spielzeugdynastie.

Ein unbebautes Grundstück mitten im Pfaffstättner Industriegebiet am Wiener Neustädter Kanal weckt nicht unbedingt sofort die Neugier des Betrachters. Doch Fans des Holzspielzeugs-Erzeugers Matador wissen, dass sich hier die Produktionsstätte von Matador befunden hat, bis die Reste der Fabrik nach einem Brand 2001 vollends abgetragen wurden.

Das, was an Matador-Spielzeug aus der Brandruine geborgen werden konnte, fand eine neue Heimat im Traiskirchner Museum. Die Geschichte von Matador ist untrennbar mit der Geschichte der Familie Korbuly verbunden. Rudolf Korbuly, der Großneffe des letzten Korbuly-Matador-Firmenchefs Johann Korbuly, blickt „mit gemischten Gefühlen“ auf die Matador-Tradition zurück.

Familie Korbuly lebte am Werksgelände

Die gemischten Gefühle beziehen sich auf verschiedene Situationen: „Wenn ich durch Pfaffstätten fahre und am ehemaligen Werksgelände vorbeikomme, mein Vater Rudolf ist hier 1921 geboren worden, wir haben hier bis zum Verkauf der Firma an Kurt Falk gelebt“, erzählt Rudolf Korbuly. Lange hatte er die Familiengeschichte nicht weiter verfolgt, erst als ihn seine Tochter darauf ansprach, warum auf einer Matadorschachtel der Name Korbuly stehe, da sei ihm zu Bewusstsein gekommen: „Man schiebt das alles weg. Mein ganzes Matador, das ich noch besitze, ist im Museum Traiskirchen. Natürlich sind da Emotionen da“.

1951 kehrte sein Vater Rudolf in die Firma zurück. Er brachte sich voll und ganz bei Matador ein, tüftelte, entwickelte Maschinen. In der weitverzweigten Familie hätte sein Vater auch Anrecht darauf gehabt, eine Landwirtschaft in Salzburg zu erben, doch auf dieses Erbe verzichtete er, in der Annahme, die Firma Matador zu übernehmen. Die Nachfolgerfrage wurde von dem damaligen Firmenchef Johann immer wieder hinausgezögert. „Mein Vater und ich wollten die Firma kaufen, er war damals 57 Jahre, ich 25 Jahre alt, das hätte gut gepasst. Ob wir es wirklich geschafft hätten, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen, kann ich auch nicht zu hundert Prozent sagen. Aber Johann, er war damals bereits 86, hielt den Kurt Falk für den Wunderwuzi.“

Firma Matador wurde von Kurt Falk gekauft

Falk, im Jahr 1978 reich geworden durch den Verkauf seiner Anteile an der Kronen Zeitung, erwarb Matador um 11 Millionen Schilling. Er versuchte einige Neuerungen, so führte er unter anderem bei Matador an den Fahrzeugen Gummi-Räder ein, doch auf Dauer konnte sich Falk nicht gegen den Zeitgeist stellen, immer weniger Spielzeug war gefragt, dass die Motorik und die Logik beim Zusammenbau von Holzteilen erforderte.

Rudolf Korbuly sen. erwarb ein Grundstück in Oberwaltersdorf, wo er eine neue Bleibe für seine Familie errichtete. Rudolf Korbuly jun. machte eine technische Ausbildung an der HTL Mödling, anschließend studierte er BWL. Fast sein ganzes Leben arbeitete er in der Buchhaltung und steht auch heute noch Firmen beratend zur Verfügung. Nur einmal hatte er Kontakt mit Michael Tobias, der 1996 alle Markenrechte von Falk erwarb und im Waldviertel mit der Matador-Produktion begann.

Diverse Matador-Baukästen gibt es im Spielzeughandel zu erwerben oder auf der Homepage www.matador.at