Fritz Egger GmbH & Co.: Alle Zeichen stehen auf Holz. Viele Jahre war Carina Rambauske als Redakteurin für die NÖN in Niederösterreich unterwegs. Aktuell fährt sie im Auftrag von ecoplus durch das Bundesland, um mit den Unternehmerinnen und Unternehmern über klima- und ressourcenschonende Innovationen zu sprechen.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 21. Februar 2020 (09:42)

Teil 5 unserer Blog-Serie mit Besuch bei Fritz Egger GmbH & Co., Unterradlberg (Bezirk St. Pölten)

Holz, Holz und noch mehr Holz, das sich neben der Straße in allen möglichen Größen und Formen, übereinander türmt: Noch lange bevor die Einfahrt zum Unternehmen Fritz EGGER in Unterradlberg (Bezirk St. Pölten) im Blickfeld erscheint, ist das Thema klar. „Das alles ist Recyclingholz“, zeigt Werksleiter Reinhard Grießler auf die Holztürme. Seit Jahrzehnten bezieht das Unternehmen jenes Holz, das in Containern in den Gemeinden gesammelt wird, um es wieder zu Spannplatten zu verarbeiten.

„Holz ist viel zu wertvoll, um es einfach wegzuwerfen“, nennt Grießler das Unternehmenscredo. „Wir sprechen schon lange nicht mehr von Abfall, sondern von Co-Produkt.“ Bedeutet: 30 Prozent des Holzes, das bei EGGER verarbeitet werden, entfallen auf Recyclingholz. 40 Prozent auf Sägerestholz, also jenes Material, das in Sägewerken abfällt und der Rest ist Rundholz, das das Unternehmen aus den Wäldern im Waldviertel, im Donauraum und im südlichen Niederösterreich bezieht. Über 95 Prozent des Materials werden derzeit aus einem Radius von hundert Kilometern angeliefert.

„Der Wald wird sich verändern“

„Wir bemühen uns, möglichst kurze Wege zu fahren“, erklärt Grießler. Das sei einer der größten Hebel, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften gehe. Ändern soll sich diese regionale Versorgungsstrategie in Zukunft nicht – auch, wenn es zur Herausforderung werde. Die zunehmende Trockenheit, die Welle von Stürmen vor einigen Jahren oder der Borkenkäfer plagen nicht nur Österreichs Wälder, sondern auch die Unternehmen bekommen das zu spüren.

„Als der Borkenkäfer wütete, waren wir im ständigen Austausch mit den Lieferanten und anderen Standorten, um zu helfen, damit das Material möglichst schnell abtransportiert und gelagert werden kann“, erzählt Grießler. „Die Situation hat sich in den letzten Jahren stark zugespitzt und wird uns auch weiter begleiten“, ist der Produktionsleiter überzeugt. Fest steht aber: „Der Wald wird nicht sterben, sondern sich verändern, wodurch sich auch die Baumartenwahl und die Bewirtschaftungsform verändern werden.“

Holz hochmodern verarbeiten

Nachhaltige Forstwirtschaft und umweltverträgliche Produktion begleiten das Unternehmen seit seiner Gründung 1961 als Familienunternehmen in St. Johann in Tirol. Mit 19 Standorten und 9.600 Mitarbeitern hat sich die EGGER-Gruppe seither weltweit zu einem international führenden Holz verarbeitendem Unternehmen entwickelt – jede zweite bis dritte Küche in Österreich hat Produkte von EGGER verbaut und über 90 Prozent der Produkte werden in 70 Länder der Welt exportiert.

1970 ging der Standort in Unterradlberg in Betrieb. Mittlerweile zählt er 450 Mitarbeiter und 650.000 Quadratmeter Spanplatten, die jährlich auf dem 26 Hektar großen Werksgelände produziert werden.

Ein Meilenstein des niederösterreichischen Standorts war der Werksneubau um das Jahr 2000: „Was damals passiert ist, ist auch heute noch zum Teil Vorlage für Werkneubauten“, berichtet Grießler stolz. Ein weiterer wesentlicher Punkt, der auch die Skyline des Werks wesentlich veränderte, ist das Hochregallager, das eine Kapazität von 5.500 Stellplätzen hat, sowie unter anderem eine neue Recycling-Anlage, die es erlaubt, das Material effizienter aufzubereiten. Hochmodern geht es auch beim Verpackungsprozess zu, bei dem drei Roboter die Produkte in Serie verpacken.

Vom Wald in die Werkshallen mit mehr Nachhaltigkeit

Anstelle von Gasstaplern fahren mittlerweile elektrobetriebene Fahrzeuge in den Gängen der Werkshallen umher. Denn nicht nur der Blick in die Wälder, sondern auch jener in die eigenen Hallen ist von Nachhaltigkeit geprägt: „Wir machen uns große Gedanken darüber, wie wir das Thema fossile Energieträger am Standort weiter reduzieren können“, betont Grießler.

Deshalb steht seit 2006 am Standort in Unterradlberg ein großes Biomassekraftwerk, mit dem aus den Produktionsabfällen Energie produziert wird. 60 Prozent des eigenen Strombedarfs werden damit abgedeckt. „Als Familienunternehmen ist es unsere Verantwortung, im Bereich der Nachhaltigkeit aktiv zu sein. Diese Verantwortung wollen wir auch wahrnehmen“, betont Grießler abschließend.