Nach Einsatz auf A4: Feuerwehr musste in Quarantäne . Vier Schwerverletzte hatten Corona: Sechs Einsatzkräfte der Brucker Feuerwehr kamen mit ihnen in Kontakt.

Von Susanne Müller. Erstellt am 05. August 2020 (05:57)
Die Einsatzkräfte mussten in die Baustellengrube hinabklettern und erst einmal das Dach des Fahrzeugs abtrennen, damit die Rettungskräfte zu den Verletzten gelangen konnten.
Einsatzdoku

Es war ein fordernder Einsatz für die Brucker Feuerwehr – mit weitreichenden Folgen. In der Nacht von Montag auf Dienstag der Vorwoche (die NÖN berichtete online) geriet ein Pkw auf der A4 auf die abgetrennte Spur im Baustellenbereich und stürzte in eine tiefe Baugrube. Alle fünf Insassen wurden bei dem Unfall schwer verletzt.

Es bedurfte eines Großaufgebots an Einsatzkräften der Feuerwehr und des Roten Kreuzes. Die Brucker Feuerwehr war mit drei Fahrzeugen und 15 Mitgliedern vor Ort. Unter der Einsatzleitung von Kommandant Claus Wimmer wurden die Verletzten mit schwerem Gerät aus dem Fahrzeug geschnitten und in die Krankenhäuser Wien Meidling, Mödling, Baden und Hainburg gebracht. Ein Patient wurde mit dem Nachthubschrauber Christophorus 2 nach Krems geflogen. Kurz darauf erreichte Wimmer dann die Nachricht: Einer der Verletzten wurde positiv auf Corona getestet. Wenig später war klar, dass vier der fünf schwerverletzten Fahrzeuginsassen das Virus in sich trugen.

Wimmer und zwei weitere Feuerwehr-Kräfte wurden von der Gesundheitsbehörde als Hochrisikopersonen eingestuft, weil sie mit den Verletzten direkten Kontakt gehabt hatten. Sie sind seither in Heimquarantäne. Drei weiteren Feuerwehrmitgliedern wurde eine Verkehrsbeschränkung auferlegt. „Uns geht es soweit gut“, erzählt Wimmer im Gespräch mit der NÖN. „Man muss eben die Zeit absitzen.“ Beim Einsatz habe die Feuerwehr zwar alle Sicherheitsvorschriften eingehalten. „Wir sind aber Schlüsselpersonal, da hilft dann auch die ganze Ausrüstung nicht. Im Einsatz lassen sich gewisse Situationen manchmal einfach nicht verhindern“, so Wimmer. In der Situation denke man daran nicht. Da habe er lediglich versucht, den Verletzten zu helfen.

Kommandant Claus Wimmer befindet sich nach dem Einsatz in Quarantäne.
Müller

„Emotional ist es mir dann am Dienstag schlecht gegangen. Da habe ich erst richtig angefangen, darüber nachzudenken“, erzählt der Feuerwehr-Kommandant. Bis 11. August müssen die Betroffenen nun noch in Quarantäne bleiben. „Das müssen wir schmerzlich zur Kenntnis nehmen“, so Wimmer, der von Zuhause nun lediglich administrative Tätigkeiten für die Feuerwehr und seinen Brotberuf im Brucker Rathaus erledigen kann.

Auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr habe dies keine Auswirkungen, versichert der Feuerwehr-Chef.

Beim Roten Kreuz, das mit insgesamt 24 Einsatzkräften in vier Notarztwägen, vier Rettungswägen und dem Notarzthubschreiber vor Ort war, blieb der Einsatz ohne derartige Folgen. „Wir sind standardmäßig immer mit FFP3-Masken ausgerüstet. Wir mussten daher nicht in Quarantäne“, erklärt Bezirksstellen-Kommandant Harald Fischer. Auch die Uniform werde sofort nach dem Einsatz gewaschen und die Fahrzeuge desinfiziert. „Bei der Feuerwehr ist oft ein stärkerer körperlicher Einsatz nötig, deshalb tragen deren Einsatzkräfte meist nur einen einfachen Mund-Nasenschutz, der im Normalfall ja auch ausreicht. Hier war aber nichts normal“, so Fischer.