Bezirk Bruck: Kooperation funktioniert. Ein „Gemeinschaftsgefühl“ nehmen aber viele auch heute noch nicht wahr. In den zusammengelegten Gemeinden im Bezirk Bruck steht man auch nach fünf Jahrzehnten noch sehr unterschiedlich zur Gemeindefusion.

Von Josef Rittler und Nicole Frisch. Erstellt am 21. April 2021 (04:11)
Musik verbindet: Walter Herr, Elisabeth Ecker, Reinhard Doplik, Bürgermeister Johann Köck, Thomas Widler und Obmann Christopher Köck vom Musikverein Prellenkirchen-Deutsch Haslau-Schönabrunn.
privat, privat

Ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl hat sich über die Jahrzehnte in der Trautmannsdorfer Gesellschaft eingestellt. „Die vier Ortschaften werden schon als eine Gemeinde wahrgenommen“, sagt Alexander Schipfer, Obmann des Stixneusiedler Musikvereins. Jede der vier Ortschaften hat einen eigenen Musikverein wie auch eine eigene Feuerwehr, mit ihren eigenen Aktivitäten und Veranstaltungen. Doch auch hier kommt es immer wieder auch zu Zusammenarbeit. „Wenn wir Musikfest haben, fragen wir einen anderen Musikverein aus der Gemeinde, ob sie den Frühschoppen bei uns spielen“, lässt Schipfer wissen.

Die Orte wurden zwar zusammengelegt, eine Gemeinschaft ist es aber nicht geworden.“ sagt Horst Graffi über Scharndorf, Wildungsmauer und Regelsbrunn

Die Feuerwehren müssen bei manchen Einsätzen zusammenarbeiten. Zudem haben sie 2019 gemeinsam mit der Gemeinde ein Finanzierungsübereinkommen ausgearbeitet. Dieses wurde am Ende von allen unterschrieben.

Bei den Sportvereinen wird die „magische Linie“ B10 deutlich. So haben Gallbrunn und Stixneusiedl sowie Trautmannsdorf und Sarasdorf jeweils einen gemeinsamen Sportverein. An ein extremes Beispiel aus der Vergangenheit erinnert sich Bürgermeister Johann Laa (ÖVP), der selbst einmal Jugendtrainer beim Sportverein Trautmannsdorf und Sarasdorf war. Aus Stixneusiedl kam damals die Anfrage, eine Spielergemeinschaft zu gründen. „Aus Nationalstolz habe ich damals abgelehnt. Erfolgreicher wären wir wahrscheinlich gewesen, wenn wir die Elite von anderen Vereinen geholt hätten“, erzählt er.

In Scharndorf bietet sich ein differenziertes Bild. „Die Orte wurden zwar zusammengelegt, eine Gemeinschaft ist es aber nicht geworden“, stellt Horst Graffi fest. Der Gemeinderat der Grünen hat vor einigen Jahren die „Dorfinitiative Regelsbrunn-Scharndorf-Wildungsmauer“ gegründet. Die Mitglieder treffen einander wöchentlich im alten Gemeindeamt in Regelsbrunn, wenn es die Pandemie gerade nicht verhindert, zum geselligen Austausch, führen eine Bücherstube und veranstalten eine Pflanzentauschbörse. Dass im Namen alle drei Ortschaften vorkommen, ist kein Zufall: „Wir haben versucht, alle zu sein, geworden sind es hauptsächlich Regelsbrunner und einige Wildungsmaurer.“ Graffi vermutet als selbst „Zugezogener“ das Fehlen eines Zentrums als Grund für das eher geringe Gemeinschaftsgefühl: „Die drei Orte bilden ein gleichschenkeliges Dreieck, es gibt keine Mitte und auch keinen Grund, stärker zusammenzuwachsen.“

Auf sachlicher Ebene stellt Norbert Gesperger, Kommandant der Feuerwehr Wildungsmauer, der Gemeinde Scharndorf ein gutes Zeugnis aus: „Das funktioniert sehr gut, die Gemeinde hat uns beim Bau des Feuerwehrhauses unterstützt, die Zusammenarbeit ist unkompliziert.“ Mit den Feuerwehren aus Scharndorf und Regelsbrunn gebe es regelmäßigen Austausch und auch hin und wieder gemeinsame Übungen. Positiv sei überdies, dass mit Rainer Landman aus Wildungsmauer und Thomas Petz aus Scharndorf zwei Feuerwehrmitglieder die Wehren im Gemeinderat vertreten.

In Rohrau und Prellenkirchen ist es die Musik, die verbindet. „Im Musikverein Rohrau spielen Musiker aus allen vier Ortschaften“, berichtet Obfrau Martina Kral. Man sehe sich als Verein für die ganze Gemeinde: „Offiziell heißen wir ja auch Musikverein der Marktgemeinde Rohrau, unser Musikheim wiederum befindet sich in der Haydnhalle in Gerhaus.“  Auch in der Nachwuchsgruppe „Team Haydn“ spielen Kinder aus allen vier Orten. Der „Musikverein Prellenkirchen-Deutsch Haslau-Schönabrunn“ hat schon im Namen die Ortschaften berücksichtigt. „Wir haben Mitglieder aus allen Katastralgemeinden“, hebt Obmann Christopher Köck hervor. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Katastralgemeinden funktioniere im Bedarfsfall gut.