Harter Schlag für Hansagfood-Hofläden. Die beliebten Selbstbedienungs-Läden von Hans Goldenits dürfen nicht mehr rund um die Uhr geöffnet haben.

Von Birgit Böhm-Ritter und Susanne Müller. Erstellt am 23. April 2021 (10:52)
Die Hofläden von Hans Goldenits dürfen nun nicht mehr rund um die Uhr geöffnet haben.
Usercontent, Hansagfood

Ein viel gerühmtes Verkaufskonzept von regionalen Bioprodukten könnte bald Geschichte sein: die Bio-Hofläden von Hansag-Food. Von 0 bis 24 Uhr Einkaufen im Selbstbedienungsladen, Produkte in Bio-Qualität, von Produzenten der Region – also mit kurzen Anfahrtswegen und kleinem CO2-Fußabdruck; so die Idee des Tadtener Landwirts Hans Goldenits. Seit 2018 geht das Konzept auf, seit dem Vorjahr ist er auch in Bruck in der Alten Wienerstraße mit einem Hofladen erfolgreich vertreten.

Goldenits hat den Zeitgeist erkannt, seinen Kundenstamm gefunden und nun neun Hofläden in den Bezirken Neusiedl, Eisenstadt-Umgebung und Bruck aufgebaut. Zahlreiche Medien feierten seine Selbstbedienungsläden als Innovation, selbst Ministerin Elisabeth Köstinger kaufte bei einem Burgenland-Besuch begeistert im Neusiedler Hansagfood-Hofladen ein.

Nun scheint die heile Bio-Welt von Hansagfood aber Neider auf den Plan zu rufen. Aufgrund einer rechtlichen Intervention eines UWG-Schutzverbandes (Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb; Anm.) sei man gezwungen, die Öffnungszeiten zu ändern. Unser Schwesternblatt BVZ hatte dazu bereits berichtet:

Im Gespräch mit der NÖN erklärt Hans Goldenits: „Wir dürfen nicht mehr rund um die Uhr geöffnet haben, obwohl wir die Läden ohne Verkaufspersonal betreiben. Der Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb hat uns angezeigt. Wer genau dahinter steckt, wissen wir aber nicht.“ Die Konsumenten reagieren mit Unverständnis und Verärgerung (siehe Zitate rechts aus dem Facebook).

Nachts und sonntags bleibt geschlossen

Fakt ist, dass die Hofläden am Sonntag gar nicht mehr öffnen dürfen und abends ab 20 Uhr schließen müssen (Öffnungszeiten siehe Infobox). Der vormals landwirtschaftliche Betrieb gilt nun als Handelsunternehmen und unterliegt den Ladenöffnungsgesetzen. „Wir wurden unter Androhung in den Handel gezwungen und mussten eine Unterlassungserklärung unterzeichnen“, berichtet Goldenits.

Laut den Anwälten des Tadteners gäbe es zwar rechtliche Möglichkeiten, doch: „Sollten wir verlieren, sind wir ‚mausetot‘.“ Dieses finanzielle Risiko will Hansagfood nicht eingehen. „Die Wirtschaftslage ist so, dass man überhaupt keine Chance dagegen hat. Sobald einer nur die Gurken vom Nachbarn mitverkauft, ist er voll im Handel“, so Goldenits.

Dass die Läden unter Beobachtung der Konkurrenz stehen, hat Goldenits schon länger bemerkt. Er erzählt sogar von Spionage großer Supermarktketten, die sein Konzept ebenfalls umsetzen möchten. „Dabei sind wir nur ein kleiner Fisch. Wir wollen auch nicht mehr expandieren. Mit unseren neun Containerläden sind wir voll ausgelastet. Angebote von Gemeinden haben wir schon ausgeschlagen.“ Goldenits fühle sich „wie ein kleiner Fisch unter Raubfischen“. Die Verkürzung der Öffnungszeiten könnten sein Geschäftsmodell auch wirklich in die Bredouille bringen. Denn gerade in den späten Abendstunden, an Feiertagen und Sonntagen verzeichneten die Hofläden ihren Hauptumsatz. Goldenits rechnet mit einem Umsatzverlust von 25 Prozent.

Begraben hat Goldenits auch seine Hoffnungen auf eine Ausnahmegenehmigung für längere Öffnungszeiten durch die burgenländische Landesregierung. Zwei Termine in der Landesregierung habe er zwar gehabt, sein Anliegen habe er dort allerdings nicht deponieren können. „Vielmehr hat man versucht, mich zu überreden, mich dem Bio-Wende-Modell des Landes anzuschließen. Aber warum soll ich meine Shops schließen und in zweiter Reihe stehen?“, fragt sich Goldenits. Tatsächlich plant das Land Burgenland selbst – ähnlich dem Modell Hansagfood – Hofläden im gesamten Landesgebiet.

Beim Land Niederösterreich will Goldenits dennoch auch noch vorstellig werden, in der Hoffnung, hier auf mehr Gehör zu stoßen.

Die neuen Öffnungszeiten: 

Die Hansagfood-Bauernläden in Neusiedl am See (2x), Eisenstadt, Hornstein, Bruck, Fischamend, Schwechat, Pöttelsdorf und Purbach haben nunmehr zu folgenden Zeiten geöffnet:

Montag und Dienstag von 7 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Samstag von 8 bis 18 Uhr.

Reaktionen in den sozialen Medien: 

„Was ist ein UWG-Schutzverband und wie kann man deren Mitglieder nun boykottieren? Eine Frechheit sondergleichen!“

„Schade, dass es die großen Ketten offenbar als notwendig erachten, kleinen Mitbewerbern Steine in den Weg zu legen. Wäre es nicht besser, sie würden mit euch kooperieren?! Wir bleiben euch treu!“

„Ich bin Kunde seit der 1. Stunde und von Preis, Qualität, aber auch von eurer Freundlichkeit und eurer Hilfsbereitschaft begeistert. Egal wann ihr offen habt, ich werde es mir so einteilen, dass ich weiterhin bei euch einkaufe.“

„Finde das sehr schade. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass es zu viele Neider gibt.... Ich bleibe euch treu.“