Heilige Messe via Livestream. Pfarrgemeinden raten Gläubigen zur Hauskirche. Palmbuschen-Segnung aus der Entfernung.

Von Claudia Christ, Karin Katona und Christian Eplinger. Erstellt am 01. April 2020 (16:12)
Heilige Messe im Kreis der Pfarrhoffamilie: Kaplan Josef, Monika Liedler, Pfarrer Franz Kronister und Michael Liedler feiern die Sonntagsmesse in Purgstall.
Karin Katona

Leere Kirchen und das ausgerechnet vor dem Osterfest. Der Purgstaller Pfarrer verweist, wie viele andere Pfarrer im Bezirk, deshalb auf Gottesdienst-Live-streams in Fernsehen, auf YouTube oder den sozialen Medien. „Wir sind keine Videostars. Das können andere besser“, scherzt der Pfarrer.

Die Sonntagsmesse zelebriert er mit Kaplan Josef dennoch weiterhin, wenn auch in der leeren Kirche. Den Text der Messe gibt es für die Gläubigen zur Hausmesse auf der Homepage der Pfarre. „Ostern wird heuer ein Fest der Auferstehung zuhause. Besonders an alle, die allein zuhause feiern werden, denken und beten wir in diesen Tagen“, sagt der Priester.

Der Scheibbser Pfarrer Anton Hofmarcher überträgt seine Messen aus der leeren Pfarrkirche Scheibbs live auf Facebook oder YouTube. Die Gläubigen danken es unter anderem mit Likes und positiven Kommentaren.
CE

Auf eine Segnung der Palmzweige wird in der Purgstaller Pfarre dennoch nicht verzichtet – ohne Öffentlichkeit versteht sich. „Am Palmsonntag werden wir in der Pfarrhoffamilie den Segen über alle Palmbuschen zu Hause sprechen, das heißt, die Palmbuschen und Palmzweige sind gesegnet, auch wenn sie nicht in der Kirche waren: Gottes Segen und Liebe kennen keine Grenzen“, betont Kronister.

Anders als Kronister hat der Scheibbser Pfarrer Anton Hofmarcher am vergangenen Sonntag erstmals seinen Gottesdienst in der leeren Kirche via Facebook live übertragen. Bis Montag hatte das Video bereits mehr als 800 Aufrufe. Der nächste Gottesdienst am Palmsonntag um 9 Uhr soll schon via YouTube-Livestream übertragen werden. In dieser Messe wird auch die Segnung der Palmbuschen vorgenommen. Pfarrer Anton Hofmarcher ersucht die Pfarrangehörigen, zuhause mitzufeiern.

Auf die Möglichkeit der „Hauskirche“ weist der Steinakirchner Pfarrer Hans Lagler hin. „Jetzt ist es umso wichtiger als Einzelperson oder als Hausgemeinschaft bewusst im Tages- und Wochenablauf Gebetszeiten einzuplanen“, sagt er. Diese Form ersetzt in Corona-Zeiten das gemeinsame Gotteslob in „der Pfarrkirche“.

Palmbuschenweihe auf eine ganz neue Art

Ungewöhnliche Wege beschreitet die Pfarre Steinakirchen auch bei der Segnung der Palmbuschen. „Die Leute sollen bis Samstagabend, 4. April, ihre Palmbuschen auf ihre Gräber am Pfarrfriedhof legen. Ich werde am Sonntag durchgehen und sie segnen“, erklärt Lagler. Ab Montag können diese dann wieder abholt werden.

Völlig neu ist die Situation auch für die Pfarre Reinsberg. „Wir versuchen unsere Gottesdienste vorweg aufzuzeichnen und zu den geplanten Zeiten ins Internet zu stellen. Unter Reinsberg Pfarre sind die aufgezeichneten Gottesdienste auf YouTube zu finden“, erklärt Diakon Robert Plank auch im Namen von Pfarrer P. Thomas. Und so können die Gläubigen auch am Gründonnerstag (19.30 Uhr) und Karfreitag (15 Uhr) sowie Karsamstag um 19.30 Uhr die Messe „mit“-feiern.

Steinakirchens Pfarrer Hans Lagler (links) und Kaplan Pater Yohanu feiern täglich eine Messe in der leeren Pfarrkirche Steinakirchen. „Es ist ein tägliches Gebet für alle Menschen in unserer Pfarre und weit darüber hinaus. Da jetzt die gemeinsame Feier in unseren Kirchen nicht möglich ist, wird es um so wichtiger als Einzelperson oder als Hausgemeinschaft bewusst im Tagesablauf Gebetszeiten einzuplanen“, sagt Pfarrer Lagler.
Pfarre

Mit Pfarrblättern an jeden Haushalt versuchen Pfarrgemeinden ihre Gläubigen über die Möglichkeiten, wie heuer Ostern gefeiert werden kann, zu informieren. „Wir sind sehr traurig, dass wir keine Heilige Messe feiern können, dennoch ist Ostern“, heißt es aus der Pfarrkanzlei Göstling.

In Wieselburg gibt es eine ganz spezielle Situation. Sowohl Pfarrer Daniel Kostrzycki als auch Diakon Bernhard Neumeier und mehrere Pfarrgemeinderatsmitglieder sind positiv getestet worden. „Ich bin seit über einer Woche in Quarantäne, zumindest noch bis 9. April. Mir geht es relativ gut. Das Fieber ist zurückgegangen. Aber ich bin weiter in häuslicher Isolation“, schildert Kostrzycki gegenüber der NÖN. Er betet jeden Tag im Pfarrhof – mit Blick auf die Pfarrkirche. „Viele Menschen schicken mir ihre Anliegen, die ich in meine Gebete mitaufnehme. So werde ich es auch mit der Palmweihe machen. Ich würde mich freuen, wenn viele Menschen zu Hause mitfeiern“, erklärt Daniel Kostrzycki.