Kurzarbeit als „Rettungsanker“ in der Gastronomie. Für Wirte und Veranstalter ist Corona-Pandemie wirtschaftliches Desaster. Wondraczek: „Geht um Existenzen.“

Von Christian Eplinger, Anna Faltner und Karin Katona. Erstellt am 17. März 2020 (05:34)
Brauhaus-Geschäftsführer Carl Hentze schloss das Lokal in Wieselburg am Sonntag vorerst auf unbestimmte Zeit.
Eplinger

Absagen aller Veranstaltungen, schon in den letzten Tagen immer weniger Gäste, die sich aus Angst vor Ansteckung ins Lokal trauen, und am Sonntag die generelle Schließungs-Anordnung durch die Bundesregierung: Für Gastronome ist die Corona-Welle ein wirtschaftliches Desaster.

„Es geht um Existenzen“, sagt Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek. „Und es trifft natürlich nicht nur die Wirte, sondern auch ihre Mitarbeiter.“ Was viele Gastronome sich mühevoll aufgebaut hätten, sei bedroht: „So geraten die Wirte in Schulden, für die niemand etwas kann. Die Frage ist nur, wie kommt man nach so einer Krise wieder in die Höhe? Dieses Jahr wird für uns noch ein sehr hartes werden.“ Die Gastronomie sei die erste Branche, die die Maßnahmen gegen das Corona-Virus in aller Härte zu spüren bekomme.

Das weiß auch Hermann Wurzenberger, Chef des Ramsauhofs und der Eventveranstaltungsfirma Show-Express. „Wir waren mit Veranstaltungen heuer praktisch ausgebucht. Jetzt ist mal bis Juni alles abgesagt. Verschiebungen in den Herbst sind bei vielen Kunden nicht möglich, beziehungsweise können wir dann auch nicht unbegrenzt Veranstaltungen durchführen“, sagt Wurzenberger.

Der Ramsauhof in Purgstall wurde bereits mit Samstag geschlossen, nachdem auch die Agricola-Vorstellungen in der Vorwoche schon abgesagt werden mussten. „Unsere Künstler konnten aufgrund der dichtgemachten Grenzen nicht mehr einreisen“, erklärt Wurzenberger. Die Gutscheine behalten übrigens für die nächstjährige Spielsaison ihre Gültigkeit. Während ein kleiner Teil seiner Stammmannschaft auf Home-Office umstellt, hofft Wurzenberger, für die restlichen Mitarbeiter mit der neuen Kurzarbeitszeit-Lösung einen Ausweg zu finden. „Das könnte ein Rettungsanker sowohl für die Betriebe als auch die Bediensteten sein und wäre sicher eine bessere Alternative, als die Leute stempeln zu schicken.“

Wirte trotz Krise teilweise optimistisch

Genauso sieht es auch Carl Hentze, Geschäftsführer vom Brauhaus in Wieselburg. Dieses hatte am Sonntag vorerst das letzte Mal geöffnet. Der Gästeandrang hielt sich in Grenzen. „Eigentlich bin ich froh, dass die Regierung jetzt diese strikte Maßnahme mit der kompletten Schließung und vor allem der Möglichkeit der Kurzarbeit geschaffen hat. Das ist für die Mitarbeiter und die Betriebe besser und damit sind wir auch in der Zeit nach dem Coronavirus wieder rasch voll einsatzfähig“, sagt Hentze.

Bitter ist der Zeitpunkt auch für Niederösterreichs neuen Top-Wirt Stefan Hueber vom Gasthaus Hueber in St. Georgen. Er hätte jetzt vom Sog der Publicity durch seine Erfolge besonders profitieren können. Dennoch behält Hueber, der auch von Falstaff mit zwei Gabeln ausgezeichnet wurde, seinen Optimismus: „Unsere Küche wird auch nach Corona-Zeiten wieder Top-Qualität liefern.“

Betroffen von den vielen Absagen sind auch die sehr beliebten Hochzeits-Locations im Bezirk. Auch wenn noch ein paar Wochen Zeit sind, bis die Hochzeits-Hochsaison so richtig losgeht. Ob die Feiern (zumindest mit allen geladenen Gästen) auch durchgeführt werden können, steht in der Schwebe. So auch im Schloss Ernegg (Steinakirchen). „Wir starten erst mit April beziehungsweise Mai. Momentan ist das schwer einzuschätzen. Unser Ziel ist es aber, dass wir – natürlich im Rahmen der Vorkehrungen – so viele Veranstaltungen wie möglich durchführen können“, informiert Schlossmanagerin Anna Weidenhöfer.