Klimaschutz: „Die Million ist die Karotte“. Region Melk-Scheibbs will sich Fördermillion vom Klima- und Energiefonds holen. Man ist in Endrunde.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:16)
Das Kernteam der Projektinitiierung (von links): Johann Wurzenberger (Geschäftsführer GVU Scheibbs), Obmann Bürgermeister Harald Riemer (Purgstall) Thomas Prenner (Seiringer Umweltservice GmbH), Obmann Bürgermeister Martin Leonhardsberger (Mank), Alois Hubmann (Geschäftsführer GVU Melk), Hubert Seiringer (Seiringer Umweltservice GmbH) und Technopolmanager Klaus Nagelhofer.
ecoplus, ecoplus

Fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen – das ist das zentrale Element der Bioökonomie. Genau dort setzt das Programm Klima- und Energie-Modellregionen (KEM) mit der Förderung regionaler Maßnahmen an. Mit Melk-Scheibbs, Pongau und dem steirischen Vulkanland lädt der Klima- und Energiefonds die Top-Drei-Regionen des ersten Auswahlverfahrens ein (österreichweit 14 Teilnehmer), detaillierte Konzepte für nachhaltiges Wirtschaften auszuarbeiten.

Eine Million Förderbudget für Sieger

Die Siegerregion – die Entscheidung fällt im Herbst – erhält eine Million Euro aus dem Förderbudget des Klima- und Energiefonds, dotiert aus den Mitteln des Bundesministeriums für Klimaschutz (BMK). Gefördert wird eine Gemeindepartnerschaft, die mindestens zehn Maßnahmen im Bereich Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft umsetzt, um nachhaltig zu wirtschaften.

Die Bezirke Melk und Scheibbs – 58 Gemeinden mit rund 119.000 Einwohnern – haben sich über ihre beiden Gemeindeverbände für Umweltschutz und Abgabeneinhebung (GVU) als Schwerpunktregion beworben.

„Wir haben innerhalb relativ kurzer Zeit ein Kernteam zusammengestellt und mit Stakeholdern aus Bildung, Forschung und Wirtschaft zwölf Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Bei uns ist daher die Freude jetzt schon sehr groß, dass wir es in die Endrunde geschafft haben“, erklärt Klaus Nagelhofer, ecoplus-Technopolmanager in Wieselburg und einer der Projektinitiatoren. Mit Erreichen dieser „Endrunde“ gilt es, bis Herbst Detailkonzepte für die einzelnen Maßnahmen mit konkreten Schwerpunkten bei Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft in Workshops und Arbeitsgruppen auszuarbeiten.

Gesamtkonzept entscheidend

Im Vordergrund steht ein ganzheitlicher Ansatz mit einem breiten Maßnahmenmix. Relevante Akteure der Region, bestehende Netzwerke und eine hohe Beteiligung der Bevölkerung sollen für die detaillierte Entwicklung der Maßnahmen eingebunden werden. Sowohl digitale und physische Kommunikationsplattformen und eine Innovationswerkstatt für die Entwicklung innovativer Umsetzungs-Konzepte wie zum Beispiel Market-Gardening werden vorgeschlagen.

Zusätzlich zu einem Kommunikationskonzept werden Leuchtturmprojekte zum Angreifen entwickelt. Beispielsweise die Errichtung einer Demonstrationsanlage, die aus landwirtschaftlichen und kommunalen Reststoffen Biogas erzeugt. Das so in der Region erzeugte Biogas könnte unter anderem als Lkw-Treibstoff im Bereich der Abfallsammlung eingesetzt werden und somit Kreisläufe schließen.

Ein weiteres Thema stellt die Schadstoffminimierung und Rückgewinnung von Rohstoffen aus dem Klärschlamm dar. Ergänzt wird der vorgeschlagene Maßnahmen-Mix mit einem „Klima-positiven-Bauernhof“ als multiplizierbares Modell für andere Regionen.

„Die als Siegerprämie in Aussicht gestellte Fördermillion ist die Karotte, die vor unserer Nase hängt. Aber wir wollen, auch falls wir nicht gewinnen sollten, diese Projekte entwickeln und umsetzen“, sagt Nagelhofer.