Storchennest sorgte für „Action“ in Oberndorf. Oberndorfer Störche bauten nach Tod ihrer Jungen Nest auf Kirchturmkreuz. Feuerwehr musste einschreiten.

Von Gerhard Rötzer und Karin Katona. Erstellt am 21. Juni 2021 (09:07)

Einen Großeinsatz der Feuerwehr löste am vergangenen Wochenende das Oberndorfer Storchenpaar aus: Genau gesagt, das Nest, das die Störche versucht hatten, auf dem Kirchturmkreuz in 36 Metern Höhe zu bauen. Wegen Gefahr im Verzug mussten in einem spektakulären Einsatz mit einem Feuerwehr-Hebekran das Nistmaterial entfernt und das Kirchturmdach gereinigt werden.

Vorgeschichte des Nestbaus ist traurig

„Die Frage war, ist das Kreuz auf Dauer stark genug, um das Nest zu tragen? Niemand konnte diese Verantwortung übernehmen“, sagt Bürgermeister Walter Seiberl. Der gemeinsame Beschluss von Pfarre, Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft lautete daher: Das Storchennest muss weg. Leicht, gesteht Seiberl, habe man sich die Entscheidung nicht gemacht: „Mit einer Drohne haben wir sichergestellt, dass keine Eier im Nest sind. In die Vorgehensweise involviert waren auch WWF und Storchenexperten.“

Pfarrkirchenrat Engelbert Grubner ist Mitglied der Feuerwehr Oberndorf und hat die Nestentfernung und Turmreinigung organisiert. Am vergangenen Freitagabend wurde im Zuge einer Feuerwehrübung das Nest entfernt und Turm gereinigt. Die Suche nach einem geeigneten Hebekran war nicht einfach, denn die Kräne der Feuerwehren Scheibbs und Amstetten sind mit je rund 30 Metern Höhe nicht ausreichend. Schließlich wurde der Kran der Freiwilligen Feuerwehr St. Pölten mit seinen 56 Metern Reichweite organisiert. In die Reinigungsaktion auf dem Kirchturmdach waren auch die Höhenretter aus Scheibbs involviert, die aus dem Krankorb heraus die Arbeit auf dem Kirchturm erledigten. Die Freiwillige Feuerwehr Oberndorf sorgte für die Löschwasserleitung und die Absicherung. Die Feuerwehren nützten den Einsatz, um für etwaige Ernstfälle zu üben.

Die Vorgeschichte des Nestbaus auf dem Kirchturmkreuz ist traurig: Mitte Mai hatte das Storchenpaar in seinem Horst auf dem Schornstein am Haus der Familie Gansch vier Junge ausgebrütet. Im Alter von wenigen Wochen starben alle Storchenküken innerhalb eines Tages. Als Gründe wurden vergiftetes Futter oder Unterkühlung wegen Regen und kalter Temperaturen vermutet.

Das Storchenpaar hatte nach dem Tod der Jungen seinen Horst verlassen und begonnen, ein Nest auf dem Kirchturmkreuz zu errichten. Obwohl ein Großteil des Nistmaterials auf dem Kirchendach oder auf dem Boden landete, ließen sich die fleißigen Nestbauer nicht entmutigen, bis schließlich der obere Teil des Kirchturmkreuzes unter den aufgetürmten Zweigen verschwunden war. „Vor zwei Wochen haben die Störche aber das Interesse verloren und sind wieder in ihr altes Nest zurückgekehrt“, schildert Bürgermeister Seiberl erleichtert. Auf einem Masten in der Nähe der Kirche werde nun ein Eisenkorb errichtet: „Vielleicht gefällt der Platz auch anderen Störchen und sie siedeln sich bei uns an“ hofft Seiberl. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, bei uns zu nisten.“