Polizei-Verfolgungsjagd nach einem Monat in Freiheit. Vorbestrafter Mann (51) raste Polizisten davon und demolierte in Anhaltezelle die WC-Spülung. Dafür setzte es Haft.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 15. Juni 2019 (04:30)
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Symbolbild

„Ich wurde erst ein Monat davor aus dem Gefängnis entlassen und wollte das Leben wieder in vollen Zügen genießen“, erklärt ein 51-Jähriger vor dem Landesgericht St. Pölten. Als der Mann heuer im Jänner auf einer Tankstelle in Gresten mit Alkohol im Blut und Drogen intus auf Polizisten traf, verfiel er in Panik. Einer Verkehrskontrolle wollte er entgehen und gab Vollgas. Widerstand gegen die Staatsgewalt wird ihm nun vorgeworfen.

Vorm Richter bedauert der Angeklagte. „Ich bin abgerutscht und mir war nicht wohl in meiner Haut“, sagt er. Elf Vorstrafen hat er zu Buche stehen.

„Wir wollten ihn kontrollieren. Er hat beschleunigt, ist immer schneller geworden. Wir sind mit Blaulicht hinter ihm Richtung Scheibbs nach. Darauf und auch auf das Folgetonhorn hat er überhaupt nicht reagiert“, erzählt ein Polizist im Prozess.

Schüsse in Autoreifen beendeten Amokfahrt

Mit 130 km/h raste der 51-Jährige mit seinem Golf Cabrio davon, bis es gelang, ihn anzuhalten. „Ich hab ihn überholt, hab’ mich vor ihm eingebremst. Wir sind beide stehen geblieben, ausgestiegen. Dann habe ich die Pistole gezogen, er ist wieder ins Auto und zurückgefahren“, schildert der Polizist. Kurz darauf konnte der 51-Jährige durch Schüsse in die Reifen seines Autos gestoppt werden.

Alles ist das noch nicht. Einer Bekannten verpasste der Angeklagte einen Schlag ins Gesicht, fremde Autokennzeichen sackte er ein und in der Anhaltezelle in Scheibbs demolierte er nach Festnahme die WC-Spülung.

Das Delikt Widerstand gegen die Staatsgewalt sieht der Richter nicht als erfüllt. „Ich sehe keine Nötigung. Der Angeklagte ist einfach nur davongefahren“, meint er und spricht den 51-Jährigen von diesem Vorwurf frei. Wegen Sachbeschädigung, Urkundenunterdrückung und Körperverletzung setzt es zehn Monate Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.