So meistern Industriebetriebe Corona.

Von NÖN Redaktion. Update am 04. Juni 2020 (04:09)
Thomas Welser, Vorsitzender der Geschäftsführung Welser Profile Gresten-Ybbsitz.
 
Hartwig Zögl

Thomas Welser

Wie kam Ihr Unternehmen durch die Krise?

Wir liefern Profile an die verschiedensten Branchen. Einige Kunden reagierten verhalten und bauten ihre Bestände ab. Andere wie die Logistikbranche oder die Solarindustrie verwirklichen nach wie vor viele Projekte. Sie waren sehr dankbar, dass wir sie zuverlässig beliefern konnten, wobei dieser Dank vor allem unseren Mitarbeitern gebührt. Durch unsere langfristigen Geschäftsbeziehungen mit unseren – größtenteils europäischen – Lieferanten und durch unsere vorausschauende Logistik war es uns möglich, eine durchgehende Lieferkette sicherzustellen.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Unser Krisenstab hat frühzeitig reagiert und angepasste Verhaltensregeln für unsere Mitarbeiter definiert. Wenn möglich wurde den Mitarbeitern Homeoffice gestattet. Die Gebäude sowie kritisches Mobiliar wie Türklinken oder Handläufe wurden häufiger desinfiziert, Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und Schutzmasken ausgeteilt. Gefährdete Personengruppen durften der Arbeit fernbleiben und unsere Betriebsärzte standen besorgten Kollegen Rede und Antwort.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten?

Das ist schwer vorherzusagen. Unsere langjährigen Geschäftspartner und unsere loyalen Mitarbeiter geben uns Zuversicht für diese noch nie da gewesene Herausforderung. Wir werden anpacken, das Beste daraus machen, gemeinsam lernen und uns weiterentwickeln – ganz nach unserem Leitspruch: „Geht nicht, gibt’s nicht!“.

Timo Snoeren, Geschäftsführer Worthington Industries Kienberg.
Theo Kust

Timo Snoeren

Wie kam Ihr Unternehmen durch die Krise?

Worthington Kienberg hat während der Coronakrise produktabhängig beide Seiten der Medaille erlebt: Wir spürten beim Umsatz unserer Erdgastanks die europaweiten vorübergehenden Werksschließungen in der Automobilindustrie. Andererseits stieg der Bedarf an medizinischen Sauerstoffflaschen für Krankenhäuser in ganz Europa. Trotz allem musste auch der Standort Kienberg Kurzarbeit anmelden – mit dem Ziel, nach der Krise wieder rasch den Betrieb auf 100 Prozent hochfahren zu können.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Wir stellten die Produktion für zwei März-Tage ein, um einen soliden Covid-19-Aktionsplan zu entwickeln. Neben Homeoffice im administrativen Bereich finden Besprechungen nun mittels Video- oder Telefonkonferenzen statt. In der Produktion setzen wir auf eine sichere Zusammenarbeit auf Distanz. So haben wir versetzte Schicht-Beginnzeiten und zahlreiche Plexiglas-Scheiben montiert. Zudem stellen wir Mund-Nasenschutz-Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten?

Da wir kurz vor der Fertigstellung einer zusätzlichen Produktionshalle stehen, in der wir Wasserstofftanks für diverse Verkehrsmittel herstellen werden, blicken wir positiv in die Zukunft. Die Auswirkungen einer weltweit gelähmten Wirtschaft während der vergangenen zwei Monate werden aber noch länger spürbar sein.

Oliver Schubert, CEO ZKW Group mit Stammsitz in Wieselburg.
: ZKW Group

Oliver Schubert

Wie kam Ihr Unternehmen durch die Krise?

Wir haben für das proaktive Managen der Coronakrise eine zentrale Koordinationsstelle für alle zehn Standorte in acht Ländern eingerichtet, die in engem Kontakt mit lokalen Gesundheitsbehörden, Fachfirmen und Arbeitsmedizinern steht. In Wieselburg und Wiener Neustadt haben wir das Kurzarbeitsmodell im Einsatz, um Arbeitsplätze zu sichern. In Wieselburg arbeiten derzeit im Werk bereits über 1.000 Mitarbeiter in zwei Schichten. An unseren chinesischen Standorten sind bereits mehr als 90 Prozent der Belegschaft wieder am Arbeitsplatz.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Bereits ab 12. März haben wir mit den Beschäftigten in Wieselburg und Wiener Neustadt Homeoffice vereinbart – sofern dies machbar war. Seit 6. April ist das Tragen eines Mund-Nasenschutzes bei Betreten des ZKW Werksgeländes in Wieselburg vorgeschrieben. Da Schutzmasken und Desinfektionsmittel aber Mangelware waren, fertigen wir den Mund-Nasenschutz selbst an und stellten 180 Liter Desinfektionsmittel gemeinsam mit Kooperationspartnern in Wieselburg selbst her.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten?

Bereits vor der Coronakrise kühlte der Automobilmarkt merklich ab. Wir hoffen, dass die Talsohle mit 2020 durchschritten sein könnte und rechnen bereits im vierten Quartal wieder mit einer Normalauslastung. Derzeit fahren wir aber bewusst auf Sicht und analysieren die Situation Woche für Woche bzw. Monat für Monat.

Gottfried Brunbauer, CEO der LiSEC Gruppe, Hausmening-Seitenstetten.
LiSEC

Gottfried Brunbauer

Wie kam Ihr Unternehmen durch die Krise?

Durch die weltweite Verunsicherung und Reiseeinschränkungen wurde unser überwiegend internationales Geschäft ab Mitte März innerhalb kurzer Zeit erheblich beeinträchtigt. Mit Kurzarbeit und einer vorübergehenden Stilllegung der Produktion konnten wir der Beeinträchtigung aufgrund der Krise bisher gut begegnen. Seit Mitte April fahren wir unser Geschäft schrittweise wieder hoch. Wie die meisten Unternehmen der Investitionsgüterindustrie werden wir jedoch noch länger mit den Auswirkungen der Krise kämpfen. Insofern sind wir noch mittendrin in der Krise.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Wir haben alle empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen getroffen – Stopp von Dienstreisen, Regulierung des Zugangs, Umstellung auf Homeoffice, Stilllegung der operativen Bereiche während der kritischsten Phase, Vorgabe entsprechender Verhaltensregeln und Bereitstellung der Sicherheitsausrüstung. Jetzt bereiten wir uns für die Zeit nach Auslauf der Kurzarbeit und nach der schrittweisen Beendigung von Homeoffice vor, um im Haus die notwendige Sicherheit zu gewährleisten.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten?

Wie viele Unternehmen haben auch wir einen erheblichen Auftragsrückgang zu verzeichnen. Dieser wird sich nach unserer Einschätzung erst im zweiten Halbjahr 2020 bzw. im Laufe des Jahres 2021 wieder auf das gewohnte Niveau erholen. Durch den guten Auftragsstand Anfang des Jahres konnten wir die Zeit bisher gut überbrücken

Stefan Engleder, CEO der ENGEL Holding, St. Valentin.
Engel

Stefan Engleder

Wie kam Ihr Unternehmen durch die Krise?

Der Lock-Down ist vorbei, aber die Krise noch nicht durchgestanden. Wir konnten die Produktion planmäßig wieder hochfahren, und auch in den Büros wird wechselweise gearbeitet. Wir hatten früh strenge Maßnahmen umgesetzt, was geholfen hat, die Auswirkungen der Pandemie einzugrenzen. Wir profitieren davon, dass wir die Digitalisierung bereits seit vielen Jahren stark vorantreiben. Wir konnten einige eilige Kundenprojekte mithilfe unserer Fernwartungslösung und Videokonferenzen trotz Kontaktsperren und Reiserestriktionen im Zeitplan abwickeln.

Welche Maßnahmen wurden zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen?

Wir haben gemeinsam mit dem Health-Team Verhaltensregeln entwickelt, die in allen Abteilungen ein sicheres Arbeiten ermöglichen. Das oberste Gebot lautet: Abstand halten. Zudem stellen wir Mund-Nasenschutz und Masken zur Verfügung. Vertriebs- und Servicemitarbeiter konnten von zuhause aus arbeiten. Durch Staffelung der Arbeits- und Pausenzeiten haben wir die Personenströme reduziert. Alle Mitarbeiter sind sehr diszipliniert. Daher konnten wir einzelne Maßnahmen lockern.

Wie bewerten Sie die weitere Entwicklung für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten?

Prognosen sind aktuell sehr schwierig. Klar ist jedoch, dass uns noch einige herausfordernde Monate bevorstehen.