Die Reisenden, die auf der Flucht sind. Der Petzenkirchner Autor Dietmar Gnedt befasst sich in seinem achten Roman „Durchreisende“ mit der Flüchtlingsthematik.

Von Anna Faltner. Erstellt am 10. April 2021 (04:07)
Dietmar Gnedt will mit seinem neuen Buch einen Beitrag leisten und spendet den Reinerlös an die Flüchtlingsarbeit „Grenzenlose Hilfe Kremsmünster.“
Anna Faltner

Schon sein Vater hat es gemacht, seine Enkel lieben es nicht weniger und für Dietmar Gnedt war es auch schon immer eine Leidenschaft: das Geschichtenerzählen. In der Volksschule hat er damit begonnen, mittlerweile hat er seinen achten Roman veröffentlicht. Und in dem erzählt er, wie immer, von Dingen, die ihn in seinem Leben beschäftigen. In seinem neuesten Roman, der den Titel „Durchreisende“ trägt, befasst sich der Autor, der ursprünglich aus St. Peter in der Au (Amstetten) stammt, mit der Flucht.

Mehrere Reisende steigen – zumeist unabhängig voneinander – in denselben Bus, der von Belgrad (Serbien) nach Wien fährt. Jeder von ihnen tritt diese Reise aus unterschiedlichen Gründen an, aber mit einer Gemeinsamkeit: Sie alle flüchten vor etwas. „In den letzten Jahren habe ich mich vor allem mit der Flüchtlingskrise beschäftigt.

Es ist unglaublich, dass es solche Geschichten nur ein paar hundert Kilometer von uns entfernt gibt. Das kann man gar nicht realisieren“, sagt Dietmar Gnedt. Der 63-Jährige lebt in Petzenkirchen und Belgrad, er kennt die Gegebenheiten vor Ort und am Weg. „Ich habe Einzelfälle kennengelernt, mich mit einigen Flüchtlingen bei der Recherche für mein Buch unterhalten. Aber es gibt natürlich viel mehr Leute, die auf der Balkanroute festsitzen. Das will ich aufzeigen und mit meinem Buch einen Beitrag leisten, da zu helfen“, betont der Schriftsteller und pensionierte Sozialpädagoge des Francisco Josephinums.

Seine zentrale Botschaft hat er auch wortwörtlich im Roman verpackt: „Wir alle sind Flüchtlinge in dieser Welt.“ Laut Gnedt flüchtet man aus vielen Gründen, aus Liebe, Hass oder aufgrund von negativen Erinnerungen. „Jeder Mensch hat seine persönliche Fluchtgeschichte erlebt. Dazu muss ich sagen: Ein Roman ist nicht Realität, aber er ist trotzdem irgendwie wahr“, verrät Gnedt.

Die sechs Hauptfiguren flüchten also, erzählen im Laufe der Handlung ihre persönlichen Geschichten, während sie zusammen im Bus sitzen. Der Bus ist allerdings nicht der einzige Schauplatz. Die Vorgeschichten der Figuren spielen sich in Griechenland, in Afghanistan, im Iran, in Österreich und in Serbien ab.

Richtig spannend wird es, wenn die Reisenden nach und nach bemerken, dass einer von ihnen eine Bombe im Bus versteckt hat. Ob das Attentat verhindert werden kann? Wer das wissen will, hat ab sofort die Gelegenheit, sich den Roman zu besorgen – in allen Buchhandlungen und natürlich auch auf der Homepage des Autors.

Erste Ideen zur Geschichte notierte Dietmar Gnedt schon im Jahr 2018. „Das sind wirklich nur Ideen, die ich niederschreibe. Das Konstrukt und die Figuren entwickeln sich. Und das ändert sich dann noch massiv“, erzählt er. Der Schreibprozess an sich ist die kürzeste und laut Gnedt auch die schönste Phase in der Entstehung eines Romans. Bei ihm läuft das nämlich wie ein Film ab. „Das Schwierige ist es, das, was in meinem Kopf passiert, auch in dieser Geschwindigkeit aufs Papier zu bringen“, sagt der Autor.

Oft hört er dabei sogar eine Hintergrundmusik. Dieses Mal war es das Vibraphon. „Nach dem ersten Durchgang ist man total glücklich. Aber nach ein paar Monaten wirkt das Ganze dann nicht mehr so toll und es wird immer und immer wieder drüber gearbeitet. So fünf bis acht Mal.“ Und das alles handschriftlich. Erst wenn die Geschichte bereit ist für das Lektorat, übertragt Gnedt sein Werk digital in den Computer.

Darauf folgt manchmal eine kleine Frustphase. Weil Fehler bemerkt werden, Verbesserungspotenzial aufgezeigt wird. Also noch einmal überarbeiten. Aber dann schickt Gnedt sein Werk zum Verlag. Dabei ist es ihm wichtig, dass der Verlag zum Roman passt.

Und passend zum Thema des Romans fließt auch der Reinerlös des Buches als Spende in die Flüchtlingsarbeit „Grenzenlose Hilfe Kremsmünster“. Darüber hinaus arbeitet er gemeinsam mit dem Schauspieler Cornelius Obonya, der übrigens auch ein Nachwort für den Roman verfasst hat, an einem Bühnenprojekt, das auf dem Roman basiert.

Obonya wird dabei auf der Bühne stehen, genauso wie Vibraphonist Tobias Meissl und zwei iranische Künstler (einer davon selbst Flüchtling und in Teheran einer der bekanntesten Schauspieler), die iranische Musik auf Originalinstrumenten spielen. Drei Aufführungen sind im Herbst in Melk, Kremsmünster und Wien geplant.