Soldat kassierte wuchtige Hiebe. Vorbestrafter Tschetschene schlug zu. Unklarheit herrscht über Grad der Verletzung.

Von Alex Erber. Erstellt am 20. Februar 2020 (17:54)
Symbolbild
APA (Symbolbild)

Jugendrichter Markus Grünberger muss beim Prozess am Landesgericht St. Pölten gequält lächeln. Je nachdem, wie man möchte, hat er „alte“ oder vielmehr „junge Bekannte“ vor sich sitzen. Angeklagt sind ein Tschetschene (21) aus Wieselburg, er wird von Justizwachebeamten in Handschellen vorgeführt, und ein Österreicher (17). Zur Seite stehen nicht nur Anwälte, sondern auch zwei Bewährungshelfer, die nur Gutes über ihre Klienten berichten.

Am 22. Dezember des Vorjahres trafen einander vier Burschen, darunter die beiden Angeklagten, am Scheibbser Bahnhof. Das Quartett wollte „relaxen“, suchte daher einen Fitnessraum auf. Mitglied in einem Klub sind sie nicht, Trainingsgewand führten die Burschen auch nicht mit sich. Aber Musikbeschallung sollte sein, weswegen man mit dem einzig anwesenden Trainingsgast in Konflikt geriet.

Der Tschetschene, kampfsporterprobt, soll dem Berufssoldaten (29) mehrere Faustschläge verpasst haben, daher muss er sich nun wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Unschuldig sei er in eine Situation geraten, die eskalierte, sagt er. Der Österreicher wiederum hat den Schlüsselbund des Mannes auf den angrenzenden Tennisplatz geschleudert. Für ihn gibt es einen glatten Freispruch, die Schlüssel wurden am nächsten Tag gefunden und retourniert, also keine „dauerhafte Sachentziehung“. Ein Gutachten soll den Grad der Verletzung des Soldaten restlos klären - Prozess vertagt.