Zwei Fälle, zwei Déjà Vus am Bezirksgericht. Zwei bereits einmal vertagte Gerichtsverhandlungen gelangten mit neuen Zeugen zum Abschluss.

Von Karin Katona. Erstellt am 21. Februar 2020 (12:08)
Symbolbild
APA/Webpic

Die Hoffnung eines jungen Mannes, durch eine neue Zeugin von dem Vorwurf einer vorsätzlichen Körperverletzung entlastet zu werden, schmolz bei der Befragung der jungen Frau in der zweiten Verhandlung der Causa auf dem Bezirksgericht rasch dahin.

Konnte diese doch Bezirksrichter Oliver Baumschlager gegenüber nur aussagen, auf dem Wieselburger Volksfest zwar eine verbale Auseinandersetzung zweier Burschengruppen wahrgenommen zu haben, nicht jedoch deren weitere Entwicklung. „Ich habe nur mitbekommen, dass geschimpft wurde und bin mit meiner Freundin weitergegangen.“ In dem folgenden Raufhandel habe der junge Mann – laut Anklage – seinem Opfer durch einen Faustschlag ins Gesicht eine Verletzung über dem Auge zugefügt.

„Ich wollte nicht, dass es zu einer Anzeige kommt. Ich habe mich sicher auch nicht richtig verhalten.“ Zeuge in einem Verfahren auf dem Bezirksgericht

In der ersten Verhandlung war die Rauferei von Zeugen und Angeklagtem recht unterschiedlich geschildert worden. „Einer aus unserer Gruppe war sehr angetrunken und ist in die anderen Burschen hineingestolpert. Daraufhin ist ein Gerangel entstanden“, hatte ein Zeuge ausgesagt. „Ich bin unschuldig, die anderen haben angefangen“ hatte der Angeklagte, ein junger Libanese, beteuert. Bezirksrichter Oliver Baumschlager kam zu einem anderen Schluss: Aufgrund der Glaubwürdigkeit der vernommenen Zeugen, die er beim Angeklagten nicht im vollen Umfang feststellen konnte, kam er zu einem Schuldspruch. Die Geldstrafe von 120 Euro, bemessen nach dem geringen Einkommen des Angeklagten, nahm dieser an.

Auch eine weitere Verhandlung am vergangenen Donnerstag war eine vertagte: Zu der ersten war der wichtigste Zeuge, das Opfer, durch einen Irrtum nicht erschienen. Er sei durch einen Security, der ihn aus einem Fest in Lunz „hinausbegleitet“ habe (Zitat des Angeklagten), verletzt worden. Eine blutende Wunde am Hinterkopf, Würgemale und ein zerrissenes T-Shirt seien die Folge gewesen. Von einem „Hinausbegleiten“ könne keine Rede sein: „Die Securities haben mich bei den Schultern gepackt. Das hat sehr weh getan. Ich habe gesagt, sie sollen mich loslassen, ich gehe eh selber.“

Einer der beiden hätte ihn draußen gestoßen und dadurch zu Sturz gebracht. Bei der Schilderung vor Bezirksrichter Oliver Baumschlager konnte sich der Zeuge an einiges allerdings nicht mehr so klar erinnern. Wie etwa das Zustandekommen der Würgemale und des zerfetzten T-Shirts: „Das muss er gewesen sein. Ich war auf dem Fest in keine andere Rauferei verwickelt.“

Dass es zu dem Vorfall gekommen sei, räumt der Zeuge ein, sei aber auch seine Schuld: „Ich habe mich sicher auch nicht richtig verhalten. Und ich wollte auch nicht, dass es zu einer Anzeige kommt.“ Für eine Schuld des Angeklagten sieht der Richter keinen eindeutigen Beweis, noch dazu, wo dieser bei der ersten Verhandlung durch seine Kollegen entlastet worden sei. Freispruch für den Angeklagten.