Direktorin Lengauer: „Träume von Schule für alle“. Seit 1. März ist die Purgstallerin Renate Lengauer Direktorin der Schule Rogatsboden. Integration ist ihr ein großes Anliegen.

Von Karin Katona. Erstellt am 04. April 2020 (04:45)
Renate Lengauer, seit März 2009 Leiterin der Allgemeinen Sonderschule Scheibbs, leitet seit 1. März dieses Jahres auch die Schule Rogatsboden.
Katona

NÖN: Warum haben Sie sich um den Schulleiter-Posten in Rogatsboden beworben?

Renate Lengauer: Weil ich eine Vision habe: eine Schule für alle Kinder. Ich glaube, dass es möglich ist, Kinder mit verschiedensten Arten von sonderpädagogischem Förderbedarf in gemeinsamen Gruppen zu unterrichten. Rogatsboden hat sich in den zehn Jahren in diese Richtung entwickelt.

„Für Kinder mitsonderpädagogischem Förderbedarf sind kleine Gruppen ohne Stress optimal. Da können sie gut lernen und sich entwickeln.“Renate Lengauer

Das sind also keine homogenen Gruppen?

Lengauer: Nein. Ich war lange Zeit Teamlehrerin im Integrationsbereich und habe gesehen, welche Chancen diese Unterrichtsform bietet.

Können nicht innerhalb der Klasse Spannungen entstehen?

Lengauer: Wenn es pädagogisch gut begleitet wird, nicht. Die Kinder sehen natürlich den Unterschied, aber sie werten nicht. Die Erwachsenen müssen mit der Situation transparent umgehen, dann verstehen es die Kinder. Und sie unterstützen sich gegenseitig.

Was ist der Unterschied zwischen Rogatsboden und Scheibbs?

Lengauer: Wir haben in Scheibbs mehr Schüler mit Volks- oder Mittelschul-Lehrplan. Das heißt, hier ist die Leistungsschiene spürbarer. Aber wir sind in einem Gebäude mit der Volksschule, was viel Gemeinsames ermöglicht.

In welche Richtung hat sich die Sonderpädagogik entwickelt?

Lengauer: In der Sonderpädagogik hat sich viel getan. In Scheibbs versuchen wir immer wieder Kooperationen mit der Volksschule und der NMS, was auch sehr gut gelingt. Wir hatten zum Beispiel ein ganz tolles Projekt mit einem Chemielehrer. Das würden wir gern wiederholen. Wir machen auch die Radfahrprüfung gemeinsam mit der Volksschule.

Warum gibt es in der ASO Schüler mit NMS- oder VS-Lehrplan?

Lengauer: Das sind Kinder, die nur in sehr kleinen Gruppen gut lernen können. In kleinen Klassen, wie etwa in Scheibbs oder Rogatsboden, kann man sie am besten fördern. Für die Pädagogen ist es natürlich eine Herausforderung, gleichzeitig Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung und Volksschüler, die Schularbeiten schreiben müssen, zu unterrichten.

Bleibt da nicht das Lernen auf der Strecke?

Lengauer: Nein. Wie gesagt, für die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind kleine Gruppen ohne Stress optimal. Und wenn auch noch ein Rollstuhlkind in der Klasse ist, wirkt das zusätzlich entschleunigend.

Dazu braucht es ausgezeichnete Pädagogen ...

Lengauer: Ich habe das Glück, dass ich ein ausgezeichnetes Team habe, sowohl in Scheibbs als auch in Rogatsboden, das mich in jeder Situation unterstützt. Die vergangenen Wochen waren gerade mit der einsetzenden Coronakrise nicht einfach. Aber alle haben an einem Strang gezogen. Was jetzt noch wichtiger ist als sonst: Wir halten einen engen Kontakt zu den Eltern – und natürlich auch zu den Kindern. Für sie ist die Schule jetzt eine wichtige Konstante, auch, wenn sie daheim sind.

Sind Sie zurzeit in der Schule?

Lengauer: Wir haben keine Kinder zur Tagesbetreuung hier, aber ich bin in meinen zwei Büros. Ich plane, wie jedes Jahr, das kommende Schuljahr. Rogatsboden feiert sein 45-jähriges Jubiläum. Wie wir das feiern, steht in den Sternen. Es wird jedenfalls ein stilles Fest sein.