Borkenkäfer: Biomasseanlagen helfen Waldbesitzern. Nach wie vor schadet der Borkenkäfer den heimischen Wäldern. Die EVN versucht laufend mit ihren Biomasseanlagen die angespannte Situation zu entschärfen, indem sie von betroffenen Waldbesitzern vermehrt schadhaftes Holz bezieht.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 16. August 2019 (09:35)
LK NÖ
Nach wie vor schadet der Borkenkäfer den heimischen Wäldern.

„Aktuell verhandeln wir sogar mit einem Lieferanten, der uns schadhaftes Holz vom Waldviertel zu unseren großen Anlagen nach Baden und Mödling liefern würde“, erzählt EVN Sprecher Stefan Zach. „Normalerweise beziehen wir nur Biomasse in einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometern. Diese Ausnahmesituation macht allerdings diesen Schritt notwendig.“

Neben der laufenden Abnahme werden derzeit immer wieder Extramengen an sogenanntem Käferholz abgenommen, so wie aktuell in der EVN Naturwärmeanlage Tulln.

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Borkenkäfer-Weibchen bohren sich zwischen Rinde und Holz und legen dort ihre Eier ab.

Angespannte Situation bei den Waldbesitzern

Mehr als die Hälfte des österreichischen Waldbesitzes ist Kleinwald mit weniger als 200 Hektar, der Großteil davon sogar unter 20 Hektar. Die Waldbesitzer sind im Nebenerwerb tätig und schlagen nur einen kleinen Teil des Holzes jedes Jahr heraus. „Und dann kommt der Borkenkäfer und frisst den gesamten Bestand. Durch die Holzentwertung und den Preisverfall verliert der Kleinbauer für mehr als 30 Jahre seine Einkunftsquelle, denn so lange dauert der Nachwuchs nach einer Aufforstung, die zusammen mit der Pflege auch wiederum kostenintensiv ist – eine existenzbedrohliche Situation.“, erzählt Zach. Noch dazu sind die Bauern gesetzlich zur Aufforstung verpflichtet.

„Die EVN schafft eine zusätzliche Abnahmeschiene für die Waldbauern und damit Verdienstmöglichkeiten in Krisenzeiten, denn wir nehmen gerade die Teile des Baumes, die stofflich nicht mehr verwertbar sind“, sagt Zach. „Der Borkenkäferbefall führt zu einer Entwertung des Holzes, Pilze sind die Folge, das Holz ist verfärbt und als Bauholz nicht mehr geeignet. Daher wird der überwiegende Teil des Baumes weder vom Sägewerk noch von der industriellen Platten- oder Papiererzeugung abgenommen. Besonders betroffen ist das Waldviertel mit seinen vielen Fichtenreinbeständen, die in den letzten Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen in Gebieten aufgeforstet wurden, wo sie nicht heimisch sind.“ Für den Waldbesitzer entscheidend sind Preis und Lieferdistanz. „Wir versuchen für unsere Geschäftspartner Absatzkontingente freizuhalten, auch im Sommer“.

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Die Larven des Borkenkäfers fressen sich durch das Holz.

Fichten und der Borkenkäfer

Probleme, genügend Biomasse zu bekommen hat die EVN nicht, denn die aktuelle Situation der Wälder, insbesondere der Fichten ist prekär. Das betrifft in Niederösterreich vor allem das Waldviertel und Teile des Mostviertels. Über viele Jahre hat der Wald stark unter Stürmen, Trockenheit, Hitze und Eisbrüchen gelitten, seine Widerstandsfähigkeit wurde beeinträchtigt. Im wahrsten Sinn ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer, der sich ausbreiten kann, wenn die Bäume geschwächt sind. „Der Borkenkäfer ist sozusagen der Sterbehelfer eines Baumes“, erklärt Zach. „Er greift zu 99,9% Fichten an, kaum Tannen oder Laubbäume, außer der Schwarm ist so intensiv, dass sie über alles herfallen.“ In Zahlen: Vom gesamten Holzeinschlag 2018 betrug der Schadholzanteil verursacht durch den Borkenkäfer, andere Insekten und Klimaereignisse über 50%. In Niederösterreich betrugen die Schadholzmengen durch den Borkenkäfer im Jahr 2014 etwa 200.000 Festmeter, 2018 waren es mehr als 3,2 Millionen.

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Mit ihren großen Biomasseanlagen möchte EVN helfen, die angespannte Situation zu entschärfen.

Wie macht der Borkenkäfer das?

Geht es einem Baum nicht gut, sendet er bestimmte Duftsignale aus. Borkenkäfer riechen das, die Weibchen bohren sich zwischen Rinde und Holz und legen dort ihre Eier ab. Die Larven bilden die charakteristischen Fraßgänge, der Saftfluss des Baumes wird unterbrochen und er kann sich nicht mehr mit Nährstoffen versorgen. Durch die Klimaerwärmung und die länger dauernden Vegetationsperioden können sich jährlich drei bis vier Generationen des Schädlings entwickeln. Aber auch Kälte schadet dem Borkenkäfer wenig, nur anhaltende Nässe reduziert die Population.