Das Leben als Begleiter am Wanderweg. Klammen, Bäche, Aussichtspunkte und noch vieles mehr verbindet der Lebensweg, ein Rundwanderweg im südlichen Waldviertel. 22 Gemeinden werden durch diesen einen Weg verbunden und laufend mit besonderen Stationen erweitert.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 19. Juni 2019 (06:07)
Waldviertel Tourismus/www.ishootpeople.at
Ein Blickfang mit Erfrischung: Das Viadukt am Weyrerteich, das Teil der Etappe 8 des Lebensweges ist.

„Wir gehen! Der Lebensweg spielt ja auch jedes Stückerl“, sagt Dieter Juster mit Blick auf den Himmel, wo sich graue Wolken zu Regen zusammengrollen. Vor ihm liegen 260 Kilometer Wanderweg. Genauer gesagt: 260 Kilometer Lebensweg.

Vor einem Jahr wurde der Ysper-Weitental Rundwanderweg und der Kremstalweg zu einem Weitwanderweg durch das südliche Waldviertel zusammengefasst. Seither ist es mehr als ein Wanderweg, mehr als Themenweg und mehr als ein Tourismusprojekt. Es sind 260 Kilometer, die im Waldviertel durchwandert werden können – von der Ysperklamm über den Bärnkopf, über Bad Traunstein und Maria Taferl. Über Höhen – nämlich 7.300 Höhenmeter insgesamt – und Tiefen.

Teilstrecke widmen sich den Abschnitten des Lebens

Wie auch im Leben, denn das ist auch das Herz des Weges: Der Lebensweg ist in 13 Teilstrecken unterteilt, die sich verschiedenen Abschnitten des Lebens eines Menschen widmen. Jede Wegetappe stellt einen Lebensabschnitt dar – von der Geburt bis zum Tod und darüber hinaus – und lädt ein, über die persönlichen Lebensphasen von gestern, heute und auch morgen zu reflektieren.

„Das ist ein Spinner!“, war der erste Gedanke von Konrad Friedl, als Dieter Juster ihn vor über zwei Jahren von dieser Idee erzählte. Nun ist er der Obmann des Vereins zur Errichtung und Ausbau des Lebenswegs. „Die Idee hat mich einfach überzeugt, da wir das Schönste vor der Haustür haben: Natur in all ihren Facetten. Eine Region zum Vorzeigen“, schwärmt Friedl.

Stationen mit Herz: Vom Wohnzimmer zur Gudenushöhle

Ob nun mit oder ohne Sinnieren über das eigene Leben: Der Lebensweg umfasst die gesamte landwirtschaftliche Vielfalt Niederösterreichs: über Stock und Stein, Wiesen und Felder. Durch zum Teil unberührte Landschaft, dichte Wälder und beeindruckende Klammen.

Neben Flüssen, Bächen und kleinen Wasserfällen. Begleitet von einer Anhäufung von Highlights: von der Ysperklamm über das Mohndorf, die Whisky-Erlebniswelt in Roggenreith oder auch die Gudenushöhle in der Nähe von Albrechtsberg. Besonders erlebenswerte Orte und Sehenswürdigkeiten sind auf der Karte mit einem Herz versehen, wie beispielsweise das „Wohnzimmer im Freien“ bei Bad Traunstein, der Herzstein in St. Oswald oder der Gipfel von Braunegg mit der neuen Aussichtsplattform.

„Über Grenzen gehen“

„Man glaubt es nicht, was sich alles auf einem Weg geballt befindet“, erzählt Juster, der erst im April den gesamten Lebensweg – „Spaziergang war das keiner“ – gewandert ist. „Ich bin ja deppert! Warum mache ich das?“, fragte sich der Initiator nicht nur einmal, als er durch Schneegestöber stapfte. Aber auch darum geht es beim Lebensweg: „Über Grenzen zu gehen“, so Juster. Wenn nicht schon über persönliche, dann um regionale, immerhin verläuft der Rundwanderweg durch 22 Gemeinden von zwei Regionen und drei Bezirken.

Da der Lebensweg in einer Achterschleife angelegt ist, gibt es keine klar definierte Einstiegsstelle, wodurch überall gestartet werden kann und sowohl einzelne Etappen als auch der gesamte Weg gegangen werden kann.

Da die Route teils durch dünn besiedelte Gebiete mit wenig Infrastruktur geht, empfiehlt Friedl eine gute Planung: Wie lange dauert es bis zum nächsten Gasthaus? Wo befindet sich ein Nahversorger? Welche Strecke muss ich zurücklegen, um die Nacht in einer Pension, einem Matratzenlager oder einem einfachen Unterstand im Freien zu verbringen? „All diese Fragen sollten vor Anbruch der Wanderung gut überlegt sein“, empfiehlt Friedl den Wanderern auf dem Lebensweg, um nicht in Eile zu kommen. Denn „die Schrittgeschwindigkeit ist das Tempo, wo die Seele nachkommt“.