Erst in der Gastro, nun am Schweißen. 6,3 Mio. Euro stehen für eine Qualifizierungshilfe für Arbeitslose im Bezirk Gänserndorf zur Verfügung.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 14. Mai 2021 (04:01)
AMS-Chef Georg Grund-Groiss, der Ausbildungsleiter der Weinviertel-Technik-Akademie, Karl Galleider, Ausbildner Andreas Schmid und Christine Höss, die derzeit die Zusatzqualifikation im Bereich Schweißzertifikate absolviert.  
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Die Corona-Pandemie zeigt enorme Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und stellt damit das Arbeitsmarktservice vor besonderen Herausforderungen. In Kooperation mit dem Land NÖ und den Sozialpartnern soll mit einer Qualifizierungshilfe für Arbeitssuchende gegengesteuert werden. Für den Bezirk stehen Budgetmittel in der Höhe von rund 6,3 Millionen Euro zur Verfügung. Die NÖN sprach mit dem Leiter des Arbeitsmarktservices Gänserndorf, Georg Grund-Groiss, über die Zwischenbilanz.

Dem Paradoxon von hoher Arbeitslosigkeit und dem Mangel an Fachkräften begegnet das AMS mit Schulungen im Bereich Technik und betriebsnahen Ausbildungen. Ein wesentlicher Stützpfeiler dabei ist die Weinviertel-Technik-Akademie (WTA). „Mit 105 offenen Stellen haben wir ein Plus von 15,4 % in Zukunftsberufen wie Maschinenbau oder Elektronik“, berichtet Grund-Groiss.

Ein Beispiel für die berufliche Neuorientierung ist Christine Höss aus Spannberg. Die 48-jährige Mutter hat ihren Job in der Gastro verloren und entschied sich für eine Ausbildung im Bereich Metalltechnik. Derzeit absolviert sie an der WTA mit Schweißzertifikaten eine Zusatzqualifikation. „Es sind schon einige Stellen in Aussicht“, blickt die Spannbergerin hoffungsvoll in die Zukunft. Sie ist eine von aktuell 477 Jobsuchenden im Programm. Bis zum Sommer sollen es 1.000 sein. Grund-Groiss betont: „Auch eine Aufschulung im eigenen Berufsbereich verstärkt die Chancen auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Nützen wir diese Zeit dafür.“ Das vorrangige Ziel ist aber, die Arbeitssuchenden in ihrem Beruf zu vermitteln, wenn dieser nachgefragt wird.

Die Hoffnung nicht verlieren und den Glauben an das eigene Können wiederfinden – daran arbeitet Veronika Hammerl in der Ressourcendiagnostik mit den Arbeitslosen. „Es ist wichtig, dass die Menschen Zutrauen zu sich selbst finden und wieder eine Perspektive haben“, so die Psychologin. Mittels Testungen werden Interessen abgefragt, aber auch kognitive Fähigkeiten aufgespürt. Eine große Herausforderung liegt in der Arbeit mit Jugendlichen, die noch keine Gelegenheit hatten, sich zu beweisen. „Hier gibt es große Versagensängste“, so Hammerl.