Gastro hat Angst vor nächstem Lockdown. Das Geschäft im Bezirk Gänserndorf geht gut. Aber: Die Delta-Variante des Coronavirus bereitet den Wirten und Gästen zunehmend Sorgen.

Von Susanne Jaritz. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:56)
440_0008_8134825_mar30darueber_marchfelderhof.jpg
Marchfelderhof-Chef Peter Großmann zeigt sich optimistisch: „Ich glaube nicht an erneute Schließungen im Herbst.“
Knotz

Es ist kein Sommer wie damals. Nach dem dritten Lockdown gibt es die allseits bekannten 3-G-Regeln für die Gastronomie. Nur wer getestet, genesen oder geimpft ist, kann in den Genuss von gastronomischer Verwöhnkultur kommen. Wer ohne Nachweis unterwegs ist und mal eben schnell auf einen Kaffee gehen oder den kleinen Hunger stillen möchte, der bleibt auf der Strecke. Mit der aufkommenden Delta-Variante machen sich aber schon wieder Zweifel an einem Herbst im Gasthaus breit. Wie geht es den Wirten im Bezirk Gänserndorf in der aktuellen Situation?

Insgesamt zeigen sie sich zufrieden mit der Gästefrequenz. Geschäftsführer und Haubenkoch Georg Kruder vom Gasthaus „Zum Grünen Baum“ in Zistersdorf meint: „Das Geschäft läuft endlich wieder gut – das spürt man auch bei den Lebensmittel-Zulieferungen.“ Bis zum 15. Mai sei es sehr schleppend gegangen, aber seit zwei Wochen hätte man die gewohnt hohe Kundenfrequenz wieder erreicht. Jedoch sei die Unsicherheit durch ständig neue Regierungsmeldungen groß und die Sorge bei den Gästen spürbar, so Kruder.

„Gäste fragen, ob sie kommen dürfen“

„Die Angst vor der Delta-Variante und einem erneuten Lockdown ist wieder im Kommen.“ Auch bei den Veranstaltungen merke man dies. Die Leute sind vorsichtiger beim Planen und dadurch gibt es auch weniger Feiern. „Die Gäste fragen, ob sie überhaupt kommen dürfen und, wenn ja, wie viele Personen“, erzählt der Wirt.

Geschäftsführer Peter Großmann vom Deutsch-Wagramer Marchfelderhof zeigt sich durchwegs optimistisch: „Die Stimmung bei den Gästen ist sehr gut und grundsätzlich ist die Normalität der Jahreszeit entsprechend zurückgekehrt. Auch die Veranstaltungen laufen wieder gut an.“ Zwar reden die Gäste über Verschärfungen und über die Angst vor einem erneuten Lockdown, doch Großmann glaube nicht an erneute Schließungen im Herbst. Alle seien gierig darauf, das Leben zu genießen: „Sie halten sich einfach konsequent an alle neuen Regeln.“

Auch Karin Braun vom Gasthaus Binder in Orth ist geschäftlich zufrieden: „Es geht uns sehr gut. Unsere Gäste sind ältere Stammkunden, die alle geimpft sind, und wir sind auch streng beim Einhalten der Regeln.“ Nur Veranstaltungen mache sie keine mehr, denn sie sei mit dem gut laufenden Tagesgeschäft zufrieden genug. „Alles andere bringt nur weitere Probleme“, so die Wirtin.

Das Personalthema ist schon etwas differenzierter zu betrachten. Braun zeigt sich hier verzweifelt: „Das größte Problem ist der Personalmangel. Obwohl wir mit angefangen 1.300 netto inklusive Kost und Logis für eine Hilfskraft sehr gut bezahlen, findet sich absolut niemand.“ Es werde vonseiten der Regierung zu wenig Druck auf jene gemacht, die sich durch Corona krank gemeldet haben und nun wegen des Kündigungsschutzes nicht mehr zurückkehren. „Die meisten nutzen die Situation aus und mein Team macht ständig Überstunden“, so Braun. „In der letzten Augustwoche müssen wir zusperren, damit das Personal Stunden abbauen kann.“

Auch Kruder ist unzufrieden mit der Situation: Es sei ganz schwierig, neues Personal zu bekommen. Er und seine Frau Angelika seien froh, dass eine von 15 Bewerberinnen bei ihnen angefangen habe, denn: „Corona ist einerseits ein Unsicherheits-Faktor und andererseits verdient man in der Branche ohnedies nicht mehr so gut wie einst.“ Aber: Grundsätzlich sind sie mit den Förderungen der Regierung zufrieden. „Wenn man auf andere Länder schaut, wo gar keine staatlichen Hilfen geflossen sind, dann stehen wir sehr gut da“, so Kruder. Großmann hingegen erklärt, dass es ihm nicht an Personal mangele, da er alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und mit voller Brigade wiedereröffnet habe.

Nun ist es so, dass man für die Überprüfung der 3-G-Nachweise einen eigenen Kontrolleur braucht. Kruder meint, dass dies durch den Personalmangel eine Herausforderung sei, jedoch habe man die Kontrollen trotzdem gut im Griff. Durch die vielen geimpften Stammgäste müsse er nur die Laufkundschaft überprüfen und es kam noch nie zu Organstrafmandaten. Karin Braun denkt ähnlich: „Ich betrachte die Regeln als sehr positiv und habe damit gar kein Problem. Viel schlimmer war es, bei 40 Grad mit Maske herumzulaufen – das wünsche ich niemandem.“

Um dem fehlenden Tourismus entgegenzuwirken, hat der Marchfelderhof seine Öffnungszeiten ausgedehnt. So ist nun von Montag bis Sonntag durchgehend offen. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Wir agieren und reagieren und empfangen alle und alles mit offenen Armen“, so Großmann.

Umfrage beendet

  • Muss die Einhaltung der Corona-Regeln in der Gastronomie strenger kontrolliert werden?