Pendlerinnen starteten Nordbahn-Petition. Besorgte Zugfahrerinnen nehmen die ÖBB ins Visier und fordern Verbesserungen im Bahnverkehr. Die ÖBB kontern.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 21. August 2019 (03:34)
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Elvira Führer aus Bernhardsthal (Bezirk Mistelbach) und zwei weitere Betroffene mit den Unterschriftenlisten: Sie versuchen, die ÖBB mittels Petition zum Einlenken zu bewegen und die Zugfahrpläne auf der Nordbahn anders zu gestalten.

In Hohenau und Umgebung machen genervte Zugfahrerinnen ihrem Ärger Luft. Sie starteten eine Petition. Die Forderungen: Schnellere Verbindungen von Bernhardsthal über Hohenau nach Wien, bei denen nicht bei allen Bahnhöfen gehalten wird. Die Regionalzüge ab/bis Gänserndorf sollen auch nicht in Wien an allen Bahnhöfen halten.

„Die Fahrzeit von Bernhardsthal zum Hauptbahnhof beträgt derzeit eineinhalb Stunden. Eine Fahrt von Gänserndorf zum Hauptbahnhof dauert 40 Minuten“, sagt Elvira Führer, Initiatorin der Unterschriften-Sammlung. „In den einwohnerschwachen Gemeinden wie Sierndorf, Jedenspeigen, Stillfried und Tallesbrunn hält die Schnellbahn, da müssen die Regionalzüge nicht zusätzlich dreimal vormittags und dreimal nachmittags stehenbleiben“, findet die Bernhardsthalerin.

Bereits im November des vergangenen Jahres habe sie 1.300 Unterschriften im Bezirk Mistelbach gesammelt und dem damaligen Verkehrsminister übergeben – leider erfolglos. Laut ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif ist das aber nicht so einfach: „Ein Streichung von Halten würde bedeuten, dass für die dazwischenliegenden Orte lediglich ein Zug pro Stunde nach Wien verkehrt.“ Strasshof und Deutsch-Wagram seien zudem mit jeweils rund 10.000 Einwohnern starke Pendlerstädte, die entsprechend angebunden werden müssten.

Führer habe hingegen vor Kurzem längere Zeit am Bahnhof Deutsch-Wagram verbracht. Sie sagt, in die Schnellbahn seien kaum Passagiere eingestiegen.

Bis 7. September kann unterschrieben werden

Sie habe sich mit ihren Forderungen auch an die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden gewandt. In einigen Gemeindeämtern, aber auch via Online-Petition bestehe nun bis 7. September die Möglichkeit zum Unterschreiben.

Die Initiatorin kritisiert zudem, dass Züge bei Verspätungen vorzeitig wenden würden. Diesbezüglich kann Seif aber Entwarnung geben: „Dieses vorzeitige Wenden erfolgt nicht mehr, da bei größeren Verspätungen bzw. Ausfällen einer dieser Züge ein Ersatzzug ab Floridsdorf in Fahrplanzeitlage geführt wird.“

An dem Stopp an allen Bahnhöfen in Wien, der von Führer ebenfalls kritisiert wird, gibt es aber offenbar nichts zu rütteln: „Auf der Stammstrecke im Stadtgebiet von Wien halten die Züge immer in allen Haltestellen – alle drei Minuten fährt hier ein Zug“, erklärt Seif. Dies sei notwendig, um die Fahrgastströme bewältigen zu können.