Knalleffekt: S8 steht vor dem Aus. Bundesverwaltungsgericht dürfte der geplanten Marchfeld-Schnellstraße eine Abfuhr erteilen. Das Urteil wird in den kommenden Wochen bekannt gegeben.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 25. Februar 2020 (09:27)
Die geplante S8: 14,4 Kilometer lang, 310 Millionen Euro teuer. Der angestrebte Baubeginn war 2021.
Asfinag

Auch wenn das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erst in den kommenden Wochen bekannt gegeben wird, sieht es jetzt schon danach aus, dass die Marchfeld-Schnellstraße S8 zwischen Süßenbrunn/Raasdorf und Gänserndorf in der geplanten Form nicht gebaut werden darf. Grund: Im Trassenbereich lebt der vom Aussterben bedrohte Triel (Vogel).

Wie die NÖN berichtete, wurde das Projekt aufgrund zahlreicher Einwände von Umweltschützern und betroffenen Anrainern beim Bundesverwaltungsgericht verhandelt. Am Donnerstag wurde die zweitägige Verhandlung abgeschlossen. Das Gerichtsgutachten fiel negativ aus – durch die Errichtung der S8 wäre die Fortpflanzungsstätte des Triels betroffen. Die Bitte der Asfinag, weitere Fristen zu bekommen, um zusätzliche Unterlagen vorzulegen, wurde vom Gericht abgelehnt.

Die Umweltschützer fühlen sich nun bestätigt. Jurrien Westerhof, der beim WWF Österreich für die Marchregion zuständig ist: „Wir fordern jetzt umwelt- und klimafreundliche Alternativen mit mehr öffentlichen Verkehrsmitteln und Radwegen.“ Und weiter: „Wo bleiben die gut getakteten und pendlertauglichen Busverbindungen? Wo sind im großteils völlig ebenen Marchfeld die Radwege?“

"Leidtragende sind die Bewohner des Marchfelds" VP-Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko

Verärgert über die Entscheidung des Gerichts zeigt sich indes das Land NÖ. VP-Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko: „Die Leidtragenden der andauernden Verzögerung sind die Bewohner des Marchfelds. Jeder Tag mehr im Verfahren bedeutet einen weiteren Tag mehr an verminderter Lebensqualität durch Abgase und Lärm des Durchzugsverkehrs.“ Gleichzeitig werde die wirtschaftliche Entwicklung der Region weiter gehemmt und Arbeitnehmer zum Auspendeln gezwungen.

Das Land stehe zu 100 Prozent hinter dem Projekt. „Wir haben in den letzten Jahren unsere Vorarbeiten im Straßenbau geleistet und gehen davon aus, dass man seitens der Asfinag und des Verkehrsministeriums auch alles für die weitere Umsetzung tun wird.“

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