Probstdorfer Saatgutproduzent züchtet für die Zukunft. In Probstdorf wird an Saatgut getüftelt, das künftigen Herausforderungen gewachsen sein soll.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 23. August 2019 (05:56)
Havranek
Stationsleiter Andreas Fleck und Geschäftsführer Johann Birschitzky (v.l.) untersuchen Wintergersten-Körner.

Beinahe jedes Jahr werden die Landwirte aus dem Marchfeld mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die es zu meistern gilt – seien es Schädlinge wie der Rüsselkäfer oder die Maus, Pflanzenkrankheiten oder Wetterkapriolen durch den Klimawandel. Nicht für alle diese Probleme gibt es Lösungen.

Die „Saatzucht Donau“ mit Sitz in Probstdorf versucht aber, zumindest auf einige der Fragen durch Kreuzung, Züchtung und Selektion Antworten zu finden. Die NÖN besuchte Geschäftsführer Johann Birschitzky, der einen Überblick über die Abläufe bei der Züchtung neuer Sorten gibt.

Im Jahr 2000 beschlossen zwei der drei größten österreichischen Saatgutproduzenten, die „Probstdorfer Saatzucht“ und die „Saatbau Linz“, ihre Züchtungs- und Forschungstätigkeiten zu bündeln und in einer Tochterfirma – der „Saatzucht Donau“ – zusammenzulegen. „Um mit der Konkurrenz aus der EU mithalten zu können“, verrät Birschitzky. „Die kostenintensiven Bereiche ‚Forschung‘ und ‚Züchtung‘ wurden zusammengelegt und die Ressourcen gebündelt, der Vertrieb läuft weiter über beide Kanäle.“

Seitdem wird an zwei Standorten – in Reichenberg in Oberösterreich und eben in Probstdorf – an neuen Sorten für die Kulturen Weizen, Durumweizen, Wintergerste, Triticale, Soja und Raps getüftelt. In Probstdorf sind dafür 25 Mitarbeiter fix angestellt, in den Sommermonaten steigt der Personalstand durch Praktikanten auf etwa 45.

Zweite Soja-Erntesaison praktisch

Die klimatischen Verhältnisse der Standorte sind unterschiedlich – während in Probstdorf durchschnittlich 500 mm Niederschlag pro Jahr fallen, sind es in Reichersberg 300 mm mehr. Außerdem werden durch Kooperationen mit Landwirten auch in anderen österreichischen Regionen, in ganz Europa sowie teilweise sogar in Süd- und Mittelamerika Felder mit „Saatbau-Donau“-Samen bepflanzt.

„Speziell in der Soja-Züchtung ist es praktisch, dass man quasi eine zweite Erntesaison auf der Südhalbkugel einschieben kann“, erklärt Birschitzky. Bei Getreide sei das aufgrund der längeren Vegetationszeit (bei Winterungen bis zu zehn Monate, bei der Sojabohne sind es fünf) nicht möglich.

Saatzucht Donau
Bei der Kreuzung von Getreide wird akribisch mit winzigen Werkzeugen gearbeitet.

Deswegen dauert es auch ganz schön lange, bis eine neue Sorte auf den Markt kommen kann, berichtet Birschitzky: „Bei Soja dauert es etwa sieben Jahre, bis aus einer Kreuzung eine neue Zuchtform entsteht, beim Getreide sind es sogar zehn Jahre.“

Birschitzky skizziert den Prozess: „Zuerst erfolgt die Kreuzung zweier Elternsorten, die zuvor wegen ihrer positiven Eigenschaften – wie Qualität, Ertrag, Krankheits- oder Hitzetoleranz – ausgewählt werden. Dann erfolgt die Selektion, das heißt es werden über bis zu sieben Jahre sozusagen die ,besten‘ Nachkommen, also jene, die die erwünschten Eigenschaften am stärksten zeigen – ausgewählt und weitergezüchtet.“ Erst dann startet – ausgehend von einer Menge von ein bis zwei Tonnen – die Saatgutproduktion.

„Ständig neue Sorten, die andere verdrängen“

Nach insgesamt sieben bis acht Jahren werden die besten Stämme bei der AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) zur amtlichen Zulassungsprüfung eingereicht, die zwei bis drei Jahre dauert. „Ist diese erfolgreich, muss noch das Bundesamt entscheiden, ob die neue Sorte eine Verbesserung zum bestehenden Sortenmaterial darstellt“, so Birschitzky. Nach etwa 15 Jahren sei die Lebensdauer einer Sorte dann meist erreicht: „Wie bei Smartphones – es gibt ständig bessere Sorten, die andere verdrängen. Und auch die Krankheitserreger oder Umweltbedingungen ändern sich.“

Die größte Herausforderung, die der Klimawandel mit sich bringt, ist dabei die Hitzeresistenz der Kulturen: „Trockenheit ist ein nicht ganz so großes Thema, da Prognosen sagen, dass der Niederschlag nicht so stark zurückgeht, sondern sich die Verteilung ändert, es also längere Trockenphasen gibt.“

Eine immer wichtigere Kultur ist die Sojabohne. Der Bedarf steigt einerseits durch den Trend zu vegetarischer/veganer Ernährung und andererseits als Tierfutter. „Die wenigsten Konsumenten wissen, dass das konventionell gefütterte Schwein, aus dem unser Schnitzel gemacht wird, mit bis zu 15 Prozent genverändertem Soja gefüttert wurde, für das vielleicht auch noch Regenwald gerodet werden musste“, bemerkt Birschitzky.

Ein großes Ziel sei es daher, von der starken Importabhängigkeit von amerikanischem Gen-Soja wegzukommen und mehr Soja aus Europa produzieren zu können.