Marchfelder Spargel wird zum YouTube-Star. Landwirte vermarkten ihr grün-weißes Gold auch mit YouTube-Filmen.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 27. März 2020 (05:32)
Gemeinsam mit Gourmet-Koch Simon Kotvojs feilen Oliver (l.) und Philip Brandenstein (r.) am Feld an neuen Spargel-Rezepten.Rita Newman
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Spargel hat die Bauern im Marchfeld schon immer fasziniert. Aus ein paar hundert Pflanzen ist in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten ein Vielfaches mehr geworden. Heute zählen grüner und weißer Marchfeldspargel zu Österreichs kulinarischer DNA .

Seit 1996 ist der exakt 22 cm lange Marchfeldspargel EU-weit als eine „geografisch geschützte Angabe“ (g.g.A.) registriert – ein Gütesiegel, mit dem die Marchfelder Spargelbauern das grün-weiße Gold aus der Erde ihrer Heimat für künftige Generationen bewahren wollen.

Mit dem Gütesiegel „g.g.A.“ dürfen sich exklusiv Erzeugnisse schmücken, die in einem genau abgegrenzten Gebiet und nach einem bestimmten Herstellungsverfahren produziert werden und die aufgrund ihrer Herkunft besondere Eigenschaften und Qualitäten aufweisen.

Somit zählt Spargel aus dem Marchfeld wie Champagner, Prosciutto di Parma oder Steirisches Kürbiskernöl zum erlesenen Kreis der ausgewählten Spezialitäten in Europa. Die strengen Regeln verlangen von den Spargelbauern eine penible Herkunftsdokumenta tion, auch die geschichtliche Entwicklung des Produkts muss aufgezeichnet sein. Der Marchfeldspargel g.g.A. gehört daher zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln Europas.

Ursprünglichkeit und High-Tech kombiniert

Auf den Äckern ist aller Ursprünglichkeit zum Trotz High-Tech eingezogen. Mittels GPS-Sendern werden die Setzlinge zentimetergenau in Reih‘ und Glied gepflanzt, und auch die Temperatur des Bodens, entscheidend für die Ernte, wird heutzutage elektronisch gemessen. Die Marchfelder Spargelbauern bekommen diese direkt auf ihr Handy gemeldet. Insgesamt 500 Grad müssen in einer Tiefe von exakt 20 Zentimetern zusammenkommen, damit aus einem 70 Gramm leichten Setzling eine Spargelpflanze mit fünf Kilo schwerem und bis zu zwei Meter tief reichendem Wurzelwerk wird. Zwei Jahre dauert es, bis der erste Spargel geerntet werden kann.

Mittels unterschiedlicher Folien können die Marchfelder Spargelbauern die Temperatur des Bodens regulieren und damit den Beginn der Ernte je nach Witterung und Reifegrad des Spargels verschieben. Die weithin sichtbaren – und recycelbaren – Folien schützen den Boden zudem vor dem Austrocknen und vor Schädlingen.

Während anno dazumal der Johannitag, also der 24. Juni, das Ende der Saison markierte, ziehen die meisten Spargelbauern die Ernteperiode vor, damit sich der Boden für das nächste Jahr wieder regenerieren kann. „Wie früher, nur besser – so lautet der Slogan. Und der stimmt auch, da wir in den vergangenen Jahrzehnten viel gelernt haben und verbessern konnten. Unsere Kampagne zeigt, warum Mensch und Spargel tief in der Region verwurzelt sind. Ein weiteres Anliegen unsererseits ist, ein Bewusstsein für das Thema Regionalität und Saisonalität zu schaffen“, so der Obmann des Vereins, Werner Magoschitz.

Für die Umsetzung einer neuen Kampagne – auch mit Videos auf YouTube – konnten die Marchfelder Spargelbauern auch zwei Gourmet-Köche, eine Reisebuchautorin, eine typische Marchfelderin und einen langjährigen Erntehelfer begeistern.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine Vielfalt filmischer Porträts von Menschen, die mit und vom Marchfeldspargel leben oder diesen einfach nur gerne essen. Filme, Infos und Kontakt zum Spargelbauern in der Nähe gibt es im Internet unter www.marchfeldspargel.at und https://www.youtube.com/channel/UCzwzJOwiJfTmG1uGw7J5elw.