Friedensgasse: Kein Ende des Streits in Sicht. Konflikt zwischen Anrainern und „Schönerer Zukunft“ bzw. Gemeinde könnte Fall für Gericht werden.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 15. Februar 2020 (15:46)
Seit letztem Mittwoch stehen in der Friedensgasse vier Bäume weniger. Die Initiative „Zistersdorfer in Sorge“ fordert Neu-Pflanzungen.
Heberling

Schauplatz Friedensgasse. Im Kampf um das Grundstück, auf dem ein Wohnhaus der „Schöneren Zukunft“ entstehen soll (die NÖN berichtete), ist eine weitere Runde eingeläutet worden: Letzten Mittwoch wurden vier Bäume gefällt. VP-Bürgermeister Helmut Doschek hat die Fällung angeordnet, um zu verhindern, dass sich in den Bäumen Vögel einnisten, was mit weiteren Verzögerungen einhergehen könnte. Experten waren dabei vor Ort.

Ronald Heberling und Heribert Artner von der Initiative „Zistersdorfer in Sorge“ sind erbost über die Baumfällung. „Wir fordern sofortige neue Baumpflanzungen in diesem Park“, richten sie aus. Nicht einverstanden sind die Gegner des Wohnprojektes zudem mit den Darstellungen der „Schöneren Zukunft“ in der letzten NÖN-Ausgabe: Die Wegesanierungen halten Heberling und Artner für alles andere als „technisch einwandfrei“.

Angefangen habe das damit, dass die Kostenfrage zu Beginn der Arbeiten nicht geklärt war, schlussendlich hat die „Schönere Zukunft“ die Kosten übernommen. Zudem habe die Baufirma anfangs ohne Bewehrungseisen und mit „Baumit Trockenbeton 30“ arbeiten wollen. Letzter ist laut Produktblatt nicht für die Verwendung bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius geeignet. Laut Heberling und Artner war es kälter. Schlussendlich habe die Baufirma zwar Baustahl verwendet, doch insgesamt ist „Zistersdorf in Sorge“ dennoch unzufrieden. „Der Hausgemeinschaft wäre ein professionell durchgeführtes Gesamtkonzept lieber gewesen, als ein ‚Fleckerlteppich‘“, so die Betreiber der Initiative.

Abwanderungsstopp hat Priorität

Sie sind nicht nur gegen den geplanten Wohnbau, da durch ihn Grünraum verloren gehe, sondern sehen das Projekt insgesamt als nicht notwendig. Künstler Heberling und „Hausvertrauensmann“ Artner sind sich nämlich sicher, dass in Zistersdorf viele Wohnungen leer stehen. Für die Abwanderung machen sie das „Fehlen öffentlichen Verkehrs“ verantwortlich. „Zistersdorf ist die einzige Stadt im Bezirk ohne Bahnanschluss“, sagen die beiden.

Für Doschek hat der Abwanderungsstopp Priorität, er bezeichnet das Vorgehen der Projektgegner als „Verzögerungstaktik“. Diese werden voraussichtlich einen Gerichtsstreit mit der Stadtgemeinde und der Wohnbaufirma „Schönere Zukunft“ austragen. Der Grundverkauf sei derzeit nämlich noch nicht abgeschlossen, da die Anrainer im bestehenden Wohnhaus Wegerechte auf dem benachbarten Bauland einfordern. Im Grundbuch seien keine derartigen Rechte eingetragen.