Coronazeit: Muttertag heuer kein Feiertag. Voll berufstätig, alleinerziehend, Eltern in „Risikogruppe“: eine schwere Übung.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. Mai 2020 (04:33)
Der Muttertag war angesichts der coronabedingten Begleiterscheinungen heuer nicht für alle Mütter ein Festag…
Wodicka

Beraterinnen hatten in der vorigen NÖN die wachsende Kluft bei der Rollenverteilung zwischen Frau und Mann am Schnittpunkt zwischen Job und Familie in Coronazeiten beschrieben. Was aber, wenn die Rolle durch einen bereits alleinerziehenden Elternteil klar definiert ist?

Voll berufstätig, Lehrerin, Mutter

Unter einer solchen Konstellation leide die Lebensqualität des Elternteils und auch der Kinder massiv, sagt zum Muttertag eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder aus dem Raum Schrems der NÖN. Die nebenan wohnenden Eltern gehören der „Risikogruppe“ an, der Kontakt ist noch auf ein absolutes Minimum reduziert. „Gäbe es nicht das gute Einvernehmen mit meinem Ex, der es sich aber auch nicht immer einteilen kann, dann wäre es manchmal kaum zu schaffen.“

Im Job ist die Arbeiterin, die anonym bleiben will, vor drei Wochen zu Vollzeit zurückgekehrt. Wenn sie frühmorgens das Haus verlässt, schlafen die Kids noch, sie müssen alleine frühstücken und sich für die Volksschule bzw. erste Mittelschul-Klasse herrichten. Wenn die Kids zurückkommen, ist die Mutter noch in der Arbeit.

Wurzelziehen dank Youtube

Kommt sie heim, heißt es bis zum Abend Unterricht nachholen, bei Aufgaben helfen, den Haushalt schupfen, das Essen für den nächsten Tag vorbereiten. Der Wissensgewinn in der Schule sei gering: „Die Betreuung ist mehr Beaufsichtigung.“ Der Stoff müsse zuhause vermittelt werden. „Ich muss das Bruchrechnen oder Details am Computer erklären, bei denen ich mich selbst nicht wirklich auskenne. Ich bin ja kein Lehrer, der das gelernt hat“, sagt die Mutter.

Dem Kind einer Bekannten sei von der Schule ein Youtube-Video mit Anleitung zum Wurzelziehen gemailt worden, „da fragt man sich, wozu es die Schule braucht“.

Vor allem: „Es wird angenommen, dass jeder alles vom Internet über den Drucker bis zum Scanner hat.“ All das sei nötig, um manche Aufgabe zu erfüllen und zurückzuschicken. Viel laufe schulisch über Computer und Internet – Dinge, deren Nutzung die Mutter eher einschränken wollte. Den Kids stehe das tägliche Programm bis gut 18 Uhr bereits zum Hals, „irgendwann wollen sie nicht mehr, es sind eben Kinder, die lieber ihre Freunde treffen würden…“

ÖGB-Frantes: „Die Verzweiflung steigt“

Einfach sei es derzeit für keine Mutter, sagt ÖGB-Frauenvorsitzende Gabriela Frantes, alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen.

Die Verzweiflung steige. Manche Mutter könne nach einer Nachtschicht nun auch nicht mehr ausschlafen, daran ändere auch die nahende Schulöffnung wenig – bei mehreren Kindern werde die Sache eher komplizierter, weil Unterrichtszeiten nicht abgestimmt sind.

Zurück zur Schule macht es nicht einfacher

Im Fall der alleinerziehenden Mutter aus dem Raum Schrems sieht das etwa so aus: An einer Schule stehen wochenweise wechselnd zwei bzw. drei Tage Unterricht und zwei bzw. drei Tage „Home Schooling“ an (oder reine Betreuung ohne Unterricht), an der anderen Schule wird jeden zweiten Tag unterrichtet. Auch das nur vorübergehend, dann kommen ja die Ferien. Sie hofft, dass der Unterricht zumindest einen Monat in die Ferien verlängert oder eine andere Option gefunden wird, bei der die Kids auch etwas lernen.

Auf eine Stundenreduzierung im Job will sie es kaum ankommen lassen, andere Alternative fällt auch theoretisch keine ein…