Fotografen: Heiße Phase ist sehr dürr. Erst Verbot, jetzt ausbleibende Feste – vielen Fotografen geht es auch im Bezirk derzeit ans Eingemachte.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 14. Mai 2020 (04:50)
Niemand steht vor der Kamera. Mittlerweile dürften die Fotografen wieder Shootings vornehmen, die Lust darauf ist in der Bevölkerung aber noch nicht überall wirklich da.
shutterstock.com/ New Africa

Für Fotografen beginnt im Mai die heiße Phase im Jahr. Da starten die Hochzeiten, Erstkommunionen und Firmungen. Der Kalender ist normalerweise dicht gedrängt. Aber heuer ist kein normales Jahr – die Corona-Pandemie hat alles im Griff.

Festivitäten finden auf Monate hinaus nicht statt – und wenn, dann nur klein. Ihrem Geschäft dürften die Fotografen seit 2. Mai wieder nachgehen – unter Hygieneauflagen, aber das wäre nicht das Problem. Die Nachfrage ist aktuell zu gering.

„Im Geschäft ist es sehr ruhig. Hin und wieder holt jemand etwas ab, vereinzelt brauchen Leute Passbilder. Aber Laufkundschaft gibt es keine“, schildert Brigitte Bouroyen, Fotografenmeisterin aus Gmünd. Shootings dürfen nur im Sicherheitsabstand stattfinden, der Fotograf braucht eine Maske.

„Ich darf auch etwa den Kunden nicht berühren, ihm eine Pose zeigen“, sagt der Heidenreichsteiner Fotografenmeister Erhard Hois. Spannend könnte die Schulfotoaktion werden. „Aktuell wäre ein Klassenfoto nicht realisierbar“, sagt der Weitraer Fotografenmeister Robert Lindtner.

Gutes Passjahr wurde Flaute

Passbilder wären aufgrund der vielen auslaufenden Reisepässe heuer ein Hit gewesen. „Bis Mitte März war es das zweitbeste Passfoto-Jahr in den 22 Jahren meiner Selbstständigkeit“, betont Hois. Durch Corona ist das Geschäft eingeschlafen. Man darf seit 2. Mai wieder fotografieren. Aber durch die Reisebeschränkungen haben viele Leute keine Eile mehr bei der Pass-Verlängerung.

Keine Feste, kaum Unterstützung

Heidenreichsteiner Fotograf Erhard Hois: „Praktisch ein Totalausfall.“
privat

Auch Hochzeiten, Erstkommunionen und Firmungen – ein Garant für umfassende Fotoserien – fallen weitgehend aus, wurden auf 2021 verschoben. „Das ist praktisch ein Totalausfall“, sagt Hois. Verschiebungen sind nicht einfach, da es oft zu Terminkollisionen kommt.

„Wir hängen komplett in der Luft“, formuliert er die Existenzängste vieler Berufskollegen. „Wenn in Folge der Krise die Sozialleistungen gekürzt werden, spüren wir das auch. Niemand muss zum Fotografen gehen. Das ist etwas, das man sich leistet. Aber da hängen Existenzen dran. Und die Unterstützung ist ein Witz. Bei mir machen die Fixkosten im Geschäft 1.000 Euro aus, und genauso viel Unterstützung habe ich bekommen. Wie soll denn das gehen? Ich muss ja leben auch.“ Der Staat könne den EPU und KMU für einen Monat die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, überlegt Lindtner. „Das wäre relativ einfach zu machen, ohne großen bürokratischen Aufwand. Und es bringt was, im Gegensatz zur Stundung.“

Zweites Standbein mit Schlagseite

Gar keine Unterstützung gibt’s für diejenigen, die Fotografie als zweites Standbein nutzen. „Mit den Hochzeiten ist mein Hauptgeschäft komplett weggebrochen“, sagt der Gmünder Fotograf und Versicherungsberater Alexander Tanzer. „Und ich glau-be nicht, dass wir heuer noch große Hochzeiten erleben werden. Mit fehlen einige tausend Euro dadurch.“

Das spürt auch der fotografierende Gramettner Polizist Christian Freitag, dem zudem Veranstaltungsfotos – auch häufig im Auftrag der NÖN – wegfallen: „Immerhin laufen die Pärchen- und Familienfotos fast weiter wie vorher. Ich fotografiere alles outdoor, es gibt kein Problem.“

Tanja Poiß aus Unserfrau: „Nachfrage ist wieder groß.“
Photo.Tanja

Auch bei Tanja Poiß aus Unserfrau ist die Nachfrage wieder gut angerollt. „Durch das Verbot im März und April ist einiges ausgefallen, wir konnten aber vieles nachholen“, erzählt sie. „Bei manchen sind es dann Newborn-Shootings geworden.“ Kinder- und Familienfotos sind ihr Metier – aktuell geht das nur draußen. „Mir gefällt die Kulissenfotografie im Studio. Aber bei mir im Heimstudio ist es einfach zu eng, um alle Vorgaben einzuhalten“, sagt Poiß.

Alternativen

Einige Fotografen nutzen die freie Zeit auch dafür, länger gehegten Leidenschaften nachzugehen. Christian Freitag hat jetzt wieder etwas mehr Muße etwa für Landschaftsfotografie. Brigitte Bouroyen spielt mit Porträtfotografie: „Man muss sich ein bisschen Anreize schaffen. Aber im Endeffekt ist es halt schwer, weil man nicht weiß, wann es weitergeht.“