Autor Thomas Sautner: Vom Waldviertel ins Sonnensystem. Über Liebe, Quantenphysik und die Galaxie: „Die Erfindung der Welt“ von Thomas Sautner.

Von Johannes Bode. Erstellt am 25. Februar 2021 (12:56)
Der 1970 in Gmünd geborene Autor Thomas Sautner.
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Am Anfang beauftragte Gott die Schreibenden, die Welt zu erfinden. Denn: Am Anfang war das Wort. Im neuen Roman von Thomas Sautner beauftragt ein gewisser „G.“ die Schriftstellerin Aliza Berg, einen Roman über das Leben zu schreiben – anhand dessen, was sie in der Gegend um „Litstein“, einem Gebiet nahe der tschechischen Grenze, über das Leben erfährt. Nur: Da ist nicht viel außer Wald. Oder ist da alles? Eine Frage, die Sautner, der in Wien und im Waldviertel lebt, natürlich zu beantworten weiß. Es ist sein bereits achter Roman.

In „Die Erfindung der Welt“ meint „G.“, Literatur müsse auf das Größte aus sein, also auf das Leben als Ganzes. Mittels des bewährten Kunstgriffs, eine fiktive Autorenebene einzuführen, reflektiert Sautner über Literatur und Schreibprozesse. Wie in dem 2019 erschienenen Roman „Großmutters Haus“ kommt auch im neuen Roman erst mal viel Geld an: Aliza Berg wird für ihren Auftrag von „G.“ bezahlt. Mit einer gewissen finanziellen Sicherheit ausgestattet, können sich die Protagonistinnen leichter in Recherchen oder Naturerkundungen verlieren. Wer kann schon frei das Leben erforschen, wenn er unter ökonomischen Zwängen lebt?

Welche Welt erschaffen?

Sautner, so hat man den Eindruck, versucht, die Welt nur in schönen, guten Worten neu zu erschaffen, wie eine Figur im Roman selbst formuliert. Aliza Berg fährt nach „Litstein“ und kommt bei den „Hohensinns“, einer ehemaligen Adelsfamilie, unter. Die weltoffene Elli und besonders der schrullige Leopold geben viel Material her.

Thomas Sautner: Die Erfindung der Welt. Picus Verlag, ISBN: 978-3-7117-2103-7, 408 Seiten.
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Ein Motiv Sautners kehrt auch in diesem Buch wieder: In „Lit stein“, wo wohl steinreiche Literatur entstehen kann, passieren alle relevanten Ereignisse im Wald. Das ist eine zutiefst romantische Vorstellung, die sich auch zum Teil in den Figuren widerspiegelt: Neben der Masse Menschen, die ihr Leben eher verwalten als leben, gibt es einige Persönlichkeiten, durchaus auch Außenseiter, die in ihrem Leben nach „universeller Vollständigkeit“ streben. Wie schön wäre es, das Leben auf eine „Weltformel“ herunterbrechen zu können. Sautner begegnet dieser größenwahnsinnigen Überlegung durchaus auch mit „philosophischem Humor“.

Das Waldviertel bzw. die Gegend um „Litstein“ wird zwar dank der schönen und trotzdem unkitschigen Naturbeschreibungen greifbar, sonst erfährt man aber nicht viel: Die Region ist von wortkargen Menschen bevölkert, die noch „Herrschaft“ zu den Hohensinns sagt.

Zu welcher Wahrheit wird hier vorgedrungen?

Es geht um ein begreifen jenseits der rationalen Logik, in der es auch mehr als eine Wahrheit geben kann – und natürlich auch eine fiktive: „Alles ist eins“, so die Theorie, mit der Sautner die Brücke vom Buddhismus bis zur Quantentheorie schlägt. Schlussendlich muss die Liebe ins Zentrum rücken.